Cybersecurity – nicht jede Bedrohung macht Schlagzeilen

Cyberangriffe auf Kühlanlagen und Sicherheitslücken bei Photovoltaik-Wechselrichtern zeigen, wie verwundbar vernetzte Technik sein kann. Der ZVEH warnt vor Risiken, die weit über solche aufsehenerregenden Fälle hinausgehen, und fordert mehr Risikobewusstsein, weniger Herstellerabhängigkeiten sowie offene und sichere Standards.

Manipulierte Kühlanlagen in Hunderten französischen Supermärkten Mitte Oktober und zu Beginn dieser Woche auch in deutschen Märkten sowie eine Sicherheitslücke, über die rund 250.000 Photovoltaik-Anlagen in Deutschland potentiell angreifbar waren: Fälle, die für Schlagzeilen sorgten und zeigen, wie sich vermeintlich einzelne Schwachstellen durch die Vernetzung zu systemischen Risiken für ganze Gebäudebestände oder Versorgungsstrukturen entwickeln können.

Cyberrisiken in smarten Gebäuden

Smart Homes, Wärmepumpen, Photovoltaik-Anlagen, Ladeeinrichtungen und Gebäudeautomationssysteme sind zunehmend untereinander und mit externen Diensten verbunden. Das sorgt für Effizienz und neue Dienstleistungen, schafft aber auch Angriffsmöglichkeiten: Unsichere Internetzugänge, veraltete Software, ungeschützte Schnittstellen oder kompromittierte Cloud-Dienste können die Funktion ganzer Anlagen beeinträchtigen. Viele Vorfälle bleiben unbemerkt oder finden kaum öffentliche Beachtung – obwohl sich ähnliche Bedrohungen an zahlreichen Standorten wiederholen können. Der ZVEH fordert daher, Cybersicherheit bereits bei Planung, Produktauswahl und Vernetzung zu berücksichtigen, anstatt erst nach einem Schadensfall zu reagieren.

Diversität und Risikostreuung statt Monokulturen

Nutzen Anlagen dieselbe Steuerung, Software oder Cloud, kann eine einzige Schwachstelle zahlreiche Nutzer treffen. Das Risiko erhöht sich auch, wenn E-Handwerksbetriebe bei allen Kunden dieselbe proprietäre Lösung einsetzen.

“Neben wichtigen Aspekten wie Effizienz und Komfort muss die Cybersicherheit auch im Kundenbewusstsein an Bedeutung gewinnen. Die Folgen von Angriffen und des Ausfalls zentraler Komponenten können verheerend sein.”, betont Neuhäuser. Risikostreuung sei daher ein wichtiger Bestandteil digitaler Resilienz. Herstellervielfalt allein genüge jedoch nicht. Denn Systeme müssen unabhängig voneinander funktionieren und dürfen nicht dieselben kritischen Schwachstellen teilen.

Auf offene Standards setzen

Damit unterschiedliche Lösungen sicher zusammenarbeiten können, braucht es aus Sicht des ZVEH offene, standardisierte Kommunikationsprotokolle und Schnittstellen. Proprietäre Plattformen erschweren den Austausch von Komponenten und binden Kunden und Fachbetriebe an einzelne Anbieter (“Lock-in-Effekte”). Interoperabilität schafft dagegen nicht nur Wahlfreiheit. Sie erleichtert auch die Wartung und den langfristigen Betrieb. Voraussetzung sind geschützte Kommunikation, geregelte Zugriffsrechte, verbindliche Sicherheitsanforderungen und zuverlässige Updates. “Es braucht keine immer stärker abgeschotteten Herstellerwelten, sondern sichere, interoperable Systeme. Erst dadurch werden Risikostreuung und langfristige Betriebssicherheit möglich”, so Alexander Neuhäuser, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH).

E-Handwerke als Partner für Cyberresilienz

Mit zunehmender Vernetzung wächst die Bedeutung der E-Handwerke über die Installation hinaus. Sie integrieren komplexe Systeme, planen sichere Netzwerkarchitekturen, trennen kritische Bereiche, erkennen Risiken und begleiten Anlagen über ihren Lebenszyklus – einschließlich Dokumentation, Sicherheitsupdates und Wartung. Der 2021 eingeführte Ausbildungsberuf Elektroniker/-in für Gebäudesystemintegration (Gebäudesystemintegrator / GSI) trägt dieser Entwicklung Rechnung. Unabhängig davon müssen Cybersecurity und -resilienz angesichts sich ständig verändernder Bedrohungen künftig noch stärker in Qualifizierung und den e-handwerklichen Dienstleistungen verankert werden. Hier sind auch die Betriebe gefordert.

Cybersicherheit ist gemeinsame Verantwortung

Was das Thema “Cybersecurity” angeht, sieht der ZVEH Hersteller, Betreiber, Politik und Fachbetriebe gemeinsam in der Pflicht. Hersteller müssen sichere, wartbare und interoperable Produkte anbieten. Betreiber und Kunden sollten bei der Auswahl neben Preis und Funktionalität auch auf Sicherheitsstandards und Updatefähigkeit von Systemen und Lösungen achten und einen Blick auf Herstellerabhängigkeiten werfen. Und die E-Handwerke als zentrale Partner für Planung, Integration und Betreuung müssen sich umfassender mit dem Thema “Cybersecurity” auseinandersetzen.

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