Signify ist ein Marktführer für Beleuchtung und bietet seinen Kunden nicht nur energieeffiziente und hochwertige Produkte, sondern auch immer mehr Dienstleistungen rund um das Thema Beleuchtung. Im Interview mit der ElektroWirtschaft spricht Geschäftsführer Karsten Vierke über die Entwicklung des Lichtgeschäfts.
ElektroWirtschaft: Wie beurteilen Sie die aktuelle Lage auf dem Lichtmarkt – und wie kann sich Signify hier positionieren?
Karsten Vierke: Sehen wir den Tatsachen ins Auge: der Preis der LED verfällt und dem Markt geht es nicht gut – wir haben im Moment ein destruktives Business. Die Geschäftsmodelle von früher funktionieren nicht mehr. Aber das kommt nicht überraschend, sondern diese Entwicklung war absehbar. Signify steht natürlich auch vor einigen Herausforderungen, aber wir sind mit unseren vier Geschäftssäulen gut aufgestellt. Was uns betrifft, bin ich also sehr zuversichtlich, aber der Lichtmarkt insgesamt befindet sich zur Zeit in einer schwierigen Lage. Alle müssen um ihre Aufträge kämpfen und der Preisdruck ist wirklich enorm. Signify entkommt diesem Druck nur, weil wir unseren Kunden eben mehr bieten als nur Produkte. Die Tendenz ist ganz klar: zukünftig wird es nicht mehr „nur“ um Licht gehen.
ElektroWirtschaft: Für das Ersatzgeschäft mit klassischen Produkten also keine guten Aussichten…
Karsten Vierke: Es ist einfach ein Fakt: Die Zeit von Produkten, die mehr Heizung als Leuchtmittel sind, ist vorbei. Und dieser Weg ist richtig und gut – für uns und unsere Umwelt. Jetzt kommt die LED. Sie hat große Vorteile und bietet sehr viel mehr Möglichkeiten.
ElektroWirtschaft: Signify vereint einige Marken unter einem Dach – wie ergänzen sich diese?
Karsten Vierke: „Signify“ ist der Name unseres Unternehmens. Darunter vereinen wir alle unsere Marken. „Philips“ ist unsere globale Marke für private und professionelle Nutzer. Sie steht für hochwertige und energieeffiziente Beleuchtung und umfasst viele Submarken. „Interact“ heißt unsere IoT-Plattform. Unter dieser Marke bündeln wir alle Marken, die Systeme und Services bieten. Diese Unterscheidung schafft Klarheit bei unseren Kunden: sobald eine Leuchte denken kann, ist es „Interact“. Und dann finden unter „Signify“ natürlich noch viele weitere Marken ein zu Hause, wie „Color Kinetics“, „Luce Plan“ und „Modular“.
ElektroWirtschaft: Smart Home ist auf dem Vormarsch, was bedeutet das für den Lichtmarkt?
Karsten Vierke: Smart Home ist ein Begriff der sehr stark benutzt wird, aber das Thema ist extrem komplex. In meinen Augen braucht Smart Home noch ein bisschen Zeit. Aber natürlich profitieren auch wir von dem Trend. Hue, unser smartes Lichtsystem für zuhause, ist für uns eine echte Erfolgsgeschichte. Zum Start 2012 waren wir mit die ersten im Smart Home Bereich und überzeugen hier seitdem mit unserer Qualität und haben es so geschafft uns gegen deutlich günstigere Wettbewerber durchzusetzen.
ElektroWirtschaft: Wird Hue zukünftig auch über den Großhandel vertrieben werden?
Karsten Vierke: Hue ist kein Produkt, das im Großhandel verkauft werden soll, hier haben wir uns für einen anderen Kanal entschieden. Aber wir bieten für den Großhandel „Interact Pro“ an – diese Software ermöglicht es kleinen und mittleren Unternehmen, bei der Beleuchtungssanierung das ganze Potential IoT-vernetzter Beleuchtung zu nutzen.
ElektroWirtschaft: Welche Bedeutung hat der dreistufige Vertrieb für Signify?
Karsten Vierke: Wir vertreiben unsere Produkte über den dreistufigen Vertrieb und der Großhandel wird auch zukünftig unser starker Partner sein. Dabei gibt es einen ganz wichtigen Punkt: Der Elektrogroßhandel in Deutschland hält die A-Marken hoch. Das kommt uns natürlich zugute. In Österreich haben wir grade einen Test-Ballon gestartet – hier wollen wir noch mehr Produkte über den Großhandel absetzen und weniger selbst in die direkte Kommunikation gehen. Die Reaktionen sind sehr positiv und daraus werden wir auch für Deutschland unsere Schlüsse ziehen.
