Stresstest für Städte: Wie resilient sind Kommunen und Gebäude?

Starkregen, Hitze, Energiekrisen oder Cyberangriffe können Städte und ihre Infrastrukturen vor erhebliche Herausforderungen stellen. Mit dem „Stresstest für Städte“ steht Kommunen ein digitales Instrument zur Verfügung, mit dem sie ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber unterschiedlichen Krisenszenarien untersuchen können. Auch für Gebäude und kritische Infrastrukturen gewinnt die Frage an Bedeutung, wie sich Risiken frühzeitig erkennen und bei der Planung berücksichtigen lassen.

Der im Auftrag des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) von Arup und Imorde entwickelte „Stresstest für Städte“ betrachtet zwölf unterschiedliche Stressszenarien. Dazu gehören neben Starkregen und thermischer Belastung auch Energiekrisen, Industrieunfälle, Erdbeben, Epidemien und Pandemien sowie Cyberangriffe.

Das Instrument wurde gemeinsam mit elf deutschen Kommunen entwickelt und verbindet nach Angaben von Arup Daten aus mehr als 100 öffentlichen Quellen mit einer Selbsteinschätzung der jeweiligen Kommune. Daraus entsteht ein Resilienzprofil, das sowohl die Robustheit als auch die Anpassungsfähigkeit gegenüber verschiedenen Krisenszenarien betrachtet. Bundesweit steht der Stresstest rund 11.000 Städten und Gemeinden kostenlos zur Verfügung.

Dabei versteht sich das Instrument nicht als Frühwarnsystem für unmittelbar bevorstehende Ereignisse. Vielmehr soll es Kommunen dabei unterstützen, Schwachstellen zu identifizieren, Handlungsfelder abzuleiten und Resilienz langfristig in der Stadtentwicklung zu verankern. Gerade Energieversorgung und Cybersicherheit gehören dabei zu den Bereichen, deren Funktionsfähigkeit für Städte von zentraler Bedeutung ist.

Risiken bereits bei der Gebäudeplanung berücksichtigen

Auch auf Gebäudeebene stellt sich die Frage, wie außergewöhnliche Belastungen frühzeitig in Sicherheitskonzepte einbezogen werden können. Das Fraunhofer-Institut für Kurzzeitdynamik, Ernst-Mach-Institut (EMI), beschäftigt sich unter anderem mit Gefährdungs-, Schadens- und Risikoanalysen bei Explosionsereignissen.

Mit experimentellen Untersuchungen und numerischen Simulationen lässt sich analysieren, wie Bauteile und Bauwerke auf entsprechende Belastungen reagieren. Darauf aufbauend können Sicherheitskonzepte und Schutzmaßnahmen entwickelt werden. Risiko- und Resilienzanalysen können zudem dazu beitragen, besonders gefährdete Bereiche und Gebäude zu identifizieren und deren Robustheit zu bewerten.

Besondere Anforderungen an kritische Infrastrukturen

Wie weit solche Sicherheitsanforderungen reichen können, zeigt der Blick auf kritische Energieinfrastrukturen. Beim finnischen Kernkraftwerk Olkiluoto 3 war das Unternehmen Sommer Fassadensysteme – Stahlbau – Sicherheitstechnik an der Entwicklung und Umsetzung spezieller Tür- und Fassadensysteme beteiligt.

Die Anforderungen gehen dort deutlich über klassischen Brand- und Einbruchschutz hinaus. Nach Angaben des Unternehmens müssen die Konstruktionen unter anderem Belastungen durch Druckwellen und Erdbeben berücksichtigen sowie Schutz bei einem Flugzeugabsturz bieten. Hinzu kommen Anforderungen an Strahlenschutz, Luft- und Wasserdichtheit und den Schutz gegen elektromagnetische Wellen. Das Beispiel verdeutlicht, wie viele unterschiedliche Sicherheitsanforderungen bei kritischen Infrastrukturen zusammengeführt werden müssen.

Sicherheit und Gebäudegestaltung verbinden

Dass erhöhte Sicherheitsanforderungen auch bei Bestandsgebäuden eine Rolle spielen, zeigt ein gemeinsam von SWM Metallbautechnik und Wicona Schweiz entwickeltes Sicherheitsfenster. Das RC4-zertifizierte System „Forte“ basiert auf dem Fenstersystem Wicline 75 evo und ist unter anderem als zweiflügeliges Stulpfenster erhältlich. Damit sollen hohe Anforderungen an den Einbruchschutz mit einer schlanken Gestaltung verbunden werden.

Die Beispiele zeigen, dass Resilienz auf unterschiedlichen Ebenen ansetzt: von der strategischen Vorbereitung ganzer Kommunen bis zur konkreten Auslegung einzelner Gebäude und Bauteile. Energieversorgung, Cybersicherheit und der Schutz kritischer Infrastrukturen spielen dabei ebenso eine Rolle wie die Widerstandsfähigkeit von Gebäuden gegenüber außergewöhnlichen Belastungen. Der „Stresstest für Städte“ soll Kommunen dabei helfen, diese unterschiedlichen Risiken systematisch zu betrachten und Handlungsbedarf frühzeitig zu erkennen.

Quelle: Arup, Fraunhofer EMI, Sommer, SWM Metallbautechnik

Print Friendly, PDF & Email

Comments are closed.