Zwei Tage weilten ZVEH-Vorstand und die Geschäftsführung von ZVEH und ArGe Medien im ZVEH in Brüssel – 48 Stunden, die die Vertreter der e-handwerklichen Organisation für viele produktive Gespräche, erfolgreiches Netzwerken sowie auch dafür nutzten, auf EU-Ebene für die Interessen der E-Handwerke zu werben.
Was alle Gespräche verdeutlichten: Anders als hierzulande, wo die Energiewende immer wieder gegen die Wirtschaft ausgespielt wird, sehen die Europa-Politiker den Transformationsprozess wie auch die damit verbundene Elektrifizierung als wichtige Zukunftsthemen – auch im Hinblick auf mehr europäische Resilienz und Unabhängigkeit in puncto „Energie“.
EU-Parlamentarier und Vertreter der EU-Kommission
Insgesamt wurden Gespräche mit vier hochrangigen Mitgliedern des Europa-Parlaments sowie mit drei Vertreter/-innen der EU-Kommission geführt. Als EU-Parlamentarier hatten sich Lena Düpont (CDU/EVP, MdEP und Koordinatorin im Ausschuss für bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres), Dr. Peter Liese (CDU/EVP, MdEP), Svenja Hahn (Renew Europe/FDP, MdP und Mitglied im Ausschuss für Binnenmarkt und Verbraucherschutz) sowie Andrea Wechsler (EVP, MdP und Mitglied und Koordinatorin im Ausschuss für bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres) Zeit für einen Austausch mit Vertreter/-innen der e-handwerklichen Organisation genommen.
Aus der EU-Kommission konnten ZVEH-Vorstand und -Geschäftsführung mit Martin le Vrang (Generaldirektion Beschäftigung bei der EU-Kommission; stv. Leiter des Referats „Berufsabschlüsse und Kompetenzen für Wettbewerbsfähigkeit“), Stefan Fuehring (Generaldirektion Energie der EU-Kommission; Leiter des Referats „Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit“) und Ana Maria Sánchez Infante (Generaldirektion Energie der EU-Kommission; Länderkoordinatorin für DE, AT und LU) sowie mit Till Spannagel, dem Abteilungsleiter Wirtschaft in der ständigen Vertretung der BRD bei der EU, sprechen. In den von allen Beteiligten als sehr konstruktiv empfundenen Gesprächen – diese waren mit Unterstützung des ZDH vermittelt worden – ging es ganz wesentlich um die aktuelle Energie-, Klima, Digital- und Wettbewerbspolitik sowie ums Thema „Berufsbildung“.
Vom ETS 2 über Netzanschlussverfahren bis zur Energiesicherheit
Zwar standen beim Austausch mit Düpont, Liese, Wechsler und Hahn das Emissionshandelssystem 2 (ETS 2), das Thema „Datenzugang für Handwerk sowie kleine und mittlere Unternehmen“ (KMU), aber auch der Digitale Produktpass (DPP) oder die Beschleunigung/Digitalisierung von Anerkennungsverfahren beziehungsweise die Ausweitung gemeinsamer Ausbildungsrahmen auf der Agenda. Der ZVEH-Vorstand und die hauptamtlichen Vertreter der e-handwerklichen Organisation diskutierten mit den Abgeordneten aber auch über beschleunigte Netzanschlüsse beziehungsweise Netzanschlussverfahren, den „Electrification Action Plan“ der EU sowie auch über den Smart-Meter-Rollout und das europaweit immer wichtiger werdende Thema „Energiesicherheit“.
Was sich in der Diskussion mit den EU-Vertretern Sánchez Infante, le Vrang und Fuehring herausstellte: Die Elektrifizierung als eigenständiges politisches Thema ist in Europa weitaus präsenter als hierzulande. Darüber hinaus erfuhren die Vertreter/-innen der deutschen E-Handwerke, dass die Einführung des vom ZVEH befürworteten ETS 2 zwar weiterhin für 2028 geplant ist. Der Widerstand innerhalb bestimmter Mitgliedsstaaten gegen dieses wichtige Steuerungsinstrument für die Energie- und Klimapolitik wächst jedoch. Erfreulich hingegen: Im Gespräch mit le Vrang konnte der ZVEH mit Nachdruck auf die Bedeutung der dualen Ausbildung in Deutschland hinweisen.
Gelegenheit genutzt, den DPO vorzustellen
Mit Dr. Peter Liese, einem der Haupt-Verhandler für das „ETS 2“, war man sich insofern einig, dass es zu keinen Wettbewerbsverzerrungen zwischen ETS 1 und 2 kommen darf, weil die Nutzung von Strom im Gebäude andernfalls gegenüber fossilen Energieträgern wie Gas oder Öl benachteiligt würde. Beim Gespräch mit Svenja Hahn stand hingegen das Thema „Datennutzung“ im Vordergrund. Für den ZVEH eine gute Gelegenheit, den Digital Project Organizer (DPO) als handwerkseigene Lösung beziehungsweise als logische Fortsetzung des Digitalen Produktpasses (DPP) zu präsentieren.
Und bei Lena Düpont drehte sich schließlich alles um Themen wie „Sicherheit“, „Resilienz“ und „Zivilschutz“. Während der ZVEH die Bedeutung der E-Handwerke bei der Aufrechterhaltung kritischer Infrastruktur hervorhob und hier noch einmal darauf hinwies, dass Photovoltaik-Anlagen in Kombination mit Batteriespeichern oft nicht in der Lage sind, die Stromversorgung im Fall eines Blackouts aufrechtzuerhalten – dazu braucht es schwarzstartfähige Wechselrichter –, war es ein Herzensanliegen Düponts, zu vermitteln, dass der Zivilschutz – im Wissen um das steigende Katastrophen-, Kriegs- und Sabotagerisiko – noch besser in der Gesellschaft und in den Betrieben etabliert werden müsse.








