Die Baustelle wird digital. Das funktioniert jedoch nur, wenn Daten durchgängig fließen. BIM, OpenBIM und ETIM schaffen die Grundlage für weniger Reibungsverluste, schnellere Abläufe und eine verlässliche Planung. Entscheidend dafür ist die Datenqualität. Mit ETIM-EC und ETIM-MC werden Produkte maschinenlesbar und die neue ETIM-Cloud wird als „Single Source of Truth“ zur zentralen Drehscheibe für aktuelle, verlässliche Produkt- und Nachhaltigkeitsdaten.
Warum improvisieren wir in einer Welt von KI und Echtzeit-Logistik auf der Baustelle immer noch wie vor 25 Jahren? Während andere Branchen ihre Produktivität vervielfacht haben, stagniert das Baugewerbe. Über 70 Prozent aller Projekte reißen die Zeit- oder Budgetpläne – ein Zustand, den wir uns schlicht nicht mehr leisten können. Das Problem ist hausgemacht. Die verschiedenen Fachdisziplinen arbeiten in isolierten Datensilos. Planungsfehler werden oft erst dann entdeckt, wenn der Handwerker vor Ort nicht mehr weiterweiß. Der Informationsfluss krankt an unstrukturierten Excel-Listen, statischen PDFs und unkoordinierten Telefonaten. Missverständnisse an den Schnittstellen sind hier systemimmanent und teuer. Building Information Modeling (BIM) wird diese Strukturen aufbrechen, weil es die Fachplaner bereits in frühen Planungsphasen zur IT-basierten Kooperation zwingt. Dadurch erfolgen die Kollisionsprüfungen von Leitungen durch Algorithmen im digitalen Modell und nicht erst durch den Handwerker auf der Baustelle. Gleichzeitig entsteht mit einem gemeinsamen Projekt-Datenmodell in der Cloud eine Grundlage für alle Beteiligten, sodass Baubesprechungen und Telefonate auf ein Minimum reduziert werden.
OpenBIM oder ClosedBIM: Die strategische Richtungsentscheidung
In der strategischen Ausrichtung müssen sich Hersteller also zwischen Freiheit statt Diktat also zwischen OpenBIM und ClosedBIM entscheiden. ClosedBIM setzt auf proprietäre „Single-Vendor“- Ansätze auf Seiten der Software-Anbieter und der genutzten Datenstrukturen. Das führt zu einem gefährlichen Lock-in-Effekt, bei dem alle Beteiligten die gleiche Software nutzen müssen – die Datenhoheit geht oft verloren. OpenBIM hingegen nutzt herstellerneutrale Standards. Es bietet nahtlosen Datenaustausch, langfristige Zugriffssicherheit auf Projektdaten und eine klare Absicherung der Haftungsübergänge durch diszipliniertes Informationsmanagement.
Mehr zum Thema Building Information Modeling finden Sie in der neuen Ausgabe der ElektroWirtschaft: 02/2026.


