„Es wird ein Leben nach Corona geben“

Im Interview mit der ElektroWirtschaft spricht Daniel Hager, Vorstandsvorsitzender der Hager Group und Vorsitzender des ZVEI-Fachverbandes Elektroinstallationssysteme, über die Auswirkungen der Corona-Krise, die Erfolgsfaktoren eines Familienunternehmens und seine neue Rolle im ZVEI.

ElektroWirtschaft: Herr Hager, wenige Monate nach Ihrer Wahl zum Vorsitzenden des ZVEI-Fachverbands Elektroinstallationssysteme erwischte die Coronakrise auch unsere Branche. Während wir sprechen, ist ihr Ende noch nicht abzusehen, viele Unternehmen befinden sich aktuell im Kurzarbeitsmodus. Was können wir aus dieser Krise lernen?

Daniel Hager: Nach den ersten Wochen im Krisenmodus lässt sich vor allem festhalten, wie besonnen unsere Branche, aber auch unsere Mitarbeiter und Kunden auf diese bis dato ungekannte Herausforderung reagiert haben. Das gibt Mut, denn es zeigt, welche Kräfte und Fähigkeiten in uns stecken. Die politische Entscheidung allerdings, das öffentliche Leben quasi lahmzulegen, wurde fast ausschließlich mit Blick auf die gesundheitlichen Aspekte getroffen. Die langfristigen Auswirkungen, wirtschaftlicher, sozialer und auch politischer Natur, die uns noch viel länger beschäftigen werden, wurden leider in den ersten Wochen zu sehr ausgeblendet. Es gibt zum Glück jetzt Bewegung zu einer differenzierteren und pragmatischeren Sicht.

ElektroWirtschaft: Inwieweit müssen Sie bei Ihrem Unternehmen, der Hager Group, Ziele und Prognosen für das Jahr 2020 krisenbedingt anpassen?

Daniel Hager: Wir erwarten spürbare Einbußen bei Umsatz und Gewinn. Wie hart diese ausfallen werden, muss sich noch zeigen.

ElektroWirtschaft: Wie haben Sie im Unternehmen auf die Coronakrise reagiert?

Daniel Hager: Oberste Priorität war für uns immer der Schutz von Mitarbeitern, Kunden und Gesellschaft. Wir haben unsere Hygienemaßnahmen verschärft, die Abläufe im Unternehmen auf das so genannte Social Distancing umgestellt und Mitarbeitern so weit wie möglich mobiles Arbeiten ermöglicht. Gleichzeitig haben wir alles getan, um unser Geschäft am Laufen zu halten und unsere Kunden zuverlässig zu beliefern. Da wir nicht wissen, wie lang die Krise dauern wird, tun wir natürlich alles, damit die Hager Group dem Sturm standhält und auf Kurs bleibt. Denn klar ist: Es wird ein Leben nach Corona geben. Und auch in der Welt von morgen werden unsere Lösungen gebraucht.

ElektroWirtschaft: Wie lässt sich in dieser Zeit der permanenten Umbrüche so etwas wie Kontinuität schaffen?

Daniel Hager: Indem man Umbrüche als kontinuierliche Phänomene begreift und gestaltet. Corona einmal ausgenommen, ereilen uns Umbrüche ja keineswegs unvorbereitet. Megatrends wie Globalisierung, Digitalisierung oder Klimawandel entwickeln sich langfristig und für jeden sichtbar. Überrollt werden von ihnen lediglich jene, die sie ignorieren oder falsch einschätzen. Dabei birgt jeder Umbruch Chancen, die man antizipieren, nutzen und in sein Geschäftsmodell integrieren kann. „Wenn der Wind des Wandels weht“, so besagt ein chinesisches Sprichwort, „bauen manche Mauern. Andere errichten Windmühlen.“ Wir bei der Hager Group möchten zu Letzteren gehören. Den Mutigen gehört die Zukunft.

ElektroWirtschaft: Was macht ein erfolgreiches Familienunternehmen aus?

