Im Interview mit der ElektroWirtschaft sprechen Ferdinand Schlutius, Leitung des Vertriebs Großhandel Deutschland und Österreich bei ABL, und Eduard Schlutius, CEO Sales der emonvia GmbH, über die Vorteile und Ziele der Zusammenarbeit, die Bedeutung der Kombination aus Soft- und Hardware, sowie über die Kernzielgruppe von ABL Bundle.
ElektroWirtschaft: emonvia ist ein noch junges Start-up Unternehmen im Bereich der Elektromobilität. Was sind die Ziele? Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit ABL?
Eduard Schlutius: emonvia ist ein junges agiles Unternehmen, das es sich zum Ziel gesetzt hat, Elektromobilität so unkompliziert wie möglich verfügbar zu machen, sodass jeder die Möglichkeit hat, Betreiber von Ladeinfrastruktur zu werden. Dafür haben wir unseren Fokus speziell auf Software ausgerichtet, wodurch wir eine enorme Geschwindigkeit in der Entwicklung erreichen. Ladeinfrastruktur kann man softwareseitig jedoch nicht unendlich skalieren, da auch die mechanischen Komponenten der Ladestation zu beachten sind.
Die Zusammenarbeit mit ABL ist ein großer Vorteil, denn als traditioneller Hersteller elektromechanischer Komponenten gewinnen wir dort einen tiefen Einblick in die Hardware und werden in Produktionsprozesse so eingebunden, dass unser Back-End nach der Herstellung der Wallboxen schon Teil des Systems ist.
ElektroWirtschaft: Warum ist für ABL die Kombination von Hard- und Software in einem Produkt so wichtig?
Ferdinand Schlutius: Durch digitale Lösungen können elektromechanische Produkte, in unserem Fall Ladestationen, in ihrer Funktion unterstützt und aufgewertet werden. Das Back-End-System von emonvia gibt ABL die Möglichkeit, den Kunden zusätzliche Funktionen anzubieten, wie etwa Abrechnung der Ladevorgänge, Energiemanagement, Remote Updates und Fernwartung. Für ABL ist es wichtig, sich mit digitalen Produkten auseinanderzusetzten, da somit neue Geschäftsbereiche erschlossen werden können. So schaffen wir Platz für eine innovative Zukunft.
ElektroWirtschaft: Was zeichnet Bundle aus?
Eduard Schlutius: Wir nutzen die jeweiligen Kernkompetenzen der beiden unabhängigen Unternehmen und verknüpfen Hardware und Software in der Produktion. Der Kunde profitiert von doppelter Expertise und erhält das gesamte System aus einer Hand. Schon während der Produktion werden beide Komponenten getestet, die SIM Karte eingelegt und der QR Code angebracht. So vorkalibriert, wird das Produkt dann anschlussfertig ausgeliefert.
ElektroWirtschaft: Wird Bundle ausschließlich über den dreistufigen Vertriebsweg angeboten?
Ferdinand Schlutius: Ja, da die Beschaffung und Koppelung beider Komponenten kompliziert und fehlerbehaftet war, wurde Bundle speziell für den dreistufigen Vertrieb entwickelt.
ElektroWirtschaft: Welche Kernzielgruppe wollen Sie mit Bundle ansprechen?
Ferdinand Schlutius: Bundle zielt vorrangig auf den Elektrogroßhandel und seine Kunden ab. Warum? Weil der Elektrogroßhandel und das Elektrohandwerk als deutsche Institution ausschlaggebend für den lückenlosen Ausbau der Ladeinfrastruktur sind. Denn durch die zwei verschiedenen Ausführungen Bundle Live und Bundle Pro können wir spezifisch auf die unterschiedlichen Anwendungsfälle eingehen. Bundle Live ist auf unbekannte, nicht wiederkehrende Nutzer ausgelegt, wie es bei Hotels oder Parkhäusern der Fall ist. Bundle Pro dagegen ist auf die Bedürfnisse von regelmäßigen, bekannten Nutzern, wie Unternehmen, ausgelegt. Da das Backend für viele ein unbekanntes Terrain ist, bieten wir mit dem Backend Basic ein Einsteiger-Produkt an, welches Grundfunktionen wie Remote Updates bietet und zu jeder Zeit auf Live und Pro hochgestuft werden kann. Mit den verschiedenen Produkten können der Elektrogroßhandel und das Elektrohandwerk für jeden Anwendungsbereich die passende Lösung anbieten.
