Fachkräftebedarf in den E-Handwerken weiterhin rückläufig

Gemäß der aktuellen Fachkräfteerhebung des ZVEH verzeichnen die E-Handwerke derzeit etwa 65.000 offene Stellen – 18 Prozent weniger als vor einem Jahr. Dies deutet darauf hin, dass der Bedarf an Fachkräften wie im Vorjahr weiter rückläufig ist. Am meisten betroffen sind an- und ungelernte Helfer. Die Gründe sind vielfältig: Die Krise im Neubaubereich hält an, die Sanierungsrate ist auf einem Tiefpunkt, die Energiewende stagniert. Angesichts der demografischen Entwicklung warnt der ZVEH jedoch: Der Fachkräftebedarf bleibt eine Herausforderung! 

Bereits vor wenigen Wochen zeigte die Herbstkonjunkturumfrage 2025 des Zentralverbandes der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH): Die Unternehmen sind im Zuge der gesamtwirtschaftlichen Situation deutlich zurückhaltender geworden, was die Einstellung neuer Mitarbeiter betrifft. Hatten vor zwei Jahren, im Oktober 2023, noch 66 Prozent der Unternehmen angegeben, offene Stellen zu haben, waren es im Oktober 2025 nur noch 46,9 Prozent.

Rückgang von 80.000 auf jetzt 65.000 offene Stellen

Nun macht die aktuelle Fachkräfteerhebung des ZVEH* deutlich: Auch für 2026 ist der Fachkräftebedarf im größten installierenden Gewerk weiter rückläufig. Die gesamtwirtschaftliche Situation schlägt sich damit auch auf diesen wichtigen Konjunkturindikator nieder. So sank die Zahl der gemeldeten offenen Stellen von 79.567 zu Beginn des Jahres 2025 auf jetzt 65.301** und ist damit zum zweiten Mal in Folge rückläufig. Zwischen 2021 und 2023, auf der Hochphase der Energiewende, war der Bedarf noch von Jahr zu Jahr angestiegen und hatte 2023 mit 96.580 offenen Stellen einen Höhepunkt erreicht.

„Es zeichnet sich bereits seit geraumer Zeit ab, dass unsere Betriebe trotz weiterhin recht hoher Auftragspolster zurückhaltender werden, was die Ausschreibung von offenen Stellen beziehungsweise die Einstellung neuer Mitarbeiter betrifft“, erklärt ZVEH-Hauptgeschäftsführer Alexander Neuhäuser. Als Gründe nennt er zum einen die schlechte Stimmung in der Wirtschaft, vor allem aber auch Faktoren wie die anhaltende Baukrise und das auch politisch motivierte Abbremsen der Energiewende.

Multiple Faktoren verantwortlich

„Der Neubau-Bereich schwächelt noch, die Sanierungsquote im Bestand hat ein Allzeittief erreicht, die Elektromobilität stagniert und selbst der Wachstumsmarkt ,Photovoltaik‘ ist mittlerweile rückläufig. Das hat natürlich Auswirkungen auf die E-Handwerke als größtes Klimahandwerk“, so Alexander Neuhäuser. Er kritisiert, dass die Energiepolitik von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche die Energiewende unnötig bremse, indem sie den Fokus ausschließlich auf deren Kosten lege, statt die positiven Effekte eines ambitionierten Erneuerbare-Ausbaus für die Wirtschaft anzuerkennen. Nach Neuhäusers Ansicht sorgen aber auch die Diskussion um das Verbrenner-Aus und die Verschiebung des Europäischen Emissionshandelssystems 2 (EU-ETS 2) für Verunsicherung und Investitionszurückhaltung im Hinblick auf Erneuerbare Energien.

Qualifizierte Fachkräfte weiter gefragt

Schaut man sich die aktuelle Auswertung im Detail an, so zeigt sich: Der Bedarf sinkt vor allem bei ungelernten Kräften. Waren im Bereich der an- und ungelernten Helfer 2023 noch 7.996 offene Stellen zu verzeichnen, so waren es nun weniger als halb so viele (2026: 3.673 offene Stellen). Bei den Gesellen, den hochqualifizierten Gesellen und den Meistern ging der Bedarf zwar ebenfalls zurück, dies jedoch in geringerem Maße – bei den Gesellen von 25.568 in 2025 auf aktuell 21.655, bei den hochqualifizierten Gesellen von 23.048 auf jetzt 17.627, bei den Meistern von 5.641 in 2025 auf nun 5.140. „Wir beobachten, dass verstärkt auf Fachkräfte gesetzt wird, die aufgrund umfangreicher Qualifikationen möglichst flexibel einsetzbar sind, so dass der Betrieb sich schneller an die Nachfrage anpassen kann“, so die Einschätzung von Alexander Neuhäuser.

Fachkräftebedarf bleibt weiter hoch

Auch bei den Auszubildenden wurden aktuell zwar weniger offene Stellen ausgewiesen, der Rückgang ist aber auch hier verhältnismäßig. Für den ZVEH-Hauptgeschäftsführer ist das eine erfreuliche Nachricht, denn aufgrund des demografischen Wandels und der sich vollziehenden allgemeinen Elektrifizierung des Lebens bleibt seiner Einschätzung nach der Fachkräftebedarf eine große Herausforderung für die E-Branche: „Die Themen ,Ausbildung‘ und ,Qualifizierung‘ angesichts einer schwächelnden Wirtschaft zu vernachlässigen, wäre absolut kontraproduktiv. Denn der Rückzug der Boomer aus dem Arbeitsleben hat ja erst begonnen.“ Ein hochentwickeltes Land wie Deutschland müsse daher, um nachhaltig erfolgreich zu sein, auch künftig auf eine hochwertige Ausbildung und Qualifizierung setzen.

Gemessen wird der Fachkräftebedarf anhand der Zahl der offenen Stellen, die die Betriebe in der vorausgegangenen ZVEH-Herbstkonjunkturumfrage 2025 angegeben hatten.

** Diese Zahl spiegelt nicht die offenen Stellen wider, die den Arbeitsagenturen gemeldet wurden, sondern entstammt einer Hochrechnung auf Grundlage der Ergebnisse der ZVEH-Herbstkonjunkturumfrage 2025 sowie den Daten der Handwerkszählung des Statistischen Bundesamtes.

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