Studie des McKinsey Global Institute: Deutschlands Wirtschaft baut kaum noch zusätzliche Produktionskapazität auf; Nettoinvestitionen liegen bei nur noch 0,2 Prozent des BIP – Über den gesamten Projektlebenszyklus liegen die Kosten neuer Investitionsvorhaben in Deutschland je nach Branche rund 40 bis über 250 Prozent über denen am jeweils wettbewerbsfähigsten Standort – Für Unternehmen heißt das: Produktivität steigern, Geschwindigkeit erhöhen und mit Innovationen Wettbewerbsvorteile zurückgewinnen.
Wo Unternehmen heute investieren, entscheidet darüber, wo morgen produziert und Wert geschöpft wird. Eine neue Studie des McKinsey Global Institute (MGI), „Catalyzing competitiveness: Where investment happens and why“, nutzt produktive Investitionen als praxisnahen Indikator für Wettbewerbsfähigkeit. Gemeint sind damit Investitionen in nichtwohnwirtschaftliche Anlagen wie Infrastruktur, Fabriken und Maschinen sowie in geistiges Eigentum, etwa Software, Datenbanken und Forschung und Entwicklung.
Im globalen Bild driften die Investitionen auseinander: China investiert rund 5,9 Billionen US-Dollar pro Jahr in produktive Anlagen, die USA 5,1 Billionen, die EU-27 nur 3,1 Billionen. Im Nettovergleich baut China seinen Kapitalstock mit etwa 23 Prozent des BIP pro Jahr auf und fügt damit drei- bis fünfmal so viel hinzu wie die USA und Europa zusammen. Europa kommt netto, d.h. nach Abschreibungen auf alternde Anlagen, auf rund 2 Prozent, die USA auf etwa 4 Prozent. Deutschland liegt mit 0,2 Prozent am unteren Ende. Die Nettoinvestitionen reichen kaum noch aus, um den bestehenden Kapitalstock zu erneuern. Um die Lücke zu schließen, müsste Europa seine Investitionen nach MGI-Berechnungen um etwa 750 bis 800 Milliarden Euro pro Jahr erhöhen.
Deutschland im Standortwettbewerb typischerweise über 50 Prozent teurer
Die Studie untersucht zehn konkrete Investitionsfälle und analysiert die Gesamtkosten inklusive der Kapitalkosten für neue Anlagen. Sie reichen von Kernkraft und Solar über Chemie, Stahl, Batterien, Halbleiter und Pharma bis zu Rechenzentren und Entwicklungsprojekten in Automobil und Biotech. Für Deutschland zeigt sich ein durchgängiges Muster: Für Halbleiter etwa liegt der Kostennachteil bei gut 40 Prozent. Bei der Entwicklung neuer E-Auto-Plattformen liegen die Kosten für deutsche und US-Autobauer etwa drei- bis viermal so hoch wie für chinesische Hersteller; ähnlich verhält es sich bei der Entwicklung von Biopharmaka. In der Chemie ist die Polyethylenherstellung aufgrund der Erdgaspreise etwa doppelt so teuer wie in den USA oder Saudi-Arabien.
Treiber sind höhere Löhne, die nicht mehr durch höhere Produktivität ausgeglichen werden, höhere Bau- und Energiekosten, längere Projektlaufzeiten und höhere regulatorische Komplexität. Eine Baugenehmigung für nichtwohnwirtschaftliche Vorhaben etwa dauert in Deutschland im Schnitt rund 200 Tage gegenüber etwa 60 in den USA und rund 40 in China. Im industriellen Kerngebiet rund um Rhein und Rotterdam liegen die Strompreise im Schnitt bei über 150 US-Dollar pro Megawattstunde – ein struktureller Nachteil vor allem für energieintensive Industrien.
Handlungsperspektive für Unternehmen: Produktivität und Differenzierung
Das MGI identifiziert mehrere Hebel, mit denen Unternehmen ihre Investitionsrechnung verbessern können. Unternehmen können ihre Wettbewerbsfähigkeit vor allem durch effizientere Bauprozesse, mehr Automatisierung und KI sowie schnellere Entwicklungs- und Markteinführungszeiten steigern. Zudem empfiehlt das McKinsey Global Institute, sich mit innovativen Technologien und spezialisierten Premiumlösungen vom reinen Kostenwettbewerb abzuheben.
„Wenngleich das Investitionsumfeld sicher nicht ideal ist, bleibt Abwarten für Unternehmen die teuerste Option. Gerade große und dynamische Unternehmen können vorangehen und das Umfeld selbst gestalten.”, so Mischke.








