„Die Zukunft ist digital und smart“

Im Interview mit der ElektroWirtschaft spricht Adalbert M. Neumann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Busch-Jaeger Elektro GmbH, über die zukünftigen Einflüsse innovativer Technologien, die Vision Smart City und die Bedeutung von Künstlicher Intelligenz.

ElektroWirtschaft: Wir stehen an der Schwelle zum Jahr 2020. Welche wesentlichen Trends und Einflüsse werden aus Ihrer Sicht die Elektrobranche im nächsten Jahr beeinflussen?

Adalbert Neumann: Das Jahr 2019 war geprägt von enormen globalen Veränderungen. Sowohl im politischen als auch im wirtschaftlichen Leben. Sicher geglaubte Allianzen sind auseinandergebrochen, andere Bündnisse entstanden. Das Thema Klimawandel hat nicht nur sehr kontrovers geführte Diskussionen ausgelöst, sondern auch starke Impulse für ein neues Denken und Handeln gegeben. Das eigene Zuhause bekommt in diesem Kontext eine neue Qualität. Aspekte wie Sicherheit, Energieeffizienz und Nachhaltigkeit werden an Bedeutung gewinnen. Gefragt sein werden mehr denn je intelligente, zukunftssichere Konzepte – nicht nur für das Wohnen und Leben in den eigenen vier Wänden, sondern auch für unsere Arbeitswelten. Ebenso sind Konzepte für unsere Infrastrukturen gefragt – sowohl in den städtischen, als auch in den ländlichen Regionen.

ElektroWirtschaft: Welchen Einfluss haben innovative Technologien für unser Wohnen in der Zukunft?

Adalbert Neumann: Die Zukunft ist digital – und smart! Ganz klar. Daran kann es keinen Zweifel geben. Schon heute gibt es faszinierende Visionen von der smarten City, von smarten Gebäuden und smarten Lösungen für die Arbeitswelt und für unsere Freizeitgestaltung. Wir sind längst schon unterwegs Richtung Zukunft! Und das Tempo wird noch zunehmen. Unsere Visionen von heute skizzieren die Realität von morgen und übermorgen. Das intelligent vernetzte Gebäude wird in einigen Jahren Selbstverständlichkeit sein. Aus unserer Herstellersicht ausgestattet mit intelligenten Technologien von Busch-Jaeger, die das Leben komfortabler, sicherer und effizienter machen können. Mit unserem innovativen Smarter-Home-Konfigurator haben wir auf der IFA ein intuitiv bedienbares Planungstool für Busch-free@home vorgestellt, das auf große Resonanz gestoßen ist.

ElektroWirtschaft: Welche Produkte, Lösungen und Technologien werden 2020 im Fokus stehen?

Adalbert Neumann: Intelligente Vernetzung wird immer wichtiger. Zukunftssichere Produkte und Lösungen für mehr Komfort, Sicherheit und Energieeffizienz sind schon längst verfügbar. Intuitiv bedienbar, zukunftssicher und ausbaufähig. Den aktuellen Stand der Technik haben wir auf der IFA 2019 in Berlin gezeigt, wo Busch-Jaeger und ABB dem Markt die erste offene API-Plattform im professionellen Smart-Home-Bereich präsentiert haben. Entwicklern und Marktpartnern wird auf diese Weise eine umfassende Vernetzung von unterschiedlichen Komponenten, Geräten und Lösungen ermöglicht. Das gemeinsame Ziel: Ein Höchstmaß an individuellem Benefit für die Nutzer. Außerdem werden wir auf der Light + Building 2020 interessante Lösungen sehen.

ElektroWirtschaft: Wann wird die smarte City Realität?

Adalbert Neumann: Für die smarte City gibt es zahlreiche unterschiedliche Visionen. Natürlich spielen die Gebäude – sowohl gewerbliche als auch private – in all diesen Szenarien eine elementare Rolle. Richtig smart wird eine City aber erst dann, wenn es gelingt, auch das Thema Verkehr in den Griff zu bekommen. Der Hype um die E-Mobility hat inzwischen dafür gesorgt, dass sich immer mehr Planer und Ingenieure Gedanken über neue, bedarfsgerechte Verkehrskonzepte machen. Und das ist gut so! Beim Thema Infrastruktur lohnt sich der Blick zu Busch-Jaeger nach Lüdenscheid: Mit unserem Projekt „Mission to Zero“ zeigen wir an einem ganz konkreten Beispiel, dass es mit innovativen Lösungen heute schon möglich ist, eine nahezu CO2-neutrale Produktion zu realisieren. Aufgebaut haben wir eine Anlage, in der alle Komponenten und Bereiche intelligent vernetzt sind. Allein die Größenordnung und die Leistungsfähigkeit der Photovoltaikanlage sind schon beeindruckend: Sie wird pro Jahr rund 1 100 MWh an klimaneutralem Sonnenstrom liefern – das entspricht dem Jahresbedarf von 336 Privathaushalten. Überschüssige Energie wird in das öffentliche Stromnetz eingespeist und trägt zur Versorgung der Region mit nachhaltig produzierter Energie bei. Die „Blaupause“ für das smarte Zuhause sieht so aus: Der selbst erzeugte Solarstrom aus der Photovoltaikanlage auf dem Dach wird genutzt, um das Gebäude bedarfsgerecht zu versorgen. Überschüsse werden im hauseigenen Batteriespeicher gepuffert. Je nach Bedarf steht diese Energie – zum Beispiel in den Nachtstunden – zur Verfügung, um die Batterien des Elektroautos zu füllen.