ElektroWirtschaft: Stichwort Preisdruck: Wie groß ist die Konkurrenz durch chinesische Produkte?
Karsten Vierke: Wir haben ein ganz großes Problem: wir wissen einfach nicht genau, in welchen Mengen chinesische Produkte unseren Markt überschwemmen. Es wäre wichtig, dass sich der Elektrogroßhandel hier einen Überblick verschafft. Im Moment sehe ich aber noch keine ernsthafte Konkurrenz, denn die Qualität der Ware stimmt noch nicht. Aber damit sich deutsche Unternehmen behaupten können ist es enorm wichtig, dass der Elektrogroßhandel weiterhin die A-Marken hoch hält.
ElektroWirtschaft: Wie entwickelt sich das Projektgeschäft?
Karsten Vierke: Mit der Entwicklung sind wir sehr zufrieden, aber wir brauchen mehr Elektroinstallateure, damit wir unsere Projekte überhaupt realisieren können. Auch die ständige Weiterbildung ist ganz wichtig, um den Anschluss an die Technik nicht zu verlieren. Da Licht immer komplexer und spezifischer wird, gibt es mittlerweile auch Elektroinstallateure, die sich mehr und mehr auf Licht spezialisieren. Gerade für das Projektgeschäft brauchen wir diese Licht-Spezialisten! 
ElektroWirtschaft: Welche neuen Trends und Entwicklungen gibt es im Lichtgeschäft?
Karsten Vierke: Trend ist es, über Licht hinaus zu denken. Ein Beispiel ist der 3D-Drucker. Noch vor einem Jahr war es eine Vision, dass der Kunde zum Großhändler kommt und dort seine Donwnlights nicht erst bestellen muss, sondern sie werden ihm direkt vor Ort über den 3D-Drucker von Signify ausgedruckt. Heute setzen wir das in Holland bereits in die Realität um und auch in Deutschland gibt es erste Projekte. Ein weiteres Beispiel ist das Thema LiFi: Diese wegweisende Technologie ermöglicht eine schnelle, stabile Breitband-Internet-Verbindung durch Lichtwellen. Sie eignet sich hervorragend für Bereiche, in denen kein WLAN möglich ist oder nur eine schlechte kabellose Verbindung hergestellt werden kann. Aktuell haben wir die HSV Fußball AG mit unserer Technologie ausgestattet. LiFi sorgt seit dieser Saison vor und an Spieltagen im Pressearbeitsbereich des Volksparkstadions für die nötige Verbindungsgeschwindigkeit und -stabilität. Aber auch in puncto Datensicherheit ist LiFi interessant, zum Beispiel für Krankenhäuser, Banken oder Finanzämter. Denn wo das Licht nicht mehr wirkt, können auch keine Daten übertragen werden.
Ein weiteres spannendes Thema ist im Moment Horticulture. Mit dem richtigen Lichtrezept gelingt die Pflanzenproduktion deutlich effektiver als bisher – ohne Pestizide und dort wo sie gebraucht wird. Russland mit schwierigen klimatischen Bedingungen ist hier zum Beispiel ein riesiger Markt.
ElektroWirtschaft: Lassen Sie uns zum Abschluss noch einen Blick auf die IFA werfen: Welche Produkte haben Sie hier vorgestellt?
Karsten Vierke: Wir wollen vernetzte Beleuchtung noch zugänglicher machen und den Menschen in Sachen Konnektivität, Steuerung und Design eine größere Auswahl bieten. Passend dazu haben auf der IFA erstmals unsere Hue Filament Lampen-Kollektion präsentiert. Die drei Bluetooth-kompatiblen Modelle in unterschiedlichen Formen sind die ideale Lösung für alle, die ihrem Smart Home einen Vintage-Touch geben möchten. Der Smart Plug verwandelt jede Tisch- oder Stehleuchte in eine intelligente Hue Leuchte – er wird einfach mit dem Stecker der gewünschten Leuchte in die Steckdose gesteckt. Das sind nur einige Beispiele unserer Neuheiten, aber Sie sehen: es geht immer um mehr als „nur“ Licht.