Daniel Hager: Unter anderem die Kontinuität, von der wir gerade sprachen, und die auch über Krisen hinausreicht. Das typische langfristige Denken in Dekaden statt in Börsenquartalen, woraus sich eine besondere Verantwortung gegenüber Mitarbeitern, Partnern und Kunden ergibt. Außerdem gelebte Werte, die uns kompassgleich durch Aufschwünge und Krisen, Jahrzehnte und Generationswechsel leiten. Es ist kein Zufall, dass Familienunternehmen aus Herausforderungen wie der aktuellen meist gestärkt hervorgehen.

ElektroWirtschaft: Die Hager-Group ist in den letzten Jahren enorm gewachsen. Was macht es mit einer Familienfirma, wenn sie von 110 auf inzwischen über 11 000 Mitarbeiter in aller Welt wächst?

Daniel Hager: Wir sind immer noch ein unabhängiges Familienunternehmen und geleitet von den Ideen und Werten, die bereits meinen Großvater, Vater und Onkel in den Anfangsjahren ihrer Firma bewegten. Die außerordentliche Nähe zum Fachhandwerk beispielsweise, die die Hager Group von Anfang an gelebt hat, ist uns jüngst wieder in einer unabhängigen Marktforschung bestätigt worden. Im Kern, würde ich sagen, ist Hager immer noch Hager. Wir bleiben uns treu, indem wir uns permanent verändern. Dazu gehört auch Wachstum. Es ist eine Grundvoraussetzung dafür, dass wir im Markt am Puls der Zeit bleiben können. Die Welt von 1955 war eine andere als heute, und natürlich muss ein Unternehmen mit 110 Menschen anders funktionieren als eines mit 11 000 und 22 Produktionsstandorten. Wichtig ist mir, dass unsere Kunden, Partner und Mitarbeiter die Hager-Werte Mut, Authentizität und Integrität erleben und weiter das klassische Motto „Hager: sicher + einfach“ wiedererkennen.

ElektroWirtschaft: Ihre Unternehmensstrategie in einer Formel?

Daniel Hager: Wir leben in einer elektrischen Welt voller ungeahnter Möglichkeiten. Wir steigern den Erfolg unserer Kunden und Partner, indem wir gemeinsam mit ihnen elektrotechnische Lösungen für die Gebäude von morgen und übermorgen entwickeln.

ElektroWirtschaft: Wo auch immer man hinschaut, verändert die Digitalisierung Märkte und Branchen. Wie sehen Sie das für die Elektrobranche?

Daniel Hager: Wir bilden da keine Ausnahme, und das sehe ich durchaus als Chance. Nehmen Sie unser Kerngeschäftsfeld, die Gebäudetechnik: Hier avanciert der einstige Zählerkasten immer mehr zur intelligenten Haustechnikzentrale, die dezentrale Energieerzeugung, Energiespeicherung, Effizienztechnologien und das E-Mobil in der Garage integriert. Dabei nutzt sie unter anderem die Wetterdaten von morgen und die Verbrauchswerte der Vergangenheit. Es ist also ein digitales System, das uns helfen wird, den Energieverbrauch zu senken und zugleich den Wohnkomfort zu steigern.Trotz der hohen Komplexität sollen Fachhandwerker diese Systeme ganz einfach über Plug and Play-Installationen, sprich: intuitive Inbetriebnahme-Software installieren können. Auch Anlagenwartung, Software- und Security-Updates werden durch Augmented Reality-Technologien erleichtert. Im Zweifelsfall kann sich der Fachmann vor Ort die ganzen Installations- und Wartungsanleitungen auf seiner Datenbrille einblenden lassen und Schritt für Schritt abarbeiten. Und das sind nur einige von vielen faszinierenden Möglichkeiten, die uns die Digitalisierung eröffnet. Gleichwohl müssen die Werkzeuge und Prozesse und erst einmal entwickelt und implementiert werden. Das ist eine Aufgabe, die Zeit braucht und mitunter mit Schmerzen verbunden ist.

ElektroWirtschaft: Wie weit ist denn die Digitale Transformation bei der Hager Group vorangeschritten?

