„Der dreistufige Vertriebsweg ist bei uns gesetzt“

Im Interview mit der ElektroWirtschaft spricht Dominik Marte, Vertriebsleiter Deutschland bei der Gira Giersiepen GmbH & Co. KG, über seine ersten Erfahrungen bei Gira, die Herausforderungen des Generationswechsels und die künftigen Ziele.

ElektroWirtschaft: Sie sind nun seit Juli 2018 neuer Vertriebsleiter bei Gira. Welches Zwischenfazit können Sie für diesen Zeitraum ziehen? Welche Erfahrungen haben Sie seitdem gemacht?

Dominik Marte: Der gute Ruf der Marke Gira und die innovativen Produkte waren mir schon länger bekannt. Umso mehr freut es mich, dass der Wechsel nach Radevormwald geklappt hat. Nach den ersten Monaten der Einarbeitung kann ich bestätigen, dass Gira ein besonderes Unternehmen ist. Die Leidenschaft mit der an Innovationen, Produkten, Design oder auch an Qualitätsthemen gearbeitet wird, fasziniert mich sehr. Auch beeindrucken mich die Offenheit unter den Kollegen, der Zusammenhalt und das gemeinsame Agieren im Team. Wir sprechen miteinander und nicht übereinander. Es gibt ein Leitbild mit dem Titel „Wir verantworten Zukunft“, welches zusammenfasst, wie wir uns gegenüber Kollegen und Kunden verhalten wollen. Diese Firmenphilosophie wird bei uns tatsächlich gelebt.

ElektroWirtschaft: Sie wechselten aus der Geschäftsführung der Hansgrohe Deutschland Vertriebsgesellschaft mbH nach Radevormwald. Was war ausschlaggebend für den Wechsel?

Dominik Marte: Ich hatte meine gesamte berufliche Laufbahn über 17 Jahre lang in einem tollen Unternehmen gearbeitet und bei Hansgrohe eine tolle Karriere machen dürfen. Mit Ende 30 wuchs jedoch der Drang nach etwas Neuem und der Ruf von Gira kam genau zur richtigen Zeit.

ElektroWirtschaft: Was unterscheidet die Sanitär- von der Elektrobranche? Welche Gemeinsamkeiten gibt es?

Dominik Marte: Den größten Unterschied erlebe ich in der hier vorherrschenden Komplexität, mit welcher sich die Elektrobranche konfrontiert sieht. Zum einen setzen wir uns mit einer deutlich größeren Anzahl an Produkten auseinander und müssen neben der Hardware auch Software- und damit Programmierungsthemen beherrschen. Zum anderen sind die in der Elektrobranche zu berücksichtigenden Normen um ein Vielfaches umfangreicher und komplexer als in meiner alten Welt. Vor diesem Hintergrund habe ich größten Respekt vor der Leistung unserer Partner in Elektrogroßhandel und Elektrofachhandwerk. Gira arbeitet nicht zuletzt deshalb sehr konsequent daran, seine Partner noch besser über Services und Dienstleistungen zu unterstützen – beispielsweise durch umfangreiche Unterstützung in der Projektierung oder auch einfach nur durch qualitativ hochwertige Daten, damit wir alle digitaler, sicherer und somit effizienter Projekte planen und umsetzen können. Was beide Branchen verbindet, ist sicherlich der dreistufige, offene Vertriebsweg sowie der Fachkräftemangel.

ElektroWirtschaft: Personell hat es in den letzten Monaten im Bereich Vertrieb altersbedingte Veränderungen gegeben. Inwieweit hat sich Gira neu aufgestellt?

Dominik Marte: Mit Klaus-Dieter Keller und Norbert de Graaf sind innerhalb von nur sechs Monaten zwei erfahrene Verkaufsleiter in den Ruhestand gegangen, sodass hier ein Generationswechsel stattgefunden hat. Beide haben über Jahrzehnte den Erfolg des Unternehmens geprägt. Nun galt es, dieses wertvolle Know-how und viele wertvolle Kundenbeziehungen auf ihre Nachfolger Bernd Firmenich und Markus Halbig zu übertragen. Dies ist eine Herausforderung, bietet aber auch die Chance, neue Ideen in einem neuen Team zu entwickeln. Markus Halbig ist schon seit September 2018 bei Gira und hat über sieben Monate zusammen mit Norbert de Graaf die Übergabe vollzogen. Bernd Firmenich arbeitet sich seit Juli 2019 in die Aufgaben von Klaus-Dieter Keller ein. Er kommt aus den eigenen Reihen und kennt unsere Produkte bereits sehr gut. Er war über 15 Jahre im Außendienst in Köln tätig und hat fünf Jahre das Vertriebsmarketing in Deutschland geleitet.

