„Wir unterschätzen systematisch, was gutes Licht wirklich leistet“

Gutes Licht ist mehr als eine Energiefrage – es prägt Wohlbefinden, Gesundheit und Produktivität. Warum sein Beitrag zur Nachhaltigkeit oft unterschätzt wird, erklärt Paula Longato im dritten Teil unserer Serie „Nachhaltig nachgehakt“. Sie leitet die AG Nachhaltigkeit bei der Deutschen Gesellschaft für LichtTechnik + LichtGestaltung (LiTG) und verantwortet die Lichtplanung Europa bei Buro Happold.

Was bedeutet nachhaltige Transformation für Sie – jenseits von Technik, Normen und politischen Vorgaben?

Paula Longato: Nachhaltige Transformation beginnt beim Menschen, nicht beim Produkt. Es geht darum, eine Gemeinschaft aufzubauen, die wirklich bereit ist, voneinander zu lernen, Annahmen zu hinterfragen und gemeinsam zu handeln. Technik und Regulierung sind wichtige Enabler. Was echten Wandel bewirkt, ist aber das gemeinsame Verständnis. Wie wir Licht planen, produzieren und nutzen, hat reale Konsequenzen – für Menschen, für die Umwelt, für uns selbst. Genau deshalb ist die AG Nachhaltigkeit innerhalb der LiTG so wichtig. Die LiTG bringt bereits Hersteller, Planer, Ingenieure, Forschende und den Handel zusammen. Die AG gibt dieser Gemeinschaft Raum für die schwierigen Fragen: Wie reduzieren wir Schäden? Wie schaffen wir mehr Wert mit weniger Ressourcen? Wie wird nachhaltiges Denken zur Selbstverständlichkeit?

Licht wird in der Nachhaltigkeitsdebatte häufig auf Energieeffizienz reduziert. Wird damit nicht ein wesentlicher Teil seines Beitrags zu nachhaltigen Gebäuden übersehen?

Paula Longato: Ja, absolut und das ist eines der hartnäckigsten Missverständnisse in unserem Bereich. Licht ist nicht einfach ein System, das Energie verbraucht. Es ist eine der grundlegendsten Kräfte dafür, wie sich Menschen in ihren Räumen fühlen, funktionieren und erholen. Tageslicht reguliert unsere zirkadianen Rhythmen. Es unterstützt die psychische und körperliche Gesundheit und beeinflusst die Produktivität direkt. Gut geplantes elektrisches Licht verlängert diese Wirkung rund um die Uhr. Das Problem: Diese Effekte lassen sich schwer in einer Kilowattstunden-Rechnung abbilden. Also messen wir, was einfach messbar ist, und unterschätzen dabei systematisch, was gutes Licht wirklich leistet. Die Lichtbranche muss lernen, die volle Wirkung dessen, was sie plant und baut, viel besser zu kommunizieren.

Das gesamt Interview finden Sie in der aktuellen Ausgabe der ElektroWirtschaft: 05/2026.

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