Daniel Hager: Am Ende geht es für mich bei der Digitalisierung darum, dem Kunden noch mehr Wert zu bieten. Dieser Wert besteht entweder darin, dass er ein bestehendes Produkt günstiger bekommt oder einen digitalen Mehrwert erhält. Dafür haben wir einen klaren Plan, den wir jetzt abarbeiten. Dabei muss der Kunde immer im Mittelpunkt stehen. Stichwort Industrie 4.0: Wir wollen unsere Produktionsprozesse so digitalisieren, dass künftig die Nachfrage eines Kunden zielgenau die Herstellung seines Wunschproduktes auslöst. Dafür brauchen wir eine valide Datenbasis und lernende Prozesse. Wir arbeiten also an denselben Baustellen, an denen auch viele Mitbewerber arbeiten. Und natürlich machen wir dabei Fehler, verrennen uns mitunter, fangen neu an. Mit anderen Worten: Wir lernen permanent. Ich finde das faszinierend. Es gibt viel zu tun.

ElektroWirtschaft: Sie sind Teilnehmer der Open Datacheck-Plattform. Welche Vorteile sehen Sie und welche Erfahrungen haben Sie gemacht, nachdem die Plattform in den Echtbetrieb übergegangen ist?

Daniel Hager: Mit Open Datacheck können wir unseren Großhandelspartnern standardisierte Daten schnell, einheitlich und in hoher Qualität zur Verfügung stellen. Die Datenqualitätsrichtlinien und detaillierten Qualitätsreports der Plattform helfen uns, Fehler und Inkonsistenzen zu erkennen und gegenzusteuern, wo es nottut.

Aktuell befinden wir uns aber noch in der Pilotphase, in der wir unsere Mitarbeiter mit Online-Trainings mit der Plattform vertraut gemacht, die ersten Datenpakete hochgeladen und durch die integrierte Qualitätsprüfung gecheckt haben. Wir wissen jetzt, wo wir noch Anpassungen und Feinjustierungen vornehmen müssen, bevor wir in den Realbetrieb übergehen können. Die rege Nachfrage nach unseren Produktdaten über Open Datacheck zeigt uns aber jetzt schon, welch hohe Akzeptanz die Plattform bei unseren Großhandelspartner genießt.

ElektroWirtschaft: Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit zwischen den Marktteilnehmern des dreistufigen Vertriebes?

Daniel Hager: Sehr positiv. Gerade die Coronakrise zeigt die gute Zusammenarbeit und das Vertrauen, das zwischen Großhandel, Fachhandwerk und Herstellern herrscht. Dieser Vertriebsweg hat sich über Jahrzehnte bewährt, und wir setzen auch in Zukunft auf ihn.

Gleichzeitig ist es klar, dass sich im Zeitalter von Digitalisierung und e-Commerce parallele Vertriebswege etablieren werden. Bei Großprojekten und Hochstromanlagen mit offenen Leistungsschaltern gibt es sie heute ja bereits.

ElektroWirtschaft: Anlässlich Ihrer Wahl zum Vorsitzenden des ZVEI-Fachverbands Elektroinstallationssysteme erklärten Sie, die Energiewende sei nur zu schaffen, wenn der Gebäudebestand in Deutschland mit geänderten Rahmenbedingungen und intelligenten Fördermaßnahmen fit gemacht werde. Wie kann dies konkret gelingen?

Daniel Hager: Intelligentes Energiemanagement und Gebäudetechnik sind Schlüsselelemente der Energiewende. Sie bieten beachtliche CO2-Reduktionspotenziale, die wir unbedingt heben müssen, wenn wir unsere Klimaschutzziele erreichen wollen. Der derzeitige regulatorische Rahmen und die bestehenden Förderprogrammen werden diesen Potentialen aber nicht gerecht. Hier müssen Politik und Wirtschaft Hand in Hand arbeiten.

Im Februar haben wir vom ZVEI daher zusammen mit ZVEH und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier Gespräche über die Potentiale und Standardisierung von Energiemanagementlösungen in Gebäuden geführt und uns auch mit der Fachebene des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie ausgetauscht. Es waren gute, konstruktive Gespräche. Derzeit arbeiten wir mit dem Referat Digitalisierung Energiewende des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technik bereits am Entwurf eines Förderprogramm zur Modernisierung von Elektroanlagen. Die Förderung sollte von einer Erhöhung der gebäudetechnischen Sicherheitsstandards bis zur Vollausstattung in puncto Energieeffizienz, Dezentralisierung und Systemdienlichkeit reichen. Im Kern geht es darum, unseren Gebäudebestand so fitzumachen, dass er seinen Teil zum Klimaschutzprogramm 2030 beiträgt.

