Batteriespeicher-Zubau in Deutschland steigt um 91 Prozent

Der Ausbau von Batteriespeichern in Deutschland hat deutlich an Fahrt aufgenommen. In den ersten neun Monaten des Jahres 2026 wurden mehr als eine halbe Million neue Batteriespeicher mit einer Kapazität von insgesamt rund 8,2 Gigawattstunden (GWh) in Betrieb genommen. Damit stieg die neu installierte Speicherkapazität gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 91 Prozent. Besonders stark legte der Markt für Großspeicher zu: Ihr Zubau hat sich mehr als vervierfacht. Das geht aus einer aktuellen Auswertung von Daten der Bundesnetzagentur durch den Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) hervor.

Batteriespeicher können die Energiewende nicht nur beschleunigen, sondern auch deutlich günstiger machen. Nach Berechnungen des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE) hätten allein im vergangenen Jahr durch zusätzliche Batteriespeicherkapazitäten von 80 GWh Verbraucher und Bundeshaushalt um nahezu vier Milliarden Euro entlastet werden können. Speicher können überschüssigen Solar- und Windstrom aufnehmen, bei Bedarf wieder abgeben und so die Stromnetze entlasten.

Für das Gesamtjahr erwartet der Verband einen Zubau in Höhe von deutlich über zehn Gigawattstunden Speicherkapazität. Doch das Ausbautempo muss aus übereinstimmender Sicht von Branche und Wissenschaft weiter steigen. Die vier- bis fünffache Menge müsste jährlich an zusätzlicher Flexibilität bis zum Jahr 2030 erschlossen werden, um den geplanten Ausbau erneuerbarer Energien möglichst kostengünstig in das Stromsystem zu integrieren, so die Fraunhofer-Wissenschaftler.

15 Reformen für mehr Speicher und geringere Stromsystemkosten

Um den Speicherausbau zu beschleunigen, hat der BSW-Solar ein Positionspapier mit 15 Reformvorschlägen veröffentlicht. Sie sollen bestehende Investitionshemmnisse abbauen, vorhandene Stromnetze besser auslasten und unnötige Kosten beim Netzausbau und bei der Förderung erneuerbarer Energien vermeiden helfen.

Im Mittelpunkt stehen drei Maßnahmen: Erstens sollen Batteriespeicher leichter gemeinsam mit Solar- und Windkraftanlagen sowie an Verbrauchsstandorten betrieben werden können. Dafür fordert der Verband einen verbindlichen Anspruch auf faire und flexible Netzanschlussvereinbarungen. Zweitens sollen Verteilnetzbetreiber verpflichtet werden, gezielt netzdienliche Batteriespeicher an Umspannwerken auszuschreiben. Diese können Netzengpässe reduzieren und vorhandene Netzkapazitäten besser nutzbar machen.

Drittens fordert der BSW-Solar Änderungen beim sogenannten Redispatch, also bei der Steuerung von Anlagen zur Vermeidung von Netzengpässen. Künftig sollte die Steuerung am Netzverknüpfungspunkt statt an der einzelnen Erzeugungsanlage ansetzen. So könnte überschüssiger Solarstrom bei vorübergehenden Netzengpässen gespeichert werden, anstatt Solaranlagen abzuregeln.

Die Interessenvereinigung von über 1.000 Solar- und Speicherunternehmen appelliert an Bundestag und Bundesregierung, diese Vorschläge bei den anstehenden gesetzlichen Reformen zum Netzpaket und zum Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zu berücksichtigen.

Batteriespeicher sollen stärker in den Fokus der Energiepolitik rücken

Welches Potenzial in einer besseren Integration von Speichern liegt, zeigt eine weitere Studie des Fraunhofer IEE. Demnach können Batteriespeicher an Umspannwerken bisher ungenutzte Netzreserven erschließen. Unter den untersuchten Bedingungen könnte dies ermöglichen, deutlich mehr Solarstromanlagen an vorhandene Verteilnetze anzuschließen – bis hin zu einer Verdopplung der installierten Photovoltaikleistung.

Der BSW-Solar vermisst bislang eine klare Zuständigkeit, verbindliche Ausbauziele und eine übergreifende Speicherstrategie innerhalb der Bundesregierung. „Batteriespeicher müssen Chefsache werden“, fordert Körnig. „Deutschland kann es sich nicht leisten, immer mehr günstigen Solar- und Windstrom ungenutzt zu lassen, während gleichzeitig über hohe Stromkosten diskutiert wird. Batteriespeicher können die vorhandenen Netze effizienter nutzen und die Energiewende günstiger machen. Dafür muss die Politik jetzt die gesetzlichen Bremsen lösen.“

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