Das österreichische Modell der dualen Ausbildung ist ein essentieller Bestandteil der Fachkräftesicherung in Unternehmen. Die enge Verzahnung zwischen Theorie und Praxis garantiert eine hohe Ausbildungsqualität. Davon zeugen auch die Erfolge der österreichischen Fachkräfte bei internationalen Berufsmeisterschaften.
Für die duale Ausbildung ist in Österreich der Begriff „Lehre“ gebräuchlich. Jungen Menschen wird durch die Lehrausbildung unmittelbar nach Absolvierung der Schulpflicht die Möglichkeit geboten, mit einer praxisnahen Ausbildung zu beginnen. Dieses Angebot nehmen ungefähr 40 Prozent der Jugendlichen in Anspruch.
Nach einer gewissen Durststrecke, in der die Lehrlingszahlen zurückgegangen sind, konnten wir im Jahr 2018 wieder einen Anstieg der Lehrverhältnisse verzeichnen, 2018 gab es insgesamt knapp 108 000 Lehrlinge in Österreich. Die gemeinsamen Bemühungen von Regierung, Interessenvertretung und Unternehmen, das Image der Lehre zu verbessern, haben sich also bezahlt gemacht. Absolventen einer Lehre haben in der Regel sehr gute Berufsaussichten, Fachkräfte werden nach wie vor händeringend gesucht.
Das Angebot einer dualen Ausbildung bietet auch den großen Vorteil, dass es die Jugendarbeitslosigkeit massiv senkt. Diese beträgt in Österreich aktuell 8,2 Prozent, das ist etwa die Hälfte jener in der EuroZone mit 15,8 Prozent. 
Bei der Aufteilung der Lehrzeit wird der Fokus auf die praktische Ausbildung im Lehrbetrieb gelegt. Die Lehrlinge absolvieren rund 80 Prozent ihrer Ausbildungszeit in einem anerkannten Ausbildungsbetrieb. Ergänzt wird diese praktische Ausbildung durch den Besuch einer Berufsschule, wo fachtheoretisches Wissen und Allgemeinbildung vermittelt werden. Die Unternehmen sind über die Wirtschaftskammerorganisation (WKO) sehr stark in die Gestaltung der Lehrausbildung eingebunden. Üblicherweise kommen neue Lehrberufe durch die Initiative der jeweiligen Branche zustande. Die Zusammenarbeit mit den Arbeitnehmervertretern und den zuständigen Ministerien läuft meist durchaus konstruktiv ab, sodass relativ rasch bestehende Lehrpläne angepasst und neue ins Leben gerufen werden können. Die organisatorische Abwicklung der Lehre fällt dann wieder in den Zuständigkeitsbereich der Lehrlingsstellen der WKO. Sie sind für die Anerkennung von Lehrbetrieben und die Prüfung und Protokollierung von Lehrverträgen zuständig. Auch die Lehrabschlussprüfungen werden von den Lehrlingsstellen abgewickelt. Darüber hinaus stehen sie sowohl den Lehrlingen als auch den Lehrbetrieben bei allen Fragen mit Rat und Tat zur Seite.
Damit auch in der Berufsschule alles glatt läuft, kümmert sich das Bundesgremium des Elektro- und Einrichtungsfachhandels um die regelmäßige Ausstattung der Berufsschulen mit den neuesten Elektro- und Elektronikprodukten sowie Hard- und Software. Wir sind davon überzeugt, dass die gemeinsamen Anstrengungen aller Beteiligten nötig sind, um die Lehrlingsausbildung in unserer Branche auch weiterhin auf einem so hohen Niveau zu halten.
Berufsausbildung im Elektrogroßhandel
Insgesamt stehen in Österreich über 200 Lehrberufe zur Auswahl, im Elektrogroßhandel wird primär der Lehrberuf Großhandelskaufmann/-frau ausgebildet, aber auch die Lehre zum Bürokaufmann/-frau ist gefragt, ebenso wie der Betriebslogistikkaufmann/-frau, der in unserer Branche große Bedeutung hat. 
