VEG-Jahreshauptversammlung in Wien: Zwischen Urgemütlichkeit, digitaler Zukunft und Kettensäge

Der Bundesverband des Elektro-Großhandels (VEG) e.V. lud am 17. Mai 2019 zu seiner Jahreshauptversammlung und Beiratssitzung ein. Tagungsort war dieses Mal das Vienna Marriott Hotel in der österreichischen Hauptstadt Wien. Bereits am Vorabend versammelten sich die VEG-Mitglieder zum Networking in ungezwungener Atmosphäre beim Heurigen in Wiens Winzerbezirk Neustift am Walde. Die authentische Stimmung bereitete auf die mit Spannung erwarteten Diskussionsthemen der Jahreshauptversammlung vor.

VEG-Vorstandsvorsitzender Holger Heckle begrüßte die Tagungsteilnehmer seit längerer Zeit mal wieder auf internationalem Parkett: „Herzlich Willkommen in Wien, eine bedeutende Hauptstadt Europas mit intellektuellem Erbe. Diese Stadt zelebriert Geschichte. Mit 1,8 Millionen Einwohnern besitzt sie aber auch eine geballte wirtschaftliche Kraft – und nicht nur die typischen Klischees wie Wiener Schnitzel oder Fiaker.“ Die entscheidende Botschaft: „Wir wollten die Jahreshauptversammlung unbedingt in dieser Metropole stattfinden lassen, um über die Ländergrenzen hinaus Synergieeffekte zu nutzen. Für eine derartige Veranstaltung in Österreich bedarf es auch eines Türöffners“, so Heckle weiter. Er bedankte sich für die aktive Unterstützung bei Bianca Dvorak, stellvertretende Geschäftsführerin der Wirtschaftskammer Österreich für den Bereich Elektro- und Einrichtungsfachhandel und Kommerzialrat J. Robert Pfarrwaller, Vorsitzender des Fachausschusses Elektrogroßhandel / Bundesgremium des Elektro- und Einrichtungsfachhandels der Wirtschaftskammer Österreich, dessen Idee es war, nach Wien zu kommen.

Heckle bereitete die Teilnehmer zugleich auf den Kern der Tagung vor: „Die digitale Transformation beschäftigt uns bereits seit einiger Zeit. Wir reden nicht nur darüber, sondern bieten auch potenzielle Lösungen an. Ich bin davon überzeugt, dass wir als Branche in einer globalisierten Welt nur dann eine Chance haben, wenn wir Standards entwickeln und uns über diese auch definieren. Hochwertige Produktdaten sind daher von immenser Bedeutung. Wir besitzen ein fantastisches Netzwerk inklusive der Kompetenz des Elektrohandwerks.“ Sein weiterer Appell: „Es geht um die Zukunft. Ich kann nur jeden Branchenteilnehmer bitten, sich nicht davon beirren zu lassen, wie gut es uns momentan geht. In Zusammenarbeit mit den Verbänden ZVEI, ZVEH und BGA haben wir eine starke Stimme. Es liegt an uns, was wir daraus machen“, so Heckle weiter.

Anschließend übergab er das Wort an VEG-Geschäftsführer Darius Kremer. Er referierte unter anderem über die Änderungen des neuen Verpackungsgesetzes sowie die Reform des AGB-Rechts für B2B-Verträge. VEG-Hauptgeschäftsführer Dr. Hans Henning gab den Mitgliedern anschließend einen Überblick über die EUEW-Tätigkeiten des Verbandes und die General Convention, die vom 9. bis 11. Mai in Brüssel stattfand. Im weiteren Verlauf präsentierte er den Teilnehmern umfassende Statistiken zur Entwicklung der Konjunkturlage aus den vergangenen zwei Jahren sowie die Umsatz- und Mitgliederentwicklung im VEG-Elektrogroßhandel.

Zum Thema Ausbildung referierte Thomas Wätzel, Mitglied des erweiterten BGA-Präsidiums. Er stellte die Novellierungen des Berufsbildes im Groß- und Außenhandel vor – insbesondere die neuen Berufszweige Kaufmann/Kauffrau im E-Commerce sowie Kaufmann/Kauffrau für Groß- und Außenhandelsmanagement. Die inhaltlichen Schwerpunkte der Ausbildung wie elektronische Geschäftsprozesse, Stammdatenmanagement, E-Commerce, Datenschutz und Datensicherheit unterliegen dem zunehmenden Digitalisierungsprozess, dem sich die Branche stellen muss, um fit für die Zukunft zu bleiben. Eine der wichtigsten Aufgaben werde in Zukunft sein, junge Menschen für die entsprechenden Berufe zu begeistern, so Wätzel abschließend.

Passend zum Thema Nachwuchs warb Philipp Naumann, Sprecher der Jungen Führungskräfte im VEG, für die jährliche Tagung der Junioren. Die kommende Veranstaltung findet dieses Mal bei der Hager Vertriebsgesellschaft vom 26. bis 28. September 2019 in Blieskastel statt.

