Fraunhofer-Studie zeigt: Gas hat keine Zukunft, da Preise der Energieversorger schon 2045 nicht mehr wettbewerbsfähig sind.
Im Mai hatte das Bundeskabinett beschlossen, die Regelungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) aufzuheben, die den Einbau von mit fossilen Brennstoffen betriebenen Heizungen einschränken (65-Prozent-Regelung). Das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) – so der Name für das novellierte GEG – würde Immobilieneigentümern wieder mehr Wahlfreiheit bei der Heiztechnik geben. So ist demnach der Einbau neuer Gas- und Ölheizungen wieder erlaubt; eine sogenannte Biotreppe soll dafür sorgen, dass künftig mehr grüne Gase – so zum Beispiel Biomethan – oder -öl zum Einsatz kommen.
Eine Studie des Fraunhofer Instituts für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung (IFAM) für das Umweltinstitut München e.V. zeigt allerdings: Trotz der Rückkehr zu Gas (und Öl) und der damit verbundenen Einführung der Biotreppe steht das Gasversorgungsnetz in Deutschland vor großen Herausforderungen.
Preisentwicklung bei Gas fördert Umstieg auf Wärmepumpen
Hintergrund ist, dass sich aufgrund des zu erwartenden Anstiegs der Gaspreise in den kommenden Jahren voraussichtlich immer mehr Immobilieneigentümer für eine Wärmepumpe entscheiden oder einem kommunalen Wärmenetz anschließen werden. Wärmepumpen verzeichnen bereits jetzt ein stabiles Wachstum. Zu der Entscheidung trägt bei, dass selbst der niedrigste prognostizierte Biomethan-Preis die Zahlungsbereitschaft der Kunden übersteigt. Aktuelle Preisprognosen für Strom und Biomethan, so die Autoren der Studie, zeigten „dass der Betrieb von Gasheizungen und Gasnetzen bis spätestens 2045 mit erheblichen wirtschaftlichen Risiken verbunden ist.“ Der Kipppunkt kann schon vor diesem Zeitpunkt erreicht werden!
Gasnetze: weniger Kunden, höhere Kosten
Für die Gasnetzbetreiber bedeutet das zu erwartende Szenario: Die Auslastung der Gasnetze wird sinken. Die Netze für deutlich weniger Kunden zu betreiben, erhöht wiederum die Kosten, was sich letztlich auf die Netzentgelte und damit auf die Gaspreise niederschlagen wird. Weil eine zurückgehende Zahl von Kunden weiterhin am Gasnetz hängt, können zudem ineffiziente Investitionen notwendig werden. Auch auf eine weitere drohende Gefahr weisen die Wissenschaftler hin: Kündigen die Netzbetreiber die Stilllegung von Gasnetzen zu spät an, besteht, die Gefahr, dass Haushalte bezüglich der künftigen Wärmeversorgung eine falsche Entscheidung treffen.
Die Fraunhofer-Forscher warnen Immobilieneigentümer daher davor, aufgrund der verlockenden Wahlfreiheit beim GModG Fehlinvestitionen bei der Wärmeversorgung zu tätigen und in eine Wärmeversorgung zu investieren, die sich als Auslaufmodell erweist. In Richtung der Politik lautet die klare Botschaft der Studie: Die Gefahr von Fehlinvestitionen auf Seiten von Verbrauchern und Energieversorgern verteuert auch die Wärmewende unnötig.
Quelle: Fraunhofer Instituts für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung (IFAM) / Umweltinstitut München e.V. / ZVEH