ElektroWirtschaft: Das sind ambitionierte Ziele.

Daniel Hager: Nun, Deutschland hat sich gemeinsam mit seinen europäischen Partnern auf ein Verfahren geeinigt, mit dem wir in Europa den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2030 um mindestens 40 Prozent gegenüber 1990 verringern wollen. Dazu wurden verbindliche europäische sowie nationale Ziele vereinbart, die bis 2030 erreicht werden müssen. Deutschland setzt sich zudem mit den meisten Mitgliedsstaaten für das Ziel der Treibhausgasneutralität bis 2050 in Europa ein. Es ist also keine Frage, ob wir diese Ziele erreichen wollen, sondern wie es uns gelingen kann. Die Elektrobranche hat die entsprechenden Lösungen. Damit sie greifen können, muss jetzt schnell einiges geschehen.

ElektroWirtschaft: Wie sehr fühlen Sie sich in der Verantwortung, unsere Energielandschaft neuzugestalten, um die Ressourcen unseres Planeten künftig effizienter zu nutzen?

Daniel Hager: Wir alle müssen mit unseren Ressourcen vernünftiger haushalten, schließlich sind wir alle Passagiere dieses zerbrechlichen „Raumschiffs Erde“, wie es der US-Demokrat Adlai Stevenson einmal nannte. Und als Branche, die Gebäude technologisch ausstattet, sehe ich uns hier in einer besonderen Verantwortung. Die gute Nachricht: Wir verfügen über die Technologien und Mittel, um dieser Verantwortung gerecht zu werden. Wir können einen viel höheren Beitrag leisten als heute. Nur müssen wir es auch tun können. Lassen Sie es mich anhand zweier Zahlen verdeutlichen: Aktuell ist der Gebäudesektor in Deutschland für etwa 14 Prozent der gesamten CO2-Emissionen verantwortlich, das entspricht rund 120 Millionen Tonnen pro Jahr. Im Jahr 2030 dürfen unsere Immobilien aber höchstens noch 72 Millionen Tonnen CO2/Jahr emittieren. Führen wir lediglich die bisherigen Programme wie die Energieeinsparverordnung fort, schaffen wir es vermutlich nur auf 90 Millionen Tonnen im Jahr. Es bleibt also eine Lücke von mindestens 18 Millionen Tonnen Kohlendioxid, die wir in und mit unserem Gebäudebestand jedes Jahr zusätzlich einsparen müssen.

Wie soll das gelingen? Nun, nur mal angenommen, sämtliche Gebäude würden mit intelligenten Energiemanagementsystemen ausgestattet, wie wir sie bei bei Hager Group herstellen, könnten allein dadurch rund 7.45 Mio Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden. Das ist natürlich nur ein Gedankenspiel, aber es zeigt, welch enormen Potentiale hier ungenutzt schlummern.

ElektroWirtschaft: Wo liegen aus Ihrer Sicht die drängendsten Schwachstellen in Gebäuden?

Daniel Hager: Die größte Schwachstelle liegt in der elektrotechnischen Überalterung unseres Gebäudebestands. Eine ZVEI-Studie hat klar aufgezeigt, dass die Elektroinstallationen vieler Immobilien am Ende ihrer Lebensdauer und in keiner Form energiewendefähig sind. Wie sollen elektrische Installationen, die in den Siebziger oder Achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts installiert worden sind, die Zusatzbelastungen durch Batterie- oder Wärmepumpen, PV-Anlagen und E-Ladesäulen abfedern? Hier liegt eine gewaltige Modernisierungsaufgabe vor uns. Gleichzeitig müssen wir das dezentrale, vernetzte, intelligente Energiemanagement fördern. Lokal erzeugter Strom sollte auch lokal gehandelt, genutzt und verbraucht werden können, denn das entlastet die Netze und erhöht die Energieeffizienz. Die entsprechende Europäische Richtlinien RED II 2018/2001 zur Nutzung von Energie aus erneuerbaren Quellen und parallel die Strombinnenmarktrichtlinie 2019/944 liegen bereits vor und müssen endlich umgesetzt werden. Genau darauf zielen unsere Gespräche mit dem Bundeswirtschaftsministerium ab. Es gibt viel zu tun – packen wir’s endlich an.

