Nicole Heyen ist eine der wenigen Frauen in der Elektrobranche, die eine Führungsposition im Vertrieb ausüben. Im Interview mit der ElektroWirtschaft spricht die Leiterin Verkauf Inland bei der Doepke Schaltgeräte GmbH über ihren persönlichen Werdegang und die Hürden und Herausforderungen in ihrem Arbeitsgebiet.
ElektroWirtschaft: Wie ist Ihr persönlicher Werdegang bei Doepke verlaufen bis Sie Ihre Position als Vertriebsleiterin angetreten haben?
Nicole Heyen: Da ich in Ostfriesland aufgewachsen bin und mich der Region sehr verbunden fühle, habe ich mich nach dem Abi zunächst für eine bodenständige Ausbildung als Industriekauffrau bei Doepke entschieden. Ziemlich schnell hat sich für mich in dieser Zeit der Vertrieb als richtige Ausrichtung herauskristallisiert. Nach der Ausbildung habe ich im Innendienst auf Vertriebsebene gearbeitet, wurde Teamleiterin und später die Assistentin von unserem damaligen Vertriebsleiter Andreas Müller. Nebenberuflich habe ich BWL an der VWA in Leer studiert. Nach Ende meines Studiums war ich viel auf Messen unterwegs, habe an Verkaufsgesprächen teilgenommen und konnte so Kontakte und Erfahrungen weiter ausbauen. Die Branche ist sehr spannend und im Vertrieb konnte ich sehr gut technisches und wirtschaftliches Verständnis miteinander kombinieren. Als Andreas Müller im Jahr 2009 Geschäftsführer bei Doepke wurde, wurden einige Abteilungen neu strukturiert und ich habe gerne die Tätigkeit als Verkaufsleiterin Inland übernommen.
ElektroWirtschaft: Wie ist das Vertriebsteam aufgestellt?
Nicole Heyen: Zu meinem Team gehören sieben Mitarbeiter im Innendienst und zwei vertrieblich ausgerichtete Produktionsplaner. Dazu kommt ein Team aus sieben Verkaufsförderern, welches den technischen Außendienst übernimmt. Darüber hinaus arbeiten wir mit 14 eigenständigen Handelsvertretungen zusammen. Die strategische und wirtschaftliche Ausrichtung liegt bei mir. Die Verzahnung der Bereiche ist in unserem Team sehr eng.
ElektroWirtschaft: Weshalb finden aus Ihrer Sicht so wenige Frauen den Weg in eine Führungsposition? Was können Sie weiblichen Interessentinnen empfehlen?
Nicole Heyen: Wichtig sind vor allem Mut und Selbstvertrauen. Viele Frauen stehen in ihrer beruflichen Laufbahn vor der Herausforderung, den Spagat zwischen Beruf und Familie zu meistern. Im vertrieblichen Bereich ist dies in der Tat nicht leicht. Ich bin im Verkauf Inland deutschlandweit unterwegs. Im Vertrieb muss man für seine Kunden da sein. Gerade für uns als mittelständisches Unternehmen ist vor allem dieser persönliche Kontakt immens wichtig. Regelmäßig unterwegs zu sein und beispielsweise häufig nicht zu Hause übernachten zu können, ist natürlich ein anderes Leben. Das muss man mögen und auch wollen. Jeder kann nur gut in dem sein, wenn er wirklich dahinter steht. Wenn man das tut, werden sich Lösungen finden, dieses berufliche Leben mit dem Privatleben zu vereinbaren.
Möglichen Interessentinnen kann ich nur empfehlen, frühzeitig das Gespräch mit ihren Vorgesetzten zu suchen und ihre Absichten klar und deutlich zu äußern. Nicht nur unsere Branche braucht weibliche Führungskräfte im Vertrieb.
ElektroWirtschaft: Wie haben Sie sich durchgesetzt? War dieser Weg schwierig?
Nicole Heyen: Grundsätzlich müssen alle Frauen in Führungspositionen lernen, sich durchzusetzen – wie Männer im Übrigen auch. Die Unterstützung von Andreas Müller war natürlich sehr wichtig, um mich zu etablieren. Auch im Unternehmen war dies ein längerer Prozess. Sich ohne Rückendeckung alleine durchzusetzen, ist kaum möglich. Gerade im Vertrieb muss man jeden Tag aufs Neue Kompetenz beweisen. Frauen denken in der einen oder anderen Situation möglicherweise etwas anders als Männer – so entstehen andere Sichtweisen, die bereichernd für ein Unternehmen sein können. Diese „weibliche“ Sicht auf die Dinge zuzulassen erfordert Mut von einem selbst und Vertrauen vom Unternehmen. So kann man sich die Akzeptanz kontinuierlich erarbeiten. Der Aufbau von Wissen, Erfahrung und persönlichen Kontakten ist dabei grundlegend für den Erfolg. In diesen Punkten gibt es keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen.