ElektoWirtschaft: Wie bereitet sich aus Ihrer Sicht der Elektrogroßhandel auf die zukünftigen Technologien vor?

Adalbert Neumann: Digitalisierung ist auch für den Elektro­großhandel ein elementar wichtiges Thema. Das hat auch das „Forum ElektroWirtschaft 2019“ wieder deutlich gemacht – sowohl mit den interessanten Fachvorträgen als auch mit der munteren Diskussionsrunde. Einmal mehr wurde klar, dass in der Elektro­branche die Zukunft in einer intensiven digitalen Vernetzung von Herstellern, Großhandel und Handwerk zu suchen ist. Und in einer Beschleunigung der Prozessketten. Hier geht es nach wie vor um gemeinsame Schnittstellen, gemeinsame Datenstrukturen und gemeinsam abgestimmte Prozesse. Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sondern dient der Optimierung der Prozesse. Das große Plus des Großhandels ist das Fachwissen der Mitarbeiter insbesondere im Bereich komplexer Produkte. Und der persönliche Austausch mit den Kunden. Wir müssen zwischen Plug-and-Play und dem Markt für Systeme unterscheiden. Erklärungsbedürftige Produkte, insbesondere wenn sie sicherheitsrelevante Funktionen beinhalten, werden über den Fachvertriebsweg gekauft und geliefert. Auch in unserem dreistufigen Vertriebsmodell spielen Systemlösungen eine immer größer werdende Rolle. Und der Endkunde wird mit seinen individuellen Wünschen und Bedürfnissen mehr und mehr zum Impulsgeber für unsere Produkte..

ElektroWirtschaft: Künstliche Intelligenz ist ein Begriff, der Hoffnungen weckt und zugleich Bedenken provoziert. Was bedeutet er für Sie?

Adalbert Neumann: Das Thema KI ist ein weites Feld. Letztendlich sprechen wir hier von einer besonders konsequenten Ausprägung von Automation. Als Meilenstein gilt nach wie vor der Sieg der Maschine Deep Blue über den Schachweltmeister Gary Kasparov im Jahr 1997. In der Robotik beispielsweise beschäftigt man sich mit manipulativer Intelligenz. Ein Beispiel: Mit Hilfe von Robotern können gefährliche Arbeiten wie die Minensuche automatisiert werden. Der Grundgedanke ist, Systeme zu entwickeln, die intelligente Verhaltens- oder Denkweisen von Lebewesen nachvollziehen können. Internet-Suchmaschinen sind im Prinzip eine einfache Form von Künstlicher Intelligenz. Ebenso die maschinelle Analyse und Prognose von Aktienkursentwicklungen. Oder Übersetzungstools, die nahezu in Echtzeit selbst umfangreiche Textmanuskripte fast fehlerfrei übersetzen. Konsequente Automation ist sozusagen der erste Schritt hin zur Künstlichen Intelligenz.

ElektroWirtschaft: Welche Fähigkeiten müssen wir entwickeln, um in einer Welt mit Künstlicher Intelligenz zurechtzukommen?

Adalbert Neumann: Künstliche Intelligenz ist kein kurzfristiger Trend. KI wird unser privates und berufliches Leben verändern. Kein Zweifel. Das Prinzip KI ist aber so neu nicht: Schon in den 1950er Jahren befasste sich damit die Wissenschaft. Doch von der innovativen Forschung bis zur Praxisrelevanz ist oft ein weiter Weg. Meist werden erst dann konkrete Lösungen daraus, wenn sie wirtschaftlich relevant sind. Wenn man damit Geld verdienen kann oder ein echter Verbrauchernutzen entsteht. Durch die rasante Entwicklung der Elektronik können heute riesige Datenmengen in kürzester Zeit verarbeitet werden. Das macht KI wirtschaftlich erst möglich. Das ist so ähnlich wie beim Thema Smart Home. Das kam erst groß in die Schlagzeilen, als der intelligente Kühlschrank automatisch die zur Neige gehende Milch nachbestellte. Dieses Thema geisterte jahrelang durch die Medien und trug maßgeblich dazu bei, das Thema Smart Home als Unsinn zu klassifizieren. Heute wissen wir, dass der Siegeszug der intelligenten Haus- und Gebäudeautomation nicht mehr aufzuhalten ist – ganz ohne den Kühlschrank, der für Milchnachschub sorgt…

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