Sonepar feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Jubiläum im Vertrieb elektrotechnischer Produkte. Die ElektroWirtschaft sprach mit Dr. Stefan Stegemann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Sonepar Deutschland GmbH und verantwortlich über Zentral- und Nordeuropa, über Vergangenes sowie über zukünftige Herausforderungen der Branche.
ElektroWirtschaft: Was hat sich in den letzten 50 Jahren in der E-Branche verändert?
Dr. Stefan Stegemann: 50 Jahre sind eine lange Zeit und natürlich hat sich auch im Elektrogroßhandel eine Menge verändert. Unzählige Produktinnovationen führten und führen zu neuen Geschäftsfeldern, zum Beispiel in der Datentechnik, bei den Erneuerbaren Energien oder im Lichtsektor. Aber insbesondere der Wandel von einem Verkäufermarkt hin zu einem Käufermarkt, in dem die Nachfrage das Angebot bestimmt und nicht umgekehrt, ist von großer Bedeutung gewesen.
Mitte der 90er Jahre haben wir beispielsweise bei Sonepar im Süden Deutschlands mit dem Bau eines ersten großen Zentrallagers sicherlich neue Maßstäbe in Sachen Warenverfügbarkeit in unserer Branche gesetzt.
Mit dem Aufstieg des E-Commerce, auch hier gehört Sonepar mit seinem Online-Shop seit 1998 zu den Pionieren, hat sich das Bestellverhalten unserer Kunden wesentlich verändert.
Auch das heutige Thema der Digitalisierung stellt zunehmende Anforderungen an uns alle – und zwar nicht nur die Digitalisierung unserer eigenen Prozesse. Auch der Markteintritt neuer, branchenfremder Wettbewerber über das Internet, dem größten Marktplatz der Welt, ist eine natürliche und unmittelbare Folge der Digitalisierung.
Die Veränderungszyklen nehmen an Geschwindigkeit zu. Was vor fünf Jahren noch neu war, kann heute oder morgen schon Geschichte sein. Das fordert uns Menschen in besonderer Weise, denn wir lieben das Gefühl von Sicherheit. Aber nur eines ist heute wirklich sicher: Dass wir uns verändern müssen, weil sich die Welt um uns herum sehr dynamisch verändert.
ElektroWirtschaft: Wie hat Sonepar im Laufe der Jahre auf diese Veränderungen reagiert?
Dr. Stefan Stegemann: Sonepar ist ein Unternehmen, dessen Eigentümerfamilien bereits seit 150 Jahren zusammenarbeiten. Wir sind nicht an der Börse notiert, was uns wichtige Freiräume für selbstgestaltete Veränderungen gibt.
„Was zählt, ist, was bleibt. Um zu bestehen, müssen wir uns anpassen.“ – dieser Ausspruch von Henri Coisne, der für die Inhaberfamilien 1969 den Einstieg in den Elektrogroßhandel als Chance erkannte, beschreibt ganz hervorragend, wie Sonepar auf Veränderungen reagiert.
Nachhaltigkeit und langfristiger Erfolg spielen bei uns eine große Rolle. Ich darf für dieses Unternehmen nun schon seit 26 Jahren arbeiten und habe das freie, unternehmerische Handeln stets sehr geschätzt. Wir haben uns immer neuen Herausforderungen gestellt und waren bei großen Veränderungen sehr oft sogar Trendsetter und Pioniere in unserer Branche – zu unserem Vorteil, aber sicher auch zum Vorteil unserer Marktbegleiter.
Otto Kuhmann erkannte bereits in den 1970er Jahren die großen Chancen der Europäisierung des Elektrogroßhandels und legte mit den niederländischen Kollegen den Grundstein für die heutige Sonepar Deutschland-Gruppe.
Und Sonepar hat kontinuierlich in Deutschland investiert: in Mitarbeiter, Ausstattung, IT, Logistik – aber auch in die Akquisition neuer Unternehmen. So sind wir über die Jahre gewachsen und stehen heute mit einer hervorragenden Marktposition da. Wir setzen alles daran, dass dies auch in den nächsten Jahren so bleibt. 
ElektoWirtschaft: Wie sieht die „neue Sonepar“ aus?
Dr. Stefan Stegemann: „Neue Sonepar“ ist vielleicht etwas zu hoch gegriffen, denn warum sollte man etwas völlig neu machen, wenn sich das Alte bisher so ausgezeichnet bewährt hat. Wir brauchen eine hochmoderne Sonepar – effizient und produktiv in allen Prozessen. Unsere hohe Leistungsfähigkeit als Gesamtpaket aus Know-how, Qualität, Services und Logistik muss für unsere Kunden – wie in den letzten 50 Jahren – den Unterschied zu unseren Gunsten machen. Jeden Tag hoffentlich etwas mehr…
Das Ziel ist ein frustfreies und bestmögliches Kauferlebnis bei Sonepar. Ich weiß, dass Wort „Kauferlebnis“ hört sich konsumentenlastig an. Es gibt dazu ein kluges Zitat, das besagt, dass Kunden die beste Erfahrung, die sie irgendwo gemacht haben, als Minimum immer und überall erwarten. Ich denke, das ist ein wichtiger Punkt, der B2B und B2C in einem anderen Licht erscheinen lässt. Auf den Punkt gebracht bedeutet das: Was unser Kunden als Privatperson bei Amazon gut findet, das erwartet er als Geschäftskunde auch mindestens von Sonepar. Mit uns im Geschäft zu sein, muss einfach Spaß machen. Daran wollen wir uns immer messen lassen.
ElektroWirtschaft: Was macht Sonepar zukunftsfähig?
Dr. Stefan Stegemann: Unsere in die Zukunft gerichteten Investitionen in Logistik, IT und vor allem in die Qualifikation unserer Mitarbeiter. Hier haben wir bereits heute in Deutschland eine sehr gute Basis, die wir ganz systematisch ausbauen wollen.
Überhaupt schätze ich die Kreativität und das Unternehmertum unserer Mitarbeiter, die sich insbesondere in unseren zusätzlichen Dienstleistungen niederschlagen. Über unsere Services bieten wir unseren Kunden einen Mehrwert. Von der Lagerregalierung über Baustellencontainer unterschiedlicher Couleur, über Mietgeräte oder Planungen in den Bereichen Licht, Smart Home oder Photovoltaik bis hin zu Energie- oder gar Prozessberatungen. Wir tun das, um unsere Kunden bestmöglich zu unterstützen. Jeden anders, jeden individuell – das macht uns aus.
ElektroWirtschaft: Wie sehen Sie die Zukunft der Branche?
Dr. Stefan Stegemann: Die Zukunft aus heutiger Sicht vorherzusagen, ist schwieriger denn je. Wer auf Geschwindigkeit von Marktveränderungen nicht zeitnah, aus finanziellen oder organisatorischen Gründen, reagieren kann, wird es sehr schwer haben. Größe und Konzentrationsprozesse werden an Bedeutung gewinnen – sehen Sie sich Amazon oder Alibaba an. Es ist aus meiner Sicht enorm wichtig, beweglich zu bleiben. Dazu braucht es ein gutes Auge für Marktbewegungen und vor allem ein hervorragendes Team, das schnell reagiert und richtig antizipiert. Das hat uns schon in den letzten 50 Jahren ausgezeichnet und soll auch für die nächsten 50 Jahre unser Maßstab sein.








