Reformstau belastet den Großhandel: BGA drängt auf Entlastung

„Die wirtschaftliche Lage des deutschen Großhandels ist dramatisch. Ändern sich nicht endlich die politischen Rahmenbedingungen für den Mittelstand, müssen wir mit noch mehr Insolvenzen und noch mehr Arbeitsplatzverlust rechnen. Auch die Prognose für das kommende Jahr fällt schlecht aus. Die Politik ist gefordert, endlich auch den Mittelstand zu entlasten“, fordert BGA-Präsident Dr. Dirk Jandura in der Jahresauftakt-Pressekonferenz des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA).

„Die Umfrageergebnisse und der daraus resultierende BGA-Klimaindikator sprechen eine klare Sprache: Mit 70,6 Punkten steht er auf einem niedrigen Stand wie zu Coronazeiten. Unsere Unternehmen sind nicht nur von der wirtschaftlichen Lage überfordert, sie haben inzwischen keine Puffer mehr. Wenn der Staat nicht endlich die richtigen strukturellen Reformen anpackt, droht eine tiefere Krise, die besonders den Mittelstand in Deutschland gefährdet“, so der Großhandelspräsident.

Und weiter: „Unsere Unternehmen sind weiterhin enorm belastet von übermäßiger Bürokratie und Regulierung, hohen Kosten am Standort und schwacher Nachfrage. Die bisherigen Maßnahmen der Bundesregierung sind für den Mittelstand wirkungslos. Entsprechend fällt auch unsere Prognose für den Großhandel in 2026 aus, wir rechnen mit lediglich 0,7 Prozent Wachstum. Das ist näher an Stagnation als an Aufschwung.“

Die Krise frisst sich bereits in die Substanz. Viele Unternehmen hätten ihre Reserven aufgebraucht, „es gibt keinen Puffer mehr“. 2025 stiegen die Insolvenzen im Großhandel um 14 Prozent, seit Beginn der Rezession 2023 seien über 2.000 Unternehmen vom Markt verschwunden. Investitionen bleiben entsprechend selten, vielfach geht es um Ersatz, Rationalisierung und Digitalisierung. „Niemand baut neu, wenn unklar ist, ob das Fundament hält.“ Politisch attestiert der BGA dem Standort Reformstau. Die Bundesregierung erhält aus Sicht der Unternehmen im Schnitt eine 4 minus. Gefordert seien weniger neue Programme als „Maßnahmen, die den Standort verbessern“, vor allem beim Bürokratieabbau sowie bei Arbeits- und Energiekosten und bei steuerlichen Entlastungen, die im Mittelstand ankommen.

Zusätzlichen Druck sieht Jandura im außenwirtschaftlichen Umfeld. Neue Zollankündigungen für Iran aus den USA bewertet er als falschen Weg, weil sie vor allem Händler und die Bevölkerung träfen und Probleme nicht lösten. Gleichzeitig setzt er auf neue Märkte. Indien und das Mercosur-Abkommen hätten hohe Priorität, Handelsströme würden sich eher umlenken als zum Stillstand kommen.

Weitere Informationen von der BGA-Pressekonferenz finden Sie in der Ausgabe 1 der ElektroWirtschaft, die am 28. Januar 2026 erscheint.

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