Schneider Electric will den bulgarischen Smart Building-Spezialisten Shelly übernehmen. Eine hundertprozentige Tochtergesellschaft des französischen Konzerns Scheider Electric, die SE 2026 A SAS, hat dazu mit der Shelly Group eine Investitionsvereinbarung geschlossen. Geplant ist ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für sämtliche ausstehenden Aktien zu 70 Euro je Aktie in bar.
Auf Basis des Angebotspreises wird Shelly Group mit rund 1,2 Milliarden Euro bewertet. Der Preis liegt nach Angaben des Unternehmens 27 Prozent über dem unbeeinflussten Referenzkurs vom 28. Juli 2026 und 22 Prozent über dem Referenzkurs vom 23. September 2026. Voraussetzung für die geplante Transaktion ist unter anderem, dass Schneider Electric nach Abschluss des Angebots mindestens 95 Prozent des Grundkapitals von Shelly Group hält. Zudem sind die erforderlichen regulatorischen Genehmigungen notwendig. Der Abschluss der Transaktion wird vorbehaltlich der Erfüllung sämtlicher Bedingungen im ersten Quartal 2027 erwartet.
Gründer unterstützen geplante Übernahme
Der Verwaltungsrat der Shelly Group hat auf Grundlage der bislang verfügbaren Informationen vorläufig die Einschätzung abgegeben, dass die geplante Transaktion zu dem vorgesehenen Preis im Interesse des Unternehmens, seiner Aktionäre, Mitarbeiter und weiterer Stakeholder liege. Unterstützung kommt auch von den beiden Gründern, die zusammen rund 57 Prozent der Aktien halten. Co-CEO und Mitgründer Dimitar Dimitrov, der rund 29 Prozent der Anteile besitzt, hat sich verpflichtet, seine Aktien in das erwartete Übernahmeangebot einzuliefern. Einen Teil des Erlöses will er gemeinsam mit Schneider Electric wieder in die Shelly Group investieren. Dimitrov soll auch nach Abschluss der Transaktion gemeinsam mit Co-CEO Wolfgang Kirsch an der Spitze des Unternehmens bleiben.
Der zweite Mitgründer, Svetlin Todorov, kontrolliert rund 28 Prozent der Aktien direkt sowie über seine Gesellschaft Salisto Holdings. Er hat sich bereit erklärt, seine Anteile in zwei Tranchen zu verkaufen. Eine erste Tranche entspricht fünf Prozent des Grundkapitals. Die verbleibenden rund 23 Prozent stehen noch unter dem Vorbehalt einer kartellrechtlichen Freigabe.
Shelly soll eigenständig in Bulgarien bleiben
Mit der geplanten Übernahme will Schneider Electric nach Angaben der Unternehmen die internationale Expansion von Shelly beschleunigen. Shelly hat sich in den vergangenen Jahren von einem Anbieter vernetzter Geräte zu einer softwareorientierten Plattform für Energiemanagement und Smart Buildings entwickelt. Die Kombination aus vernetzter Hardware, Cloud-Diensten, offenen Schnittstellen und einem wachsenden Partnernetzwerk soll künftig mit der globalen Präsenz, den Ressourcen und der Expertise von Schneider Electric im Energiemanagement verbunden werden.
Gleichzeitig soll der Standort Bulgarien erhalten bleiben. Die Investitionsvereinbarung sieht nach Angaben von Shelly vor, dass Schneider Electric den Hauptsitz in Bulgarien sowie die bestehende geografische Präsenz und Organisationsstruktur des Unternehmens für mindestens drei Jahre nach Abschluss der Transaktion beibehält. Dies schließt die Bereiche Forschung und Entwicklung, Engineering, Vertrieb, operative Funktionen und Management ein. Damit sollen insbesondere die Entwicklungs- und Engineering-Teams in Bulgarien weiterhin eine zentrale Rolle bei der technologischen Weiterentwicklung von Shelly spielen.
Mögliche Beendigung der Börsennotierung
Sollte das Übernahmeangebot erfolgreich sein und Schneider Electric mindestens 95 Prozent der Aktien erwerben, will der Konzern nach eigenen Angaben Schritte einleiten, um die vollständige Kontrolle über Shelly Group zu erlangen und eine mögliche Beendigung der Börsennotierung (Delisting) zu verfolgen. Auch dies steht unter dem Vorbehalt der geltenden gesetzlichen und regulatorischen Vorgaben.
Ein offizielles Übernahmeangebot liegt derzeit allerdings noch nicht vor. Es wurde bislang weder bei der bulgarischen Finanzaufsichtsbehörde (FSC) registriert noch veröffentlicht. Nach Angaben des Unternehmens soll der Bieter das Angebot innerhalb von drei Geschäftstagen bei der FSC registrieren. Mit der Freigabe wird Ende November oder Anfang Dezember 2026 gerechnet. Nach der Genehmigung und Veröffentlichung des Angebotsdokuments will der Verwaltungsrat von Shelly Group eine begründete Stellungnahme gemäß dem bulgarischen Wertpapierrecht veröffentlichen.