Deutschland ist für Gira weiterhin der größte Markt. Unsere drei Verkaufsleiter sind viel im Markt und bei Kunden unterwegs. Dementsprechend ist auch eine zentrale Position in Radevormwald wichtig, um beispielsweise mit einer Stimme für den deutschen Gesamtvertrieb zu sprechen oder auch um eine enge Verzahnung in das Produktmanagement oder in den Bereich Vermarktung sicherzustellen.

ElektroWirtschaft: Wie gehen Sie mit dem Thema Generationswechsel um? Welche Herausforderungen begegnen Ihnen?

Dominik Marte: Die Produkte aus dem Effeff zu kennen, ist natürlich sehr wichtig für den Vertrieb. Die Komplexität innerhalb unseres Sortiments ist allerdings nicht innerhalb eines Jahres zu erlernen. Selbiges gilt für die zahlreichen Kundenkontakte und gewachsenen Beziehungen. Dieses Know-how aufzubauen, braucht seine Zeit. 30 Jahre Erfahrung lassen sich eben nicht durch ein halbes Übergabejahr ersetzen. Dieser Situation sind wir uns bewusst und nehmen uns entsprechend die erforderliche Zeit, die es braucht. Der Teamspirit und die Unterstützung der langjährigen Kolleginnen und Kollegen helfen dabei natürlich ebenfalls.

ElektroWirtschaft: Welche strategischen Ziele haben Sie für die nächsten Jahre?

Dominik Marte: Keine, mir wurde zu Beginn meiner Tätigkeit von langjährigen Kollegen gesagt, wer noch keine zehn Jahre bei Gira ist, befindet sich noch in der Einarbeitungsphase. Spaß beiseite – ich freue mich, meinen Beitrag hinsichtlich des wichtigen Generationswechsels zu leisten. Dieser Umbruch wird uns noch eine Weile begleiten. In unserer Branche gibt es viele spannende Herausforderungen – wie beispielsweise die Digitalisierung unserer Prozesse, angefangen beim Endverbraucher, über den Handwerker, den Großhandel bis hin zu uns. Hier sehe ich eine große gemeinsame Chance für alle Marktteilnehmer. Wir setzen auch in Zukunft voll auf die Dreistufigkeit und lenken beispielsweise interessierte Endverbraucher von unserem Gira Home Assistenten direkt zum Elektrofachhandwerk und organisieren auf diesem Wege direkte Nachfrage für unseren professionellen Vertriebsweg.

ElektroWirtschaft: Sie haben das neue Entwicklungs-/Fertigungs- und Logistikzentrum in Betrieb genommen. Wie ist der aktuelle Stand? Welche Bedeutung hat dies für Gira?

Dominik Marte: Der Neubau des Entwicklungs-/Fertigungs- und Logistikzentrums ist die größte Investition in der Firmengeschichte. Sie verschafft uns völlig neue Möglichkeiten in allen drei genannten Disziplinen und bietet uns zudem weiteres Potenzial für Wachstum. Dadurch werden wir noch innovativer, effizienter und produktiver.

ElektroWirtschaft: Welche Produkte stehen aktuell im Fokus? Mit Alarm Connect stellten Sie eine Funk-Alarmanlage für die intelligente Vernetzung von Sicherheits- und Gebäudetechnik vor. Welches Potenzial sehen Sie in diesem Geschäftsfeld?

Dominik Marte: Der Markt für Sicherheitsprodukte ist stark wachsend und Kunden fragen entsprechend vermehrt Produkte aus dem Segment Sicherheit nach. Dem tragen wir Rechnung. Das Sicherheitssystem Alarm Connect setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen: der Alarmzentrale Connect, der Funk-Bedieneinheit, Glasbruch- und Bewegungsmeldern, Magnetkontakten für Fenster und Türen sowie Sirenen für Innen und Außen. So sind alle Schwachstellen im Haus und Außen zuverlässig vor Einbruch und Sabotage geschützt. Alarm Connect ist seit Oktober 2019 lieferbar. Nun nähern wir uns mit großen Schritten der Light + Building vom 08. – 13. März, die dieses Jahr unter dem Motto „Connecting.Pioneering.Fascinating.“ stehen wird. Ich freue mich sehr auf diese, für mich erste Leitmesse und kann versprechen, dass wir sowohl auf der Produkt-, als auch Vermarktungsseite Neuheiten und Weiterentwicklungen präsentieren werden, die das „Motto“ bedienen.

Bernd Firmenich, Markus Halbig, Dominik Marte und Harald Rode (v.l.)
Bernd Firmenich, Markus Halbig, Dominik Marte und Harald Rode (v.l.)
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