Ein Höhepunkt war die Auszeichnung der besten Auszubildenden des Jahres 2019. Geehrt wurden in diesem Jahr Alexander Becker (Albert Schaller / J.W. Zander GmbH & Co. KG), Leon Grabow (H. Gautzsch GmbH & Co. KG), Larissa Kostic (Sonepar Deutschland / Region Nord-Ost GmbH) und Tiffany Krones (Sonepar Österreich GmbH). Die Protagonisten selbst kamen im Anschluss in Form eines Videos zu Wort, welches kurz vor der Jahreshauptversammlung in Wien gedreht wurde. In Anschluss bekamen sie ein Jahresabo der ElektroWirtschaft inklusive digitalem Zugriff geschenkt.

Nach einer Pause ging es in den zweiten Teil der Jahreshauptversammlung. Die digitale Transformation war in diesem Block das dominierende Tagungsthema. Wie erreicht die Branche eine optimale Produktstammdatenqualität? Dazu bekamen die Teilnehmer einen Überblick von Thorsten Ludewig, 1. Vorsitzender ETIM Deutschland e.V., und Prof. Dr. Uwe Kern, Geschäftsführer der ITEK GmbH und verantwortlich für die Stabsstellen SHK und Digitale Schnittstellen ETIM Deutschland. Mit Spannung von der Branche erwartet wird die Vorstellung von ELBRIDGE 2.0. Der Pilotbetrieb hat inzwischen im Monat Mai begonnen. Die bekannte Zielsetzung von ELBRIDGE sieht vor, die Konfiguratoren der Industrie an den Großhandelsshop anzubinden. Bei ELBRIDGE 2.0 startet der Handwerker seinen Produktauswahlprozess bereits auf der Website des Herstellers. Nach der ETIM-Mitgliederversammlung im Juni werde ELBRIDGE 2.0 im Markt angeboten, so Prof. Dr. Kern.

Mit ePlato wurde zum Thema „Leistungsverzeichnisse effizient bearbeiten“ eine Branchenplattform von Georg Huber, Geschäftsführer root nine GmbH, vorgestellt. ePlato verbindet Planer, Handwerker, Großhändler und Hersteller auf einer gemeinsamen Arbeitsplattform. Erstmalig werden auch Hersteller und Großhandel in den Prozess der digitalen Ausschreibungs- und Angebotsbearbeitung eingebunden. Anschließend fand eine Diskussion mit Piet Bünte, verantwortlich für Business Development Digital bei Sonepar Deutschland, und Rainer Rommel, Geschäftsführer der Emil Löffelhardt GmbH & Co. KG, statt. Der Meinungsaustausch unter den Mitgliedern zeigte deutlich die Wichtigkeit von Daten in Bezug auf digitalisierte Geschäftsprozesse und die einhergehende Bedeutung eines vertrauensvollen Umgangs mit diesen Daten.

Einen Einblick in die österreichische Großhandelslandschaft bekamen die Tagungsteilnehmer anschließend von J. Robert Pfarrwaller: „Wir freuen uns sehr, dass die Tagung in Wien stattfindet, da wir hier beispielhaft zeigen können, warum es uns 2016 in Berlin zur VEG-Beiratssitzung so wichtig war, für die Verbands-Mitgliedschaft zu werben.“ Pfarrwaller bestätigte, dass auch Österreich unter der Problematik des Fachkräftemangels zu leiden hat – etwa 4.000 qualifizierte Elektroinstallateure fehlen aktuell. „Insgesamt können wir aus dem regelmäßigen Austausch mit dem VEG nur lernen und uns gegenseitig befruchten“, konstatierte er abschließend.

Der offizielle Teil der Veranstaltung endete mit einem Vortrag von Keynote-Speaker Dietmar Dahmen. Der Visionär und Transformationsexperte führte die Gäste durch sein kurzweiliges Programm und präsentierte in markanter Art und Weise seine Sicht, wie sich Unternehmer und Führungskräfte auf das digitale Zeitalter vorbereiten sollten. Krönender Abschluss: der Einsatz einer Kettensäge.

Dahmen zeigte, dass sogenannte „Angriffe“ stets von außerhalb und überraschend entstehen. Wichtig sei es deshalb, sinnbildlich wie ein tänzelnder Boxer in Bewegung zu bleiben, und sich dem „Neuen“ zu öffnen. Um für die Zukunft gerüstet zu sein, müsse auch mal die Komfortzone verlassen werden, ohne dabei das „Alte“ zu schonen. Exemplarisch zersägte er abschließend einen ganzen Stapel Sitzkissen – die sogenannten „Kissen der Bequemlichkeit“ auf einem Bürostuhl. Die Federn flogen durch den Tagungsraum. Das hat gesessen…

In festlicher Atmosphäre ließen die Tagungsteilnehmer Ihren Besuch in Wien während des Abschlussabends im Schubert Saal des Kursalons Wien ausklingen. Die nächste VEG-Jahreshauptversammlung findet am 15. Mai 2020 in Leipzig statt.

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