Gewerkeübergreifend planen: Gebäudetechnik intelligent vernetzen

Moderne Gebäude vereinen immer mehr technische Systeme, digitale Funktionen und Datenströme. Wärme- und Kälteversorgung, Lüftung, Wasser, Energie, Beleuchtung und Gebäudeautomation müssen dabei nicht nur für sich effizient arbeiten, sondern als Gesamtsystem funktionieren. Für Planer und Ingenieure wird die gewerkeübergreifende Systemintegration damit zu einer zentralen Aufgabe. Auf der ISH vom 15. bis 19. März 2027 in Frankfurt am Main treffen die Technologien und Akteure zusammen, die dafür entscheidend sind.

Wie schnell die Komplexität bei großen Bauprojekten zunimmt, zeigt ein Blick auf die Gebäudeautomation. Hier laufen Informationen und Steuerungsaufgaben aus unterschiedlichen Gewerken zusammen. „Es geht um die Integration aller Mess-, Steuer- und Regeltechnik in Hardware und Software für Heizung, Klima und Lüftungstechnik, Aufzüge, Jalousien, Licht und mehr. In großen Gebäuden können bis zu 40.000 und mehr Datenpunkte anfallen – vieles davon versteckt hinter Decken, im Keller oder auf dem Dach“, erklärt Dr. Peter Hug, Geschäftsführer des Fachverbandes Gebäudeautomation im VDMA.

Schnittstellen werden zur Planungsaufgabe

Ob ein Gebäude später als Gesamtsystem funktioniert, entscheidet sich bereits in frühen Projektphasen. Systeme müssen Daten austauschen können, Funktionen aufeinander abgestimmt und Verantwortlichkeiten an den Übergängen zwischen den Gewerken geklärt sein. Wird die Integration erst bei der Inbetriebnahme betrachtet, drohen Insellösungen und aufwendige Nacharbeiten.

Gerade die Gebäudeautomation steht im Bauprozess häufig am Ende, obwohl ihre Leistungsfähigkeit von zuvor getroffenen Entscheidungen abhängt. Energiemanagement, bedarfsgerechte Regelung oder Betriebsoptimierung funktionieren nur, wenn die benötigten Informationen aus den einzelnen Anlagen verfügbar sind und zusammengeführt werden können.

Neben technischen Protokollen gewinnen deshalb Datenstrukturen an Bedeutung. Das Smart-Building-Reallabor der Hochschule Mainz setzt beispielsweise auf strukturierte, interoperable und herstellerneutrale Gebäudedaten. Ziel ist es, Informationen aus unterschiedlichen Systemen in einem gemeinsamen Datenmodell zusammenzuführen, anstatt für einzelne Anwendungen immer neue Schnittstellen zu schaffen.

Ohne Daten kein effizienter Betrieb

Daten bilden die Grundlage für Monitoring, Analyse und Optimierung. „Wer ein Gebäude im Blindflug betreibt, kann nicht erwarten, dass es effizient funktioniert. Erst Daten ermöglichen Analyse und Benchmarking“, bringt es VDMA-Experte Hug auf den Punkt.

Ein übergeordnetes Energiemanagement kann Verbrauchs- und Betriebsdaten verschiedener Anlagen zusammenführen, Lasten erkennen und technische Systeme bedarfsgerecht steuern. Strukturierte Daten schaffen zugleich die Voraussetzung, Gebäude auch nach der Inbetriebnahme weiterzuentwickeln.

Von BIM bis Predictive Maintenance

Auch Building Information Modeling unterstützt die gewerkeübergreifende Planung. Informationen zu Räumen, Anlagen und Komponenten können in einem gemeinsamen digitalen Modell zusammengeführt und Konflikte frühzeitig erkannt werden. Werden diese Planungsdaten später mit Informationen aus der Gebäudeautomation verknüpft, kann daraus ein digitaler Zwilling für Facility Management, Monitoring und Betriebsoptimierung entstehen.

Eine belastbare Datenbasis eröffnet zudem Möglichkeiten für Künstliche Intelligenz und Predictive Maintenance. Algorithmen können Muster und Abweichungen im Anlagenbetrieb erkennen und perspektivisch auf mögliche Störungen hinweisen. Voraussetzung ist, dass die relevanten Daten verfügbar und systemübergreifend nutzbar sind.

Systemintegration auf der ISH

Die ISH bringt vom 15. bis 19. März 2027 in Frankfurt am Main die Gewerke zusammen, die für dieses Zusammenspiel entscheidend sind. Lösungen für Wärme- und Kälteversorgung, Lüftung und Wasser treffen auf Gebäudeautomation, Energiemanagement und digitale Anwendungen. Planer und Ingenieure können damit Technologien und ihr Zusammenspiel betrachten, Systemlösungen kennenlernen und sich gewerkeübergreifend austauschen.

Print Friendly, PDF & Email

Comments are closed.