Am 11. Juni hat der Bundestag das Gebäudemodernisierungsgesetz in erster Lesung beraten. Der ZVEI kritisiert die zentrale Steuerungslogik des Gesetzes scharf. Aus Sicht des Verbands der Elektro- und Digitalindustrie setzt das Gesetz Anreize für einen Pfad, der Effizienz kostet und langfristig teurer wird. Wolfgang Weber, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung fordert: „Da muss das Parlament nochmal ran. Mit diesem Gesetzesentwurf ist weder Verbrauchern noch dem Klima oder der Industrie geholfen.”
Im Fokus der Kritik steht die geplante stufenweise Beimischung von Grüngas bzw. Bioöl – und zwar in zwei unterschiedlichen Quoten, einmal für bestehende und ein zweites Mal für neue Heizungen („Biotreppe“). „Das Gesetz will Gebäude modernisieren und Regulatorik vereinfachen, erreicht aber das Gegenteil: Der Umstieg auf effiziente Technologien wird nicht beschleunigt, sondern der bestehende fossile Weg verlängert und neue Unsicherheiten für Investitionen geschaffen. Und die Regulatorik wird durch die zwei neuen Mengeninstrumente noch einmal komplexer“, sagt Weber.
Nach Berechnungen des ZVEI könnten die Ausgaben fürs Heizen durch die Kombination aus Biotreppe und CO2-Bepreisung in den kommenden zehn Jahren um durchschnittlich fast 500 Euro pro Haushalt und Jahr steigen. Für den Verband ist das kein Nebeneffekt, sondern Folge der gewählten Steuerungslogik. „Jede neue Gasheizung wird damit zum Kostenrisiko“, so Weber. „Die Wärmewende wird unnötig teuer, wenn weiter in Technologien investiert wird, die absehbar unter steigenden Kosten stehen.“
Gleichzeitig verweist der Verband auf erhebliche, kurzfristig realisierbare Effizienzpotenziale durch Elektrifizierung und Digitalisierung im Gebäudesektor. „Die günstigste Energie ist die, die gar nicht erst verbraucht wird“, sagt Weber. Eine gemeinsame Studie von ZVEI und Fraunhofer ISI zeigt: In einem typischen Einfamilienhaus lassen sich die Energiekosten um rund 80 Prozent senken, wenn Wärmepumpe, Photovoltaik, Speicher und intelligente Steuerung kombiniert werden. Auch auf Systemebene sieht der Verband deutliche Effekte. Mit schnellerem Roll-out elektrischer und digitaler Gebäudetechnologien könnte der Energieverbrauch im Gebäudesektor bis 2045 um rund 200 Terawattstunden pro Jahr gesenkt werden. Das entspräche weitgehend dem heutigen gesamten Stromverbrauch aller Haushalte in Deutschland.
„Diese Technologien sind keine Zukunftsmusik, sondern heute verfügbar“, betont Weber. „Die Frage ist nicht, ob wir sie nutzen – sondern ob das Gesetz Tempo macht oder Fortschritt ausbremst.“ Dazu gehöre auch ein wirtschaftlich attraktiver Strompreis für alle.
Der ZVEI fordert im weiteren Gesetzgebungsverfahren die 1:1 Umsetzung der Europäischen Gebäuderichtlinien (EPBD). Zwar stärkt der aktuelle GModG-Entwurf Sektorenkopplung und die zukunftsfähige technische Ausstattung von Gebäuden, zentrale Anforderungen der EPBD bleiben aber unvollständig umgesetzt. „Das gilt insbesondere für Vorgaben an Wohngebäude, wo durch Elektrifizierung und Digitalisierung 20 bis 30 Prozent Energieeinsparung möglich wären“, erklärt Weber.
Positiv bewertet der Verband, dass die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) erhalten bleibt. Weber: „Das ist ein wichtiges Signal für Stabilität und Planungssicherheit für Investoren wie Verbraucherinnen und Verbraucher.“








