„Man muss die Sprache der anderen Gewerke verstehen“

Wie viel Kompetenz braucht es im eigenen Betrieb, wo ist Zusammenarbeit gefragt und wie lässt sich Nachwuchs für das Handwerk begeistern? Im fünften Teil der Serie „ElektroHeldinnen“ sprechen Claudia Polik und Lydia Henneböhl über ihre Wege als Unternehmerinnen und darüber, wie Elektro und SHK immer enger zusammenrücken.

Was war Ihr persönlicher Aha-Moment in der Elektro- bzw. SHK-Branche?

Lydia Henneböhl: Ich war schon als Kind oft mit auf der Baustelle, weil mein Vater den Betrieb hatte. Trotzdem habe ich mich als Jugendliche gefragt, ob ich diesen Beruf wirklich jeden Tag machen möchte. Während meines Fachabiturs habe ich deshalb ein Jahrespraktikum absolviert. Im zweiten Betrieb habe ich mich sehr wohlgefühlt und gemerkt, dass mir die Arbeit wirklich Spaß macht. Einmal sagte eine Kundin zu mir: „Junge Dame, haben Sie denn keinen anderen Ausbildungsberuf bekommen?“ Da dachte ich: Moment, ich habe mir das bewusst ausgesucht und gehe jeden Tag gerne zur Arbeit. Diese Begegnung hat mir gezeigt, dass ich genau diesen Beruf erlernen und meinen Weg in der Branche weitergehen möchte.

Claudia Polik: Mein Aha-Moment kam erst einige Jahre nach dem Tod meines Vaters. Ich musste damals mit 45 Jahren den Betrieb mit 45 Mitarbeitern übernehmen und hatte anfangs als Wirtschaftsfachwirtin ohne technischen Hintergrund das Gefühl, nicht kompetent genug zu sein. Nach etwa fünf Jahren merkte ich: Ich habe das Unternehmen im Griff, ich steuere es nur anders – über die Zahlen und im engen Austausch mit meinen Mitarbeitern und meinem technischen Betriebsleiter. Da hatte ich das Gefühl: Jetzt bin ich angekommen.

Frau Henneböhl, der Beruf stand für Sie damit fest. Wann wurde daraus die Entscheidung, gemeinsam mit Ihrer Schwester den Familienbetrieb zu übernehmen?

Lydia Henneböhl: Mein Vater hat mich immer ermutigt, mir auch andere Wege offenzuhalten. Deshalb habe ich parallel ein duales Studium im Bereich Gebäudetechnik und Wirtschaftsingenieurwesen begonnen. Dabei habe ich allerdings gemerkt, dass ich keine Theoretikerin bin. Ich bin auf der Baustelle zu Hause und möchte am Ende des Tages sehen, was ich mit meinen Händen geschaffen habe. Als mein Vater Mitte 60 war, kam der Punkt, an dem wir uns entscheiden mussten: Entweder meine Schwester und ich übernehmen den Betrieb, oder er lässt ihn langsam auslaufen. Für mich war klar: Ich möchte die Selbstständigkeit versuchen. Durch meine Qualifikationen wusste ich, dass mir andere Wege offenstehen würden, sollte es nicht funktionieren. Meine Schwester und ich ergänzen uns gut: Als gelernte Bankkauffrau übernimmt sie vor allem kaufmännische und personelle Themen, während meine Stärke auf der Baustelle liegt. Bei der Weiterentwicklung des Betriebs ziehen wir an einem Strang. Wir haben die Übernahme gewagt und bis heute nicht bereut.

Das gesamte Interview finden Sie in der neuen Ausgabe der ElektroWirtschaft: 10/2026.

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