Der Ausbau der Solarenergie boomt weltweit. Doch vor allem in Indien legt er kräftig zu – dank staatlicher Förderprogramme, Steueranreize, Subventionen oder „grüner“ Kredite von Banken. Der Zubau lag im Jahr 2025 bei 37,5 Gigawatt. Das ist ein Anstieg von 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im Haushaltsplan für das Jahr 2026 wird mit einem Zubau von 45 bis 50 Gigawatt gerechnet. Damit könnte das bevölkerungsreichste Land zum zweitgrößten Solarmarkt weltweit aufsteigen – hinter China und vor den USA. Gleichzeitig entwickelt sich Indien zu einem Produktionsstandort für PV-Komponenten.
Indien forciert seinen Weg zur Klimaneutralität bis 2070 und setzt dabei verstärkt auf Solarenergie. Die Photovoltaik (PV) fungiert beim Ausbau der erneuerbaren Energien als technologisches Rückgrat für die Versorgungssicherheit. Denn die Wirtschaft und die Bevölkerung wachsen rasant. Dadurch steigt der Energiebedarf. Immer mehr Unternehmen setzen deshalb auf erneuerbare Energien. Bis 2030 sollen 500 Gigawatt installiert sein, davon 280 Gigawatt Solarenergie. Die hohe Attraktivität der PV gründet auf einem beispiellosen Preisverfall: Laut Daten der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA) sind die Kosten für Solarstrom in Indien zwischen 2010 und heute um über 80 Prozent gesunken, wodurch diese Technologie die wirtschaftlich günstigste Form der Stromneuinstallation darstellt. Doch es gibt auch Herausforderungen: Der Bedarf an hochspezialisierten Fachkräften, der Ausbau moderner Energieinfrastruktur sowie die Skalierung von Speicherkapazitäten sind entscheidende Faktoren für die nächste Transformationsphase. Diese Entwicklungen eröffnen auch umfangreiche Kooperationsmöglichkeiten und neue Märkte.
Freihandelsabkommen eröffnet neue Chancen
Indien transformiert seine Rolle vom Importeur zum globalen Exporteur hocheffizienter Photovoltaik-Komponenten. Unterstützt durch staatliche Anreizprogramme wie PLI (Production Linked Incentive) investiert die Industrie massiv in die heimische Fertigung modernster N-Type-Technologien (wie TOPCon und HJT), die herkömmliche monokristalline PERC-Module in Leistungsfähigkeit und Temperaturbeständigkeit deutlich übertreffen. Bis 2030 soll sich die Modulproduktion versechsfachen. Für Deutschland und Europa bietet das die Möglichkeit, Lieferketten zu diversifizieren und gleichzeitig die industrielle Fertigung in Indien mit deutschem sowie europäischem Know-how aufzubauen. Das Land ist immerhin die fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt. Ende Januar 2026 hat die Europäische Kommission die Verhandlungen mit Indien über ein Freihandelsabkommen erfolgreich abgeschlossen.
Bisher bestehen noch hohe Handelshürden, zum Beispiel Importzölle, Import- und Exportrestriktionen oder politische Initiativen wie „Make in India“. Hinzu kommt, dass Indien ein föderaler Staat mit 28 Bundesstaaten ist. Energiepolitik und ihre Umsetzung hängen oft von unterschiedlichen regulatorischen Vorgaben und lokalen Realitäten ab. Für ausländische Investoren eine Herausforderung. Der Geschäftsführer der National Solar Energy Federation of India (NSEFI), Subrahmanyam Pulipaka, schlägt deshalb einen National Electricity Council vor, um die Politik zu harmonisieren.
Stauseen, Gewässer und landwirtschaftliche Flächen nutzen
Etwa 75 Prozent der installierten Solarleistung konzentrieren sich in Indien auf fünf Bundesstaaten: Rajasthan, Gujarat, Tamil Nadu, Maharashtra und Karnataka. Dort gibt es das ganze Jahr über eine hohe Sonneneinstrahlung. In Zukunft sollen auch Stauseen und Gewässer genutzt werden sowie Flächen für Landwirtschaft und Solarenergie – durch Modelle wie Agri-PV und schwimmende Solaranlagen.
Die Energiewende soll den Menschen mehr Wohlstand bringen und die Armut im Land verringern. Ende Februar 2024 startete ein Programm, das die Regierung mit rund 7,1 Milliarden Euro ausgestattet hat. Mit dem Geld werden insbesondere arme Haushalte gefördert, eine PV-Anlage auf dem Hausdach zu installieren und selbst Strom zu erzeugen. Innerhalb eines Jahres ist dadurch die Zahl der Dachsolaranlagen um mehr als 50 Prozent gestiegen. Die NSEFI gründete das Committee of Women in Solar Energy (WISE). Das Ziel ist, Frauen den Zugang zu Energie, Bildung und einer Geschäftstätigkeit im Energiesektor zu ermöglichen.
Intersolar Europe
Die Intersolar Europe richtet vom 23. bis zum 25. Juni in München einen besonderen Blick auf das südasiatische Land. In zahlreichen Veranstaltungen können sich Besucher über den Markt, neue Geschäftschancen sowie den Aufbau neuer Lieferketten informieren und sich vor Ort mit Experten aus Indien austauschen. Die Fachmesse findet im Rahmen von The smarter E Europe statt, Europas größter Messeallianz für die Energiewirtschaft. Die Veranstalter erwarten über 100.000 Besucher sowie rund 2.800 Aussteller aus aller Welt.