Der Großhandel übernimmt immer stärker auch die Rolle eines Komplettanbieters für Lösungen, die er seinen Kunden anbietet. Dadurch wird auch die Lehrlingsausbildung immer komplexer – und auch interessanter. Die Lehrlinge können während ihrer Lehrzeit eine Vielzahl unterschiedlicher Abteilungen kennenlernen und so auch ihre eigenen Stärken herausfinden.
Großer Wert wird auf den Umgang mit der betriebsinternen Hard- und Software gelegt. Dies bildet den Grundstein für viele weitere Tätigkeiten, von der Logistik über Rechnungswesen bis hin zu Marketing, Werbung und Öffentlichkeitsarbeit. Um den Kunden bestmöglich beraten zu können, wird selbstverständlich auch das umfangreiche Fachwissen über die vertriebenen Produkte und Serviceleistungen gelehrt. Dazu gehört auch der Umgang mit Planungssoftware und nicht zuletzt der richtige Umgang mit den Kunden.
Aufgrund der internationalen Ausrichtung des Großhandels werden im Lehrberuf auch Fremdsprachenkenntnisse großgeschrieben. So wird das Führen von Verkaufsgesprächen in einer Fremdsprache ebenso gelehrt wie die dafür notwendigen Fachausdrücke.
Am Ende der Lehrzeit steht die Lehrabschlussprüfung, die aus einem theoretischen Teil und einer praktischen Prüfung besteht. Die praktische Prüfung umfasst unter anderem die Bearbeitung eines Geschäftsfalles sowie ein mündliches Fachgespräch. Die Lehrabschlussprüfung wird von einer Prüfungskommission abgenommen.
Die Lehre zum Großhandelskaufmann bzw. zur Großhandelskauffrau dauert insgesamt drei Jahre. Oft haben die jungen Leute daher bereits mit 18 Jahren eine abgeschlossene Berufsausbildung.
Berufsakademie Handel – MSc Handelsmanagement
Im Elektrogroßhandel gibt es sehr viele hochmotivierte Mitarbeiter, die sich auch nach ihrer Lehre weiterbilden möchten. Daher wurde vor wenigen Jahren ein eigenes Masterprogramm MSC Handelsmanagement ins Leben gerufen. Besonders engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben damit die Chance, auch ohne Studienberechtigung bzw. Matura eine akademische Ausbildung zu absolvieren und sich damit für Führungsaufgaben zu qualifizieren. Voraussetzung ist eine abgeschlossene Berufsausbildung (z.B. Lehre) und mindestens drei Jahre Berufserfahrung nach Abschluss der Lehre oder mindestens sechs Jahre Berufserfahrung inklusive einem Jahr in Führungsposition. Zusätzlich wird auch ein Aufnahmegespräch geführt. Das Masterprogramm wird berufsbegleitend angeboten und dauert insgesamt vier Semester, nach Abschluss erhalten die Absolventen den anerkannten akademischen Titel Master auf Science. Während dieser Ausbildung wird der Fokus insbesondere auf drei Säulen gelegt:
• praxisorientierte, betriebswirtschaftliche Kompetenzen auf akademischem Niveau
• Handel und E-Commerce
• Weiterentwicklung der eigenen Führungs- und Kommunikationskompetenz
Die Absolventen sind durch die Verknüpfung von Berufspraxis und akademischer Ausbildung in der Wirtschaft sehr gefragt. Die Komplexität im Elektrogroßhandel wird unter anderem aufgrund der technischen Entwicklung und der Erwartungen des Kunden auch in Zukunft weiter zunehmen. Daher ist es schon jetzt wichtig, Lehrlinge zu den Fachkräften der Zukunft auszubilden.
Bianca Dvorak, Wirtschaftskammer Österreich








