Volatilität im Griff – Hybridanlagen führen die Solarbranche in die nächste Phase

Der Solarausbau in der Europäischen Union (EU) schreitet weiter voran: Laut dem Think Tank Ember stammten im vergangenen Jahr bereits 30 Prozent des Stroms aus Sonne und Wind. Mit diesem Erfolg wachsen jedoch die Anforderungen an das Energiesystem. Die entscheidende Aufgabe lautet längst nicht mehr, wie viel grüner Strom erzeugt wird, sondern wie er genau dann bereitsteht, wenn der Markt ihn braucht. PV-Hybridanlagen entwickeln sich hierbei zum kritischen Erfolgsfaktor. Sie verknüpfen Erzeugung, Speicherung und Netzintegration direkt vor Ort. Erst die Kombination von Photovoltaik (PV) und Batteriespeichern (Battery Energy Storage System, BESS) sichert die Versorgung, entlastet die Netze und schützt Anlagenbetreiber vor teuren Abregelungen.

PV-Hybridanlagen verbinden Solaranlagen und Großspeicher hinter einem einzigen Netzanschlusspunkt. Das macht das System flexibel. Solarstrom kann direkt ins Netz eingespeist oder zwischengespeichert und bei Bedarf ins Netz abgegeben werden. In der Mittagszeit und in den Sommermonaten erzeugen PV-Anlagen oft viel Strom. Das Überangebot überfordert die Netze, Anlagen müssen abgeregelt werden und die Preise an den Strombörsen sinken ins Negative – während genau dieser Strom am Abend fehlt, wenn der Verbrauch steigt. Die Lösung ist, Erzeugung und Speicherung miteinander zu kombinieren. Speicher machen erneuerbaren Strom besser planbar, glätten Preisspitzen und verringern den Bedarf an fossilen Kraftwerken. Für die Branche eröffnen sich neue Geschäftsmodelle bei der Planung, dem Betrieb und der Finanzierung von PV-Hybridanlagen. Das erneuerbare Energiesystem wird durch kombinierte Anlagen bezahlbar, wettbewerbsfähig und resilienter.

Parkplätze werden zu Energiequellen

Neben Dachflächen rücken zunehmend versiegelte Flächen in den Fokus. Die Kombination aus E-Mobilität und Solar-Carports entwickelt sich dabei zum zentralen Treiber für das C&I-Segment. Frankreich nimmt auf diesem Gebiet eine Pionierrolle ein: Das bereits 2023 in Kraft getretene APER-Gesetz verpflichtet Betreiber von Außenparkplätzen ab 1.500 m², mindestens die Hälfte der Fläche mit PV-Anlagen zu überdachen. Seit einer Gesetzesanpassung im Jahr 2025 sind zudem Mischlösungen mit Begrünung oder gleichwertiger regenerativer Erzeugung zulässig. In Deutschland folgen die Bundesländer diesem Trend mit Nachdruck.

Jedes Jahr lassen sich 50 Milliarden Euro einsparen

Der schnellste und effektivste Weg ist, den Ausbau von Solarenergie und Batteriespeichern voranzutreiben. Das zeigt die aktuelle Studie „Solar+: An EU pathway to achieve renewable targets, price affordability, and energy security“ von SolarPower Europe. Bis 2030 muss sich die Speicherkapazität auf 171 Gigawatt Leistung vervierfachen, die Speicherdauer auf dreieinhalb Stunden steigen. Die Betriebskosten des Stromsystems können bis 2030 dadurch halbiert werden, die Großhandelspreise für Strom deutlich sinken und die Preisschwankungen für Wirtschaft und Gesellschaft können reduziert werden.

Europa setzt auf Hybridanlagen

Großbritannien gilt im Bereich PV-Hybridanlagen als Vorreiter. Dank gezielter Förderinstrumente und beschleunigter Genehmigungsverfahren sind solche Anlagen bereits in Betrieb. Als wegweisend für Großprojekte gilt die Anlage in Cleve Hill, die einen Solarpark mit 373 Megawatt und einen Batteriespeicher mit 150 Megawatt verbindet. Auch in Deutschland sind bereits einige Projekte umgesetzt. Ein Beispiel ist der Energiepark in Gundelsheim im Landkreis Heilbronn. Solarpark und Batteriespeicher werden nun durch einen Windpark ergänzt. Die einzelnen Technologien sind so aufeinander abgestimmt, dass sie sich optimal ergänzen, um Schwankungen bei der Stromerzeugung besser auszugleichen. Durch den Batteriespeicher ist die Einspeisung des Solarstroms stärker am Bedarf im Netz ausgerichtet. Auch Italien unterstützt hybride Photovoltaik- und Speicherprojekte, Spanien reformiert das Auktions- und Netzsystem, um Flexibilität zu belohnen. Polen, Ungarn und andere mitteleuropäische Länder führen die Kopplung von Photovoltaik und Speichern ein.

Intersolar Europe: Sessions zum Thema

Auf der Intersolar Europe Conference werden am 22. Juni im International Congress Center München in der Session „Solar + Storage – Integrating Hybrid Assets for Grid Support and Flexibility“ Initiativen vorgestellt, wie integrierte Solar- und Speicher-Anlagen das Netz stärken und Engpässe verhindern können. Die Referenten berichten über Erfahrungen aus realen Projekten und davon, wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen Netzbetreibern, Entwicklern und Flexibilitätsanbietern ist. In einer Intersolar Forum Session von SolarPower Europe und der „Battery Storage Europe Platform“ tauschen sich am 24. Juni in Halle A3 Branchenexperten über die zunehmende Bedeutung von Hybridanlagen aus. Projektentwickler aus ganz Europa stellen Praxisbeispiele vor.

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