„Kühlung muss mitgedacht werden“

Hitzewellen werden häufiger und intensiver. Doch viele Gebäude sind darauf noch immer nicht vorbereitet. Im Interview erklärt Heiko Wöhrle, Teamleiter im Ingenieurbüro Hausladen und Mitautor einer Studie des Umweltbundesamtes zum sommerlichen Wärmeschutz, warum Kühlung heute integraler Bestandteil der Planung sein muss, welche Rolle moderne Gebäudetechnik spielt und wo Kommunen jetzt handeln sollten.

Herr Wöhrle, Sie haben bereits 2023 in Ihrer Studie darauf hingewiesen, dass selbst die damals verfügbaren Klimamodelle die tatsächliche Erwärmung womöglich unterschätzen. Nach den Hitzewellen in Deutschland und in weiten Teilen Europas in diesem Sommer: Fühlen Sie sich durch die Realität bestätigt?

Heiko Wöhrle: Leider fühlen wir uns sehr bestätigt. Schon 2023 haben wir gesehen, dass die Zukunftsklimadaten, die uns für die Planung von Gebäuden zur Verfügung stehen, die extremen Sommer eher unterschätzen. Was im Klimadatensatz für 2045 abgebildet ist, entspricht heute bereits den aktuellen Hitzewellen. Das ist die traurige Wahrheit. Das wurde auch im Forschungsprojekt mit dem Deutschen Wetterdienst diskutiert. Dort legt man großen Wert auf eine valide Datenbasis, weshalb neue Klimadatensätze entsprechend lange dauern. Das führt dazu, dass wir für die Zukunft eigentlich keine geeigneten Planungsgrundlagen haben. Mit den aktuellen Zukunftsdaten können wir im Grunde für das heutige Klima planen. Um in 20 Jahren wirklich resiliente Gebäude zu haben, müssen Planer deshalb mit Sicherheitsfaktoren arbeiten, wenn sie überhaupt mit Zukunftsdaten rechnen. Vorgeschrieben ist das bisher nicht. Vorausschauende Planer machen das freiwillig, konservative Planer rechnen dagegen nach den geltenden Normen und somit häufig noch mit veralteten Klimadaten.

Wo sehen Sie heute die größten Defizite beim sommerlichen Wärmeschutz – eher in den gesetzlichen Vorgaben, in der Planung oder in der Umsetzung?

Heiko Wöhrle: Die größten Defizite liegen in der Kombination aus mangelnden Vorgaben und den daraus resultierenden Planungen. Die bisherigen Anforderungen an den sommerlichen Wärmeschutz zielten vor allem darauf ab, eine Klimatisierung oder Kühlung von Gebäuden zu vermeiden. Das ist heute bei Gebäuden mit hohen internen Lasten nicht mehr tragfähig. Wenn entsprechende Komfortansprüche bestehen, muss Kühlung mitgedacht werden. Die Verordnung zielt aber nach wie vor auf Vermeidung statt auf eine sinnvolle Gestaltung der erforderlichen Kühlmaßnahmen ab. Dadurch entstehen Fehlplanungen, etwa wenn Gebäude einseitig auf den sommerlichen Wärmeschutz optimiert werden. Entscheidend ist deshalb, das richtige Maß zu finden und nicht allein auf Kühlungsvermeidung zu setzen, sondern die Gesamtenergieeffizienz im Blick zu haben – idealerweise auf Basis zukünftiger Wetterdatensätze.

Das gesamte Interview sowie weitere Beiträge zum Thema Hitzeschutz in Städten und Gebäuden finden sie ab dem 20. August in der neuen Ausgabe der ElektroWirtschaft.

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