Der Branche stehen zahlreiche Markt-herausforderungen bevor. Welche Themen kommen auf uns zu? Welche Rolle spielt dabei die Digitalisierung? Die ElektroWirtschaft hat im Interview mit Andreas Bettermann, OBO Bettermann, nachgefragt.
ElektroWirtschaft: Herr Bettermann, wir betrachten beim diesjährigen Forum ElektroWirtschaft die zukünftige Rolle des Handels im Rahmen der Digitalisierung. Wie bewerten Sie die aktuelle Lage des Großhandels?
Andreas Bettermann: Die aktuelle Lage des Elektrogroßhandels ist, soweit ich das beurteilen kann, ähnlich gut wie die Lage der Industrie. Die Auftragsbücher des Handwerks sind voll und werden derzeit lediglich durch die fehlenden Fachkräfte limitiert. Also wird das Thema der digitalen Disruption derzeit oftmals noch nicht wahrgenommen. Es wird aber spannend, wenn das, was sich bei den Frühzüglern der Industrie und bei den Strukturdefiziten z. B. der Automobilindustrie abzeichnet, auch auf uns zu wirken beginnt.
ElektroWirtschaft: Welche Marktherausforderungen erwarten uns? Stehen die Weichen bereits in Richtung Zukunft?
Andreas Bettermann: Es ist ein Wandel geschehen, der Fortschritt der Digitalisierung ist in den Köpfen der Menschen angekommen. Veränderung hat es immer gegeben, sie muss akzeptiert werden. Zusätzlich muss die Grundlage, in unserem Fall die richtige Infrastruktur, geschaffen werden. Das 5G-Netz ist im Aufbau. Schnelligkeit ist sicher die richtige Weiche an dieser Stelle. Verbunden mit der Akzeptanz und dem Willen für Veränderung, ist das schon ein großer Schritt in die richtige Richtung.
ElektroWirtschaft: Amazon und Co. reichen den Endverbraucher nicht mehr aus. Der US-amerikanische Konzern richtet, wie andere Big Player, sein Augenmerk in Richtung Großhandel und könnte sich auch in Europa in diesem Bereich niederlassen. Müssen wir über das „Ob“ oder das „Wann“ diskutieren?
Andreas Bettermann: Meiner Meinung nach ist das „ob“ schon beantwortet und das „wann“ mit „gestern und morgen“ auch klar. Ob es Amazon ist oder einfach die Vielzahl an Portalen und Marktplätzen, die sich aufgetan haben und wachsen, lässt sich nicht beantworten.
ElektroWirtschaft: Die Lösung der Herausforderung liegt in der Partnerschaft des dreistufigen Vertriebs, oder?
Andreas Bettermann: Sie kann nur zu einem großen Teil hierin liegen. Zumindest alle Hersteller, die einen umsatzkritischen Teil Ihres Geschäftes über den dreistufigen Vertrieb abwickeln müssen, haben ein natürliches Interesse daran, diese Partnerschaft auch digital abbilden zu können. Dass dies möglich ist, zeigen die bestehenden Initiativen.
ElektroWirtschaft: „Wer Daten intelligent nutzt, bietet besseren Service.“ Können Sie diese Behauptung unterschreiben?
Andreas Bettermann: Daten sind die neue Währung und kostbar für Unternehmen. Je mehr ich über die Bedürfnisse meiner Kunden weiß, umso genauer kann ich darauf eingehen. Selbstverständlich arbeiten wir auch nach diesem Motto und versuchen uns immer wieder neu zu überdenken, um noch optimierter zu arbeiten.
ElektroWirtschaft: Stichwort ELBRIDGE: Wie weit sind wir auf dem Weg zur Seamless Customer Experience?
Andreas Bettermann: Wir, der ZVEI, haben, gemeinsam mit VEG und ZVEH, die richtigen Weichen gestellt, um unter dem Dach von ETIM – als Normungsinstanz – die notwendigen Schnittstellen zu standardisieren. Die Lösung nennt sich ELBRIDGE. Wie immer heißt die Herausforderung „ZEIT“. Wir sind dran und arbeiten mit Hochdruck an dem ernannten Leitbild „Seamless Cusotmer Expierence“, um den Ablauf des dreistufigen Vertriebs digital zu organisieren. ELBRIDGE 2.0 ist auf dem Vormarsch und die Version 3.0 in der Konzeption. ELBRIDGE 3.0 ermöglicht es unter anderem, in den verschiedenen Online-Shops und Konfiguratoren der Hersteller jeweils einen Warenkorb zusammenzustellen um dann diese Warenkörbe in seine Handwerkssoftware zu laden, um eine gebündelte Gesamtbestellung an den Großhändler seiner Wahl zu senden. Alle Wege müssen in der dreistufigen Wertschöpfung offenbleiben. Das Ganze funktioniert nur, wenn sich die ganze Branche bei ETIM engagiert, um Schnittstellen, den Datenaustausch und Webservice einheitlich zu beschreiben. Das erfordert eine hohe Investitionsbereitschaft in IT- und Unternehmensprozesse, sichert aber die Aussicht auf eine wirtschaftlich positive Zukunft. Wir werden nicht müde, dies zu kommunizieren und Werbung zu machen.
ElektroWirtschaft: Wie wird BIM (Building Information Modeling) die Branche verändern?
Andreas Bettermann: Building Information Modeling zwingt alle Fachplaner der verschiedenen Gewerke in einer frühen Planungsphase zur Zusammenarbeit in einem zentralen Projekt-Datenmodell. Es ergeben sich dadurch viele Vorteile, z. B. können Planungsfehler frühzeitig entdeckt werden, man kann genauer kalkulieren und man kann virtuell sehr schnell Planungsalternativen entwickeln. BIM wird aber nur Realität, wenn alle relevanten Bauprojekte datentechnisch beschrieben werden. Daher sind wir Hersteller und auch der Handel aufgefordert, BIM-Daten zu liefern. Wer keine Daten liefern kann, ist langfristig raus aus der Ausschreibung. Das ist schon eine sehr große Veränderung in der Branche. 
ElektroWirtschaft: Sie haben 2018 einen OBO Digitalstandort in Köln eröffnet. An welchen Themen wird dort gearbeitet, was konnte bereits umgesetzt werden?
Andreas Bettermann: Am Kölner Standort bündeln wir unsere digitale Kompetenz. Dort werden nationale und internationale Websites aufgebaut, die Planungs-App „OBO Construct“ weiterentwickelt und die langfristige digitale Ausrichtung von OBO gesichert. Ebenfalls wird vom Standort Köln der gesamte Bereich Social Media gesteuert.
ElektroWirtschaft: Wie gehen Sie bei OBO Bettermann die aktuellen Herausforderungen des Marktes an?
Andreas Bettermann: Wir investieren viel Manpower in die digitale Aufstellung unserer Daten und behalten dabei den Kundennutzen im Blick. Wir kennen die Markttrends und auch ihre Herausforderungen. Wir arbeiten frühzeitig daran, um langfristig am Ball zu bleiben. Zudem haben wir uns auch strukturell neu aufgestellt. Mit einer operativ exzellenten Geschäftsführung und einem strategisch orientierten Verwaltungsrat, der versucht alle disruptiven Elemente im Blick zu halten.








