„Ich bin Unternehmer und kein Unterlasser“

Mit dieser Haltung führt Dr. Philipp Dehn das Familienunternehmen Dehn in vierter Generation. Im Interview mit der ElektroWirtschaft spricht er über die Erfolgsfaktoren langlebiger Unternehmen, den Transformationsdruck auf den Mittelstand, die Chancen von künstlicher Intelligenz und die Rolle der Elektrobranche bei der Energiewende.

Herr Dehn, Dehn feierte 2025 sein 115-jähriges Bestehen. Was macht ein Familienunternehmen über mehr als ein Jahrhundert hinweg erfolgreich und zukunftsfähig?

Dr. Philipp Dehn: Wenn ich es knapp zusammenfassen soll, sind es vor allem Geradlinigkeit, Veränderungsbereitschaft und Langfristigkeit. Ich habe im Konzern, in der Beratung und jetzt in einem Familienunternehmen gearbeitet. Eine große Stärke von Familienunternehmen ist, dass man nicht bei jeder kurzfristigen Schwankung sofort den Kurs ändert. Wenn man von etwas überzeugt ist, kann man es konsequent verfolgen. Zweitens ist die Bereitschaft zur Veränderung wichtig. Ich sage immer: Ich bin Unternehmer und kein Unterlasser. Wer Veränderungen nur aussitzt, wird auf Dauer keinen Erfolg haben. Sonst gäbe es Dehn heute nicht seit 115 Jahren. Hinzu kommt, dass wir in einer Branche arbeiten, die immer wichtiger wird. Ohne Strom läuft kein Rechenzentrum, keine Elektromobilität und auch keine Digitalisierung. Und schließlich gehört auch ein gelungener Generationenwechsel dazu. Den haben mein Vater und ich gut hinbekommen. Das ist ein wichtiger Baustein für die Zukunftsfähigkeit eines Familienunternehmens.

Viele mittelständische Familienunternehmen stehen aktuell unter enormem Transformationsdruck. Was bedeutet Transformation konkret für Dehn?

Dr. Philipp Dehn: Transformation hat für mich aktuell vier Treiber. Erstens die Geopolitik: Nach Jahrzehnten relativer Stabilität müssen Unternehmen heute deutlich schneller auf Krisen und Veränderungen reagieren. Zweitens verändert sich das klassische Exportmodell. Viele Märkte erwarten inzwischen, dass Entwicklung und Produktion vor Ort stattfinden. Wer international erfolgreich sein will, muss sich vom Exporteur zum Global Player entwickeln. Drittens steigt der Kostendruck bei begrenztem Wirtschaftswachstum. Deshalb müssen Unternehmen ihre Strukturen und Prozesse kontinuierlich anpassen. Viertens beschleunigt die Digitalisierung den Wandel enorm. Technologien wie KI verbreiten sich in kürzester Zeit und verändern die Arbeitswelt grundlegend. Diese Entwicklungen erzeugen einen brutalen Transformationsdruck. Die Herausforderung besteht darin, das richtige Tempo zu finden. Wer zu langsam ist, verliert den Anschluss. Wer zu schnell vorangeht, riskiert, die Menschen im Unternehmen zu überfordern.

Das gesamte Interview finden Sie in der neuen Ausgabe der ElektroWirtschaft: 07/2026.

Print Friendly, PDF & Email

Comments are closed.