Der Energiepreisschock, der durch den Iran-Krieg ausgelöst wurde, wird laut Angaben des ifo-Instituts die Inflationsrate in Deutschland im zweiten Quartal 2026 auf 2,9 Prozent steigen lassen und den privaten Haushalten Kaufkraft entziehen. Zwar wird in dieser Prognose unterstellt, dass die Energiepreise allmählich wieder sinken. Da sie aber längere Zeit spürbar höher liegen werden als vor Ausbruch des Krieges, werden die Unternehmen die gestiegenen Energiekosten weitergeben. Im Jahresdurchschnitt wird die Inflationsrate voraussichtlich bei 2,8 Prozent im Jahr 2026 und bei 2,9 Prozent im Jahr 2027 liegen. Während im laufenden Jahr der Anstieg der Energiepreise die Inflation dominiert, macht sich im kommenden Jahr vor allem die verzögerte Weitergabe der höheren Energiekosten in der Kerninflationsrate bemerkbar. Der Anstieg der Verbraucherpreise ohne Energie wird von durchschnittlich 2,4 Prozent im Jahr 2026 auf 2,8 Prozent im Jahr 2027 steigen.
Insgesamt dürfte der Energiepreisschock die Erholung in Deutschland dämpfen, sie aber nicht vollständig zum Erliegen bringen. Dafür sorgt der erheblich expansive Kurs der Finanzpolitik. Zwar werden in der vorliegenden Prognose keine Maßnahmen zur Kompensation des Kaufkraftentzugs, wie etwa ein Tankrabatt, unterstellt. Aber die kräftige Ausweitung der Neuverschuldung für Verteidigung, Infrastruktur und Klimaschutz erhöht die Staatsausgaben und stützt vor allem Unternehmen der Verteidigungsindustrie und des Tiefbaus. Im Großteil des Verarbeitenden Gewerbes bleibt die Lage dennoch verhalten. Zwar mehren sich die Hinweise darauf, dass die Exporte ihre Talsohle durchschreiten und sich im Jahresverlauf etwas festigen. Gleichwohl gehen vom Auslandsgeschäft vorerst nur geringe Impulse aus. So lasten neben der US-Zollpolitik auch die gestiegenen Energiepreise und die damit verbundene Unsicherheit auf den deutschen Ausfuhren. Daher werden sich die inländischen Unternehmensinvestitionen wohl nur allmählich erholen. Zusätzlich werden sie, wie auch die Wohnbauinvestitionen, durch die strafferen Finanzierungsbedingungen gebremst.
Alles in allem dürfte das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt in Deutschland im Jahr 2026 um 0,6 Prozent und im Jahr 2027 um 0,9 Prozent zunehmen, nachdem die Wirtschaftsleistung im Vorjahr mit einem Anstieg von 0,2 Prozent kaum mehr als stagniert hat. Dabei wird der Anstieg der Wirtschaftsleistung im laufenden und im kommenden Jahr durch die hohe Anzahl an Arbeitstagen um 0,2 bzw. 0,1 Prozentpunkte überzeichnet. Im Vergleich zum Herbstgutachten 2025 haben die Institute damit ihre Prognose für das laufende Jahr deutlich um 0,6 Prozentpunkte und für das kommende Jahr um 0,4 Prozentpunkte nach unten revidiert.
Weltwirtschaft
Die Weltwirtschaft wird im Frühjahr 2026 von einem kräftigen Energiepreisschock getroffen. Der militärische Konflikt im Persischen Golf hat mit der Straße von Hormus einen der zentralen Transportkorridore der globalen Energieversorgung weitgehend blockiert. Da in dieser Region jeweils rund ein Fünftel der weltweiten Rohölförderung und LNG-Produktion konzentriert ist, haben die eingeschränkten Transportkapazitäten zu einem deutlichen Anstieg der Energiepreise und zu erhöhter Volatilität an Rohstoff- und Finanzmärkten geführt. Der Preis von Erdöl der Sorte Brent übersprang die 100-US-Dollar-Marke; im Januar hatte er noch bei 65 US-Dollar gelegen. Gleichzeitig verdoppelte sich der Gaspreis in Europa (Dutch TTF) zwischenzeitlich auf 60 Euro je MWh. Die Institute gehen in ihrer Prognose davon aus, dass die Straße von Hormus im Lauf des zweiten Quartals wieder voll passierbar wird und dass im zweiten Halbjahr die Exporte von Öl und Flüssiggas aus der Region nach und nach wieder an das Vorkriegsniveau herankommen. Im Einklang mit den Terminmarktnotierungen wird unterstellt, dass die Energiepreise zwar ab dem Sommer wieder sinken, aber am Ende des Prognosezeitraums noch spürbar höher liegen als vor Ausbruch des Krieges.
Unter solchen Bedingungen sind die Auswirkungen des Konflikts auf die weltweite Teuerung zwar deutlich spürbar, aber nicht drastisch, und der Dämpfer für die weltweite Produktion ist begrenzt und vorübergehend. Ab dem zweiten Halbjahr 2026 dürfte das Expansionstempo wieder zunehmen, auch weil der Energiepreisschock auf eine Weltwirtschaft trifft, die sich in den vergangenen Jahren als bemerkenswert robust erwiesen hat. So expandierte trotz deutlich erhöhter US-Zölle die globale Produktion im Jahr 2025 mit nahezu unverändertem Tempo. Dazu trugen auch Impulse aus dem Technologiesektor bei, welcher sich zunehmend als zentraler Treiber der Weltkonjunktur erweist. Davon profitieren neben den USA die fortgeschrittenen asiatischen Volkswirtschaften, insbesondere Taiwan und Südkorea. Da zugleich die Finanzpolitik in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften überwiegend leicht expansiv ausgerichtet ist, sind die Voraussetzungen für eine Fortsetzung der robusten weltwirtschaftlichen Expansion weiterhin gegeben.
Alles in allem erwarten die Institute Zuwachsraten der Weltproduktion von jeweils 2,5 Prozent in den Jahren 2026 und 2027. Der Krieg im Nahen Osten wird die wirtschaftliche Aktivität dabei vor allem in der ersten Jahreshälfte 2026 belasten. Das Jahresergebnis dürfte dadurch um etwa 0,3 Prozent gedrückt werden. Damit revidieren die Institute ihre Prognose gegenüber dem Herbst 2025 trotz der neuen Belastungen durch den Energiepreisanstieg für das Jahr 2026 um 0,2 Prozentpunkte nach oben. Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, dass die US-Zollpolitik die Weltwirtschaft weniger belastet als im Herbst erwartet, was sich auch in der höheren Zuwachsrate der Weltproduktion im Jahr 2025 äußert. Insbesondere in den USA fallen die dämpfenden Effekte offensichtlich geringer aus.








