Zukunftsthemen, wirtschaftliche Herausforderungen und die Rolle des Elektrogroßhandels im Wandel waren die zentralen Themen der diesjährigen Jahreshauptversammlung des Verbands des Elektro-Großhandels (VEG) in Köln. Gemeinsam mit Gästen aus Industrie und Handwerk diskutierte die Branche über Digitalisierung, Energiewende und Fachkräftemangel. Trotz der anspruchsvollen Rahmenbedingungen zeigte sich dabei eine spürbare Zuversicht.

In seiner Begrüßung verwies der VEG-Vorstandsvorsitzende Rainer Rommel auf die Innovationskraft der Branche, die zuletzt auch auf der Light + Building sichtbar geworden sei. Lösungen rund um Energieeffizienz, Digitalisierung und intelligente Gebäudetechnik unterstrichen die Bedeutung der Elektrobranche für die Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft. Gleichzeitig kritisierte Rommel die fehlende wirtschaftspolitische Klarheit in Deutschland. Der Großhandel müsse daher zunehmend seine Stärke über Daten-, Prozess- und Servicekompetenz beweisen.
Aus wirtschaftspolitischer Perspektive argumentierte Dr. Henry Goecke von IW Consult in seinem Vortrag. Demografischer Wandel, Digitalisierung, Dekarbonisierung und geopolitische Spannungen träfen Unternehmen gleichermaßen und veränderten die Märkte spürbar. Dennoch sieht Goecke erhebliche Potenziale für den Elektrogroßhandel, beispielsweise durch den Ausbau des Stromnetzes, Smart Buildings, Wärmepumpen oder Rechenzentren. Entscheidend sei, wie konsequent Unternehmen Innovationen und Digitalisierung vorantreiben.
Einen anderen Blick auf Wirtschaft und Gesellschaft warf Prof. Dr. Dominik Enste vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln. Unter dem Titel „(Fast) Alles wird besser – und keiner merkt es“ zeigte er, dass öffentliche Debatten häufig negativer ausfallen als die tatsächliche Entwicklung vieler gesellschaftlicher Kennzahlen. Enste warnte davor, zentrale Herausforderungen wie den Fachkräftemangel und Bildungsdefizite zu unterschätzen.
Europäische Perspektiven brachte Henk Oude Brunink, Präsident der European Union of Electrical Wholesalers (EUEW), ein. Im Mittelpunkt stand die EUEW Business Convention, die am 24. und 25. Mai 2027 in Wien stattfinden wird. Angesichts von Energiewende, Digitalisierung und wachsender Regulierung müsse die Branche künftig stärker europäisch zusammenarbeiten und gemeinsame Lösungen entwickeln.
Beim Vortrag von Gudrun Arnold-Schoenen, die sich mit „Mein Leben für die ElektroWirtschaft“ zugleich aus dem operativen Berufsleben verabschiedete, wurde es persönlicher. In ihrem Abschiedsvortrag blickte sie auf mehrere Jahrzehnte Branchenentwicklung zurück und zeichnete den Wandel des Elektrogroßhandels vom klassischen Produktgeschäft hin zu digitalen und vernetzten Systemlösungen nach.
Im internen Teil der Versammlung standen neben dem Geschäftsbericht von Dr. Hans Henning (Hauptgeschäftsführer) und Darius Kremer (Geschäftsführer) vor allem Nachwuchsarbeit und Verbandsengagement im Mittelpunkt. Rommel hob die Bedeutung ehrenamtlicher Mitarbeit innerhalb des VEG hervor und warb dafür, junge Menschen frühzeitig für Verbandsarbeit zu begeistern. Die Jungen Führungskräfte im VEG präsentierten sich als sehr aktives Netzwerk. Themen wie Künstliche Intelligenz, Digitalisierung und Fachkräftemangel werden künftig noch stärker im Mittelpunkt stehen.
Außerdem wurden die besten Auszubildenden der Branche geehrt: Shakira Grau (Sonepar), Daniel Hinderer (Emil Löffelhardt), Sarah Hollander (Witte) sowie Bassam Alsaygh (J. W. Zander). Verabschiedet aus dem Ehrenamt wurden der frühere Vorstandsvorsitzende Ulrich Liedtke sowie die langjährigen Vorstandsmitglieder Markus Bruder, Thomas Moczigemba und Nicole Steuer. In den Laudationen würdigte der Verband insbesondere ihr Engagement für die Weiterentwicklung des VEG und der gesamten Branche.
Den ausführlichen Nachbericht lesen Sie in der Ausgabe 6 der ElektroWirtschaft.








