Wolfgang Weber

Industrie wichtiger denn je

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird in diesen Tagen 72 Jahre alt. Am 7. April 1948 wurde sie auf dem Grundsatz gegründet, dass Gesundheit ein Menschenrecht ist und alle Menschen ein Anrecht darauf haben. Jedoch bereits seit über 100 Jahren arbeiten Wissenschaft und Wirtschaft Hand in Hand. Sie haben beeindruckende Fortschritte in der Medizin und Medizintechnik erzielt. So haben wir heute eine große Breite an Antibiotika genauso zur Verfügung wie Impfstoffe, die Krankheiten, wie zum Beispiel die Pocken, besiegt haben.

Dass ein Impfstoff gegen das neue Coronavirus, Auslöser der Erkrankung COVID-19, gefunden wird, ist ein Bestreben, das derzeit alle eint. Die Pandemie produziert individuelle wie kollektive Unsicherheit. Um die Verbreitung des Virus zu verlangsamen, hat die Bundesregierung das öffentliche und soziale Leben massiv reduziert. Längst ist absehbar, dass dies tiefe wirtschaftliche Spuren hinterlassen wird. Die Bundesregierung hat daher wichtige Unterstützungsprogramme für die Wirtschaft beschlossen.

Ich bin überzeugt, dass eine leistungsstarke und produzierende Industrie in diesen Tagen wichtiger denn je ist. Das Weniger, das für das soziale Leben gilt, darf nicht für die Industrie gelten. Um die Pandemie-Notfallpläne umzusetzen, müssen unsere Medizintechnik-Unternehmen, von denen viele Mitgliedsunternehmen des ZVEI sind, weiter produzieren können – und die Gesundheitspolitik schnellstens den Rahmen schaffen, dass die Kliniken und auch die noch zu schaffenden Behelfskliniken schnell und umfassend mit den notwendigen lebenssichernden Geräten ausgestattet werden.

Am wichtigsten sind die Maßnahmen der Akuttherapie. Wir brauchen gerade jetzt mehr Beatmungsgeräte für die intensivmedizinische Betreuung, mehr Geräte zur Diagnostik inklusive bildgebender Systeme wie Computertomographen mit sehr geringer Strahlendosis. Eine weitere Stärke der Medizintechnik ist aber auch die Früherkennung, eine zügige und zielgenaue Diagnose von Erkrankungen sowie ein begleitendes Monitoring im Behandlungsverlauf.

Aber auch auf fast alle anderen unserer Branchen kommt es in dieser schwierigen Situation an, die Automatisierer und ihr Service etwa, damit die pharmazeutische Produktion nicht ins Stocken gerät. Die Energietechnik und ihr Service beispielsweise, damit Strom auch in diesen Tagen überall sicher verfügbar ist. Technik leistet gerade in diesen herausfordernden Zeiten einen wertvollen Beitrag, um COVID-19-Patienten bei der Gesundung zu unterstützen.

Voraussetzung dafür ist, dass die Lieferketten und die Logistik gewährleistet sind und die Belegschaften weiter in die Unternehmen oder zu den Baustellen kommen können. Innereuropäische Wertschöpfungsnetzwerke jetzt zu gefährden, ist nicht der richtige Weg, um die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen und die Wirtschaft aufrecht zu erhalten. Die Industrie kann und will in dieser Situation ihren Beitrag leisten, um die Krise zu bewältigen.

Und ein abschließender Gedanke: Die Einschränkung von physischen Kontakten führt nicht automatisch zum Verlust der Solidarität. Bei der Coronakrise handelt es sich nicht um eine individuelle, sondern um eine gemeinsame Herausforderung. Das stärkt den Zusammenhalt der Menschen. Und darin liegt die größte Kraft im Kampf gegen das Virus.

Bleiben Sie gesund!

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