Der Großhandel als nicht wegzudenkender Wirtschaftsfaktor

Dr. Holger Bingmann, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen e.V. (BGA), referiert zum Thema „Umbruch im Groß- und Außenhandel: Erfolgsfaktor für die deutsche Wirtschaft heute und morgen“. Erhalten Sie hier die ersten Einblicke:

ElektroWirtschaft: Sie bezeichnen den Großhandel als Wachstumsmotor für Deutschland. In der Öffentlichkeit wird er allerdings häufig kaum wahrgenommen. Warum?

Dr. Holger Bingmann: Tatsächlich entspricht die öffentliche Wahrnehmung des Großhandels bei weitem nicht seiner Bedeutung. Wir erwirtschaften im Großhandel beispielsweise mehr als das Doppelte als Einzelhandel und Gastgewerbe zusammen. Es ist aber auch nicht überraschend, weil typischerweise der Endkunde nicht im Großhandel einkaufen kann. Dabei leistet der Großhandel Beachtliches und hierauf können wir stolz sein: Er stellt die Versorgung von Industrie, Einzelhandel, Gastgewerbe und Landwirtschaft mit benötigten Gütern zu jeder Zeit von Flensburg bis Konstanz und von Aachen bis Frankfurt/Oder sicher.

ElektroWirtschaft: Die Märkte sind derzeit in Bewegung. Sehen Sie ein Ende der Hochkonjunktur in naher Zukunft?

Dr. Holger Bingmann: Deutschland hat in den zurückliegenden Jahren einen Ausnahmeaufschwung erlebt, nicht umsonst ist oftmals die Rede von einem goldenen Jahrzehnt. Die Wirtschaft ist kräftig gewachsen und der Großhandel hat mit seiner Funktion dazu erheblich beigetragen. Nun aber schlagen der Handelskrieg zwischen den USA und China, die wirtschaftlichen Verwerfungen rund um den Brexit und generelle globale Abschwächung auf die außenwirtschaftliche Entwicklung durch. Der nach wie vor robuste Arbeitsmarkt und eine gesunde Binnenwirtschaft reichen nicht mehr aus, um den globalen Turbulenzen zu trotzen. Hinzu kommen die aufgestauten strukturellen Herausforderungen aus lahmendem Ausbau der Verkehrsinfrastruktur, unzureichenden Kommunikationsstrukturen, schleppend verlaufender Energiewende und vorauseilender Klimaschutzdiskussion. Ich bin fest davon überzeugt, dass mehr möglich wäre als das von der Bundesregierung prognostizierte Wachstum von einem halben Prozent. Dazu wäre aber eine viel mutigere Wirtschaftspolitik notwendig, die zu Investitionen motivierende Signale setzt. Beispielsweise durch eine vollständige Abschaffung des Solidaritätszuschlages, ohne gleichzeitig den Unternehmen wieder neue Belastungen aufzuerlegen, und eine überzeugende Reform der angekündigten Unternehmensbesteuerung.

ElektroWirtschaft: Wie gelingt es, dass der Großhandel auch zukünftig Erfolgsfaktor für die deutsche Wirtschaft sein wird?

Dr. Holger Bingmann: Der Großhandel wird sicher auch künftig ein Erfolgsfaktor und damit ein ebenso attraktiver Arbeitgeber wie Wirtschaftspartner für Kunden und Lieferanten sein. Die Umfragen der KfW, gemeinsam mit führenden Wirtschaftsverbänden wie dem BGA, unterstreichen von Jahr zu Jahr, dass der Großhandel finanziell seine Hausaufgaben gemacht hat und somit ein attraktiver Partner ist. Wenn wir uns zudem den Herausforderungen aus der Digitalisierung, dem Umwelt- und Klimaschutz und einer kostengünstigen und verlässlichen Energieversorgung proaktiv stellen, wird der Großhandel auch künftig ein nicht wegzudenkender Wirtschaftsfaktor sein. Dazu zählt auch sein Gespür für die Entwicklung der Märkte, die Anforderungen der Kunden und sein grundsätzlicher Blick auf gesellschaftliche Entwicklungen, um frühzeitig mit den benötigten Gütern und Dienstleistungen präsent zu sein.

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