ElektroWirtschaft: Wenn Sie einmal in die Zukunft schauen: Wie werden Gebäude im Jahr 2030 aussehen?

Daniel Hager: Die Gebäude der Zukunft werden intelligenter, selbstbestimmter, sicherer und komfortabler sein als unsere heutigen Immobilien. Vorausschauend und selbständig wird sich das Smart Home individuell jedem seiner Bewohner anpassen. Licht, Weckzeiten, Klimatisierung – alles wird individuell angepasst und mit externen Informationsquellen wie Verkehrssituation oder Flugplänen kombiniert. Statt Energie zu schlucken, wird das Gebäude selbständig Energiegewinnung, -verbrauch und -speicherung abstimmen und als dezentrales Element im intelligenten Stromnetz funktionieren. Dank seiner Selbstlernfähigkeit kann das Smart Home von morgen Risiken wie Unfälle, Rauchbildung oder Wassereinbruch erkennen und Geräte abschalten oder externe Dienstleister benachrichtigen. Es wird daher auch wichtige Assistenzfunktionen für ältere und pflegebedürftige Menschen übernehmen und ihnen ermöglichen, sicher in ihren gewohnten vier Wänden zu leben. Das Gebäude der Zukunft ist also eines, in dem man komfortabel, ressourcenschonend, sicher und gerne lebt und arbeitet.

ElektroWirtschaft: Sie sind seit November 2019 Nachfolger von Andreas Bettermann in der Funktion des Vorsitzenden des ZVEI-Fachverbands Elektroinstallationssysteme. Was hat Sie bewogen, diese Aufgabe zu übernehmen – und was haben Sie sich vorgenommen?

Daniel Hager: Andreas nehm‘ ich immer gern etwas weg… nein, im Ernst: Andreas Bettermann hat neun Jahre lang einen tollen Job gemacht. Respekt! Damit unser Fachverband weiter so gut funktioniert, muss jeder seinen Beitrag leisten, und zu dieser Verantwortung habe ich mich bekannt. Angesichts der enormen politischen, technologischen und sozialen Umwälzungen geht es jetzt darum, die Weichen für die kommenden zehn erfolgreichen Jahre stellen. Als Vertreter eines Familienunternehmens in der so genannten Universalindustrie kann man hier glaubwürdig und mit Nachdruck wirken.

ElektroWirtschaft: Wenn 2020 ein Buch wäre – welchen Titel müsste es haben?

Daniel Hager: „Die Schlafwandler“, jedenfalls aus heutiger Perspektive. Wir taumeln gerade sehenden Auges in eine schwere Rezession, die Arbeitsplätze vernichtet, Existenzen zerstören, Wirtschaftsbeziehungen zerschlagen, Sparguthaben entwerten und damit die wirtschaftliche Basis unserer sozialen Marktwirtschaft angreifen. Desto länger die Ausgangssperre andauert, desto schwerer werden die Folgen sein.

ElektroWirtschaft: Und welche Schlagzeile wünschen Sie sich für das Jahr 2020?

Daniel Hager: „Coronakrise führt zur Rückbesinnung auf die wirklich wichtigen Menschheitsthemen“.

ElektroWirtschaft: Welche Themen sind denn aus Ihrer Sicht wirklich wichtig?

Daniel Hager: Nun, die Krise hat zwar unseren CO2-Ausstoß vorübergehend sinken lassen, aber natürlich nicht den Klimawandel gestoppt. Wir haben aber nun einmal nur diesen einen Planeten, und das bedeutet, dass wir mit seinen Ressourcen sorgsamer umgehen müssen. Wir brauchen einen Green Deal. Wenn diese Krise überhaupt etwas Gutes haben sollte, dann ein wachsendes Bewusstsein dafür, wie viel wir Menschen gemeinsam erreichen können.

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