ZVEI fordert Nachschärfungen beim Netzpaket

Sarah Bäumchen, ZVEI-Geschäftsführerin, sagt zu den überarbeiteten Entwürfen von Netzpaket und EEG-Novelle:

„Der überarbeitete Entwurf des Netzpakets setzt mit einer besseren Synchronisation von Erzeugung, Speichern und Verbrauch mit dem Netzausbau sowie einer grundlegenden Reform der Netzanschlussverfahren nach wie vor die richtigen Ziele. Aber auch in dieser Form wird das Netzpaket der weiteren Elektrifizierung in Deutschland leider nicht den nötigen Schub geben.“

„Die Abkehr vom starren Redispatchvorbehalt ist richtig. Der aktualisierte Entwurf verbessert die wirtschaftliche Kalkulierbarkeit in zentralen Punkten – etwa durch die Anhebung der Redispatch-Schwelle auf fünf Prozent der jährlichen Wirkleistungserzeugung, die Deckelung des Entschädigungsverzichts auf 20 Prozent des Jahresertrags und die technologiespezifische Ausweisung von Engpassgebieten.“

„Durch den Redispatchvorbehalt werden aber auch weiterhin strukturelle Versäumnisse beim Netzausbau einseitig auf die Anlagenbetreiber abgewälzt – auch bei gedeckeltem Entschädigungsverzicht. Damit wird die systemwidrige Logik ‘Anlage folgt dem Netz’ zementiert. Zudem bleibt immer noch fraglich, ob ein ‘Anschluss nur gegen Verzicht’ mit EU-Recht vereinbar ist.“

„Wir teilen unbedingt das Ziel von mehr Effizienz in der Energiewende. Aber nicht durch pauschale Ausbaugrenzen bei erneuerbaren Energien. Entscheidend ist die effizientere Nutzung bestehender Kapazitäten, etwa durch gemeinsame Netzanschlüsse für Wind, Solar und Speicher. Was wir brauchen, ist mehr Ausbau und mehr Digitalisierung der Stromnetzinfrastruktur – nicht eine sich gegenseitig verschärfende Drosselung beim Ausbau von Erneuerbaren, Speichern und Netzen.“

„Der Flaschenhals Netzanschlussverfahren wird auch mit dem überarbeiteten Netzpaket nicht ausreichend aufgelöst. Richtig ist: Es braucht mehr Transparenz über Kapazitäten im Verteilnetz sowie bundesweit einheitliche, digitalisierte Verfahren. Das muss über eine zentrale Plattform erfolgen, die alle Netzebenen umfasst – statt in mehr als 850 möglichen Einzellösungen zu münden. Gleiches gilt für verbindliche Standards und Verfahren zur Priorisierung von Netzanschlussbegehren – und zwar im Übertragungs- wie im Verteilnetz.“

EEG-Novelle setzt wichtige Impulse für bessere Integration von erneuerbaren Energien

„Der Anteil erneuerbarer Energien am Strommix wächst. Die EEG-Novelle setzt daher zur richtigen Zeit wichtige Impulse, um Erzeugung und Verbrauch zeitlich besser zu verzahnen. Bei der Synchronisation von regulatorischen Pflichten und technischer Marktreife besteht jedoch weiter Nachholbedarf.“

„Zwei Punkte sind positiv hervorzuheben: Erstens, der Verzicht auf den ursprünglich geplanten Vergütungsstopp unmittelbar nach Einbau intelligenter Messsysteme – digitale Steuerungstechnik wird damit nicht länger künstlich ausgebremst. Zweitens die Einführung einer 36-monatigen Übergangsfrist für die Umstellung auf Direktvermarktung bei kleinen Aufdach-PV-Anlagen. Das verhindert vermeidbare Marktrisiken, die aus derzeit noch unzureichenden Markt- und Kommunikationsprozessen resultieren.“

„Kritisch sieht der ZVEI die Einspeisebegrenzung von 50 Prozent der installierten Leistung für Solaranlagen bis 100 kW. Statt einer solchen starren Kappungsgrenze sollten besser marktorientierte Anreize für den Einsatz von Speichern und netzdienlicher Steuerung umgesetzt werden.“

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