Komplexität und Schnittstellen sind kein exklusives Problem der Bauwirtschaft. Doch andere Branchen haben längst belastbare Prozesse etabliert. Was sich daraus lernen lässt – und welche Rolle der Elektrofachgroßhandel dabei spielen kann.
Wer in der Bauwirtschaft unterwegs ist, kennt das Bild: Jeder Beteiligte, jedes Gewerk arbeitet nach bestem Wissen – und am Ende stehen trotzdem Verzögerungen, Nachträge und eine Schuldfrage, die niemand beantworten kann. Die Ursache liegt selten darin, wie einzelne Personen handeln, sie liegt vielmehr in der Art, wie Bauprojekte organisiert sind. Denn Bauen ist in Deutschland nach wie vor in überwältigendem Maße fragmentiert. Die Leistungsphasen der HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure) trennen Planung und Ausführung sauber voneinander, dazu kommt eine über Jahrzehnte gewachsene Kultur des „Fingerpointings“. Das Ergebnis: Nicht der Gesamtprojekterfolg steht im Vordergrund, sondern die Absicherung der eigenen Position. Einen Vorwurf kann man den Beteiligten kaum machen. Das System belohnt die Optimierung des eigenen Auftrags, nicht den Projekterfolg. Zusätzliche Aufwände werden über Nachträge kompensiert, die Folgen trägt häufig der Bauherr. Die Konsequenzen sind sichtbar: Während die Arbeitsproduktivität im verarbeitenden Gewerbe seit 1990 um mehr als 80 Prozent gestiegen ist, sank sie am Bau um über 20 Prozent.
Maximale Abhängigkeit, kein gemeinsames Ziel
Organisatorisch gibt es also kein gemeinsames Ziel, doch inhaltlich hängen die Gewerke maximal voneinander ab, ob auf der Baustelle oder in der Vorfertigung. Konkretes Beispiel: Findet ein Elektrobetrieb Durchbrüche vor, die zwanzig Zentimeter neben der Planung liegen, zahlt er mit zusätzlichem Arbeitsaufwand für den Fehler eines anderen. Die anfallenden Mehrkosten holt er sich über den Nachtrag zurück. Für das einzelne Gewerk funktioniert das System, für den Bauherrn nicht.
Den gesamten Beitrag finden Sie in der neue Ausgabe der ElektroWirtschaft: 10/2026.