ElektroWirtschaft: Welche Vorteile bringt das Produkt für das Fachhandwerk? Bieten Sie spezielle Schulungen an?
Ferdinand Schlutius: Die Inbetriebnahme der ABL Bundles ist intuitiv und nach nur drei Schritten erledigt. Da die Bundles vorkonfiguriert sind, muss keine aufwendige Programmierung vor Ort durchgeführt werden. Nach der Installation durch den Elektroinstallateur erfolgt nur eine kurze Registrierung des neuen Betreibers der Ladeinfrastruktur. Danach können die Stromtarife individuell für die jeweiligen Nutzergruppen festgelegt werden, und schon ist die Ladeinfrastruktur einsatzbereit.
ElektroWirtschaft: Wie profitiert der Endanwender?
Ferdinand Schlutius: 1. Verwaltung individueller Nutzergruppen: Die intelligente Software von emonvia ermöglicht diversen Nutzergruppen einen Zugang. Durch die zahlreichen Abrechnungsmöglichkeiten können sowohl wiederkehrende, zahlungspflichtige Nutzer wie Mitarbeiter oder Mieter, als auch wiederkehrende, nicht zahlungspflichtige Nutzer wie Poolfahrzeuge oder Dienstwagen an den Wallboxen laden. Auch für Kunden und Gäste können die Ladestationen freigegeben werden. In jedem Fall werden Zugangsberechtigungen und Tarife frei gewählt. Die Abrechnung erfolgt stets automatisiert und ohne Zutun des Ladestationsbetreibers.
2. Möglichkeit zur modularen Erweiterung: Mit unseren Produkten wollen wir die Kunden auf die Mobilitätswende vorbereiten. Durch die modulare Erweiterbarkeit der Bundle lassen sich weitere Ladepunkte einfach und ohne großen Aufwand angliedern. So ist die Gesamtlösung für Ladeinfrastrukturen fast jeder Größe geeignet und kann flexibel auf Wachstum reagieren. Dabei gibt es keine Fixpreise, der Kunde zahlt nur, was er auch wirklich verbraucht hat.
3. Eigenständiger Betrieb der Ladeinfrastruktur: Nach Registrierung und Einrichtung der Tarife läuft das Produkt im Hintergrund und verursacht keine weitere Arbeit. Einmal monatlich erhält der Betreiber eine Sammelrechnung und die Fahrer eine individuelle Rechnung für ihre Ladevorgänge. Die Monitoring- und Managementfunktionen des Ladeportals können zudem bei Interesse genutzt werden, um Ladelasten zu verfolgen und Einnahmen im Blick zu behalten.
ElektroWirtschaft: Wie können Flottenbetriebe von Bundle profitieren?
Eduard Schlutius: In unserem Fall sind Flottenbetreiber ein Teil der Endanwender, von denen vorher gesprochen wurde.
ElektroWirtschaft: Liegt in der Einfachheit der Systeme ein Schlüssel zum Erfolg für den Durchbruch der Elektromobilität?
Eduard Schlutius: Ja, sogar ein Wesentlicher, weil wir mit einem unkomplizierten System das unbedingt notwendige, flächendeckende und dezentrale Netz an Ladestationen ermöglichen. Dabei dürfen aber die Fahrer auf keinen Fall vergessen werden. Denn nur, wenn es für diese eine Verbesserung beim Ladevorgang gibt, werden sie das System auch akzeptieren.








