Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im Juli 2021

Die wirtschaftliche Erholung ist in vollem Gange: In den Dienstleistungsbereichen hat das Geschäftsklima seinen Aufwärtstrend der letzten Monate fortgesetzt und übertraf im Juni erstmals das Vorkrisenniveau. Auch in der Industrie hat sich die Stimmung weiter verbessert, wenngleich Lieferengpässe bei Vorprodukten für leichte Dämpfer bei den Erwartungen sorgen. Insgesamt ist die deutsche Wirtschaft auf Erholungskurs.

In der bisher sehr robusten Industrie kann es allerdings in einzelnen Branchen zu einer schwächeren Entwicklung kommen, die auch über die kommenden Monate anhalten dürfte. Die seit längerem bekannte Materialknappheit etwa bei Halbleitervorprodukten manifestiert sich nun in entsprechenden Produktionsrückgängen, vor allem in der gewichtigen Automobilindustrie. Die Gründe für die zuletzt wieder rückläufige Produktion liegen somit aber nach wie vor auf der Angebotsseite und nicht in einer schwachen Nachfrage. Dies belegen auch die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe, die im Mai zwar insgesamt rückläufig waren, aber durch eine Korrektur der in den vergangenen Monaten rasant gestiegenen Auslandsnachfrage getrieben waren. Die Auftragseingänge aus dem Inland hingegen stiegen weiter an und belegen eine robuste Nachfrage im Inland. Auch die Stimmung unter den deutschen Exporteuren ist weiterhin sehr gut, ihre Erwartungen haben sich im Juni von hohem Niveau aus noch einmal deutlich verbessert. Die deutschen Warenausfuhren legten im Mai mittlerweile im dreizehnten Monat in Folge zu und liegen seit März über ihrem Vorkrisenniveau (durchschnittlicher Wert im vierten Quartal 2019). Ähnlich verhält es sich mit der globalen Industrieproduktion und dem Welthandel, die erneut jeweilige Höchststande oberhalb des Vorkrisenniveaus erreichten.

Der im vergangenen Monat begonnene Neustart im Dienstleistungssektor setzt sich fort und führte zu einer weiteren deutlichen Verbesserung des Geschäftsklimas in nahezu allen Einzelbereichen. Die Umsätze im Einzelhandel legten im Mai deutlich zu und das GfK Konsumklima stieg im Juni auf den höchsten Stand seit August 2020. Vor dem Hintergrund der positiven pandemischen Entwicklung wird für Juli eine weitere Besserung erwartet. Diese Entwicklungen werden auch auf dem Arbeitsmarkt von positiven Signalen begleitet. Hier ist ebenfalls mit einer Fortsetzung der Erholung zu rechnen. Nach dem BIP-Rückgang im ersten Quartal dürfte die insgesamt günstige konjunkturelle Lage im zweiten Quartal wieder zu einem spürbarem Wachstum geführt haben, das sich in der zweiten Jahreshälfte erst einmal weiter verstärken dürfte. Die bisher noch nicht abschließend geklärte Gefahr aufkommender neuer Virusmutationen und ihr Einfluss auf das Infektionsgeschehen stellen hierbei allerdings die größte Unwägbarkeit für den weiteren Verlauf der wirtschaftlichen Entwicklung dar.

Positiver Ausblick für Weltkonjunktur

Die Weltkonjunktur befindet sich weiter auf Erholungskurs. Die globale Industrieproduktion stieg wie schon im März im April um 0,2 Prozent gegenüber dem Vormonat. Das Welthandelsvolumen liegt bereits wieder über dem Vorkrisenniveau und legte im April um 0,5 Prozent weiter zu. Die Stimmungsindikatoren zeichnen ebenfalls ein positives Bild der weltwirtschaftlichen Lage. Der zusammengesetzte Einkaufsmanagerindex von J. P. Morgan/IHS Markit sank im Juni um 1,9 Punkte auf 56,6 Punkte. Vorher hatte er jedoch vier Monate in Folge Zuwächse verzeichnet. Er bewegt sich nach wie vor merklich oberhalb der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Der aktuelle Dämpfer dürfte im Industriebereich durch die anhaltende Knappheit von Vorleistungsgütern geprägt sein. Im Dienstleistungsbereich hat womöglich die zunehmende Verbreitung der ansteckenderen Delta-Variante des Coronavirus für einen Stimmungsdämpfer gesorgt.

Exporte stabil, Importe legen kräftig zu

Der deutsche Außenhandel legt nach der Krise weiter zu. Der Wert der Waren- und Dienstleistungsexporte stieg im Mai gegenüber dem Vormonat saisonbereinigt und nominal leicht um 0,3 Prozent an (April: +0,6 Prozent, aufwärts revidiert). Im Zweimonatsvergleich ergab sich ein deutlicher Zuwachs von 1,7 Prozent bei den Exporten. Die Importe steigerten sich im Mai kräftig um +3,1 Prozent, nachdem sie im April noch um -1,1 Prozent (ebenfalls aufwärts revidiert) gefallen waren. Im Zweimonatsvergleich kam es zu einem Plus von 3,3 Prozent.

In den Frühindikatoren zur deutschen Außenwirtschaft spiegelt sich der dynamische Welthandel nur zum Teil wider. Die Auftragseingänge aus dem Ausland verzeichneten im Mai gegenüber April einen deutlichen Rückgang (-6,7 Prozent). Demgegenüber verbesserten sich die ifo Exporterwartungen für das Verarbeitende Gewerbe im Juni deutlich. Die Unternehmen zeigen sich so zuversichtlich wie zuletzt im Jahr 2011. Damit bleibt der Ausblick für den deutschen Außenhandel positiv, vor allem angesichts der guten Konjunktur wichtiger Absatzmärkte in Asien und den Vereinigten Staaten.

Industriekonjunktur

Die Produktion im Produzierenden Gewerbe hat sich im Mai gegenüber dem Vormonat erneut um 0,3 Prozent verringert. Die Herstellung in der Industrie sank leicht um 0,5 Prozent, nach einer Abnahme um 0,4 Prozent im April und einer Zunahme um 0,8 Prozent im März. Die Produktion im Baugewerbe hingegen verzeichnete zuletzt ein Plus von 1,3 Prozent und stabilisierte sich damit auf hohem Niveau.

Im Zweimonatsvergleich April/Mai gegenüber Februar/März erhöhte sich die Produktion im Produzierenden Gewerbe leicht um 0,6 Prozent. Während der Ausstoß in der Industrie geringfügig um 0,2 Prozent abnahm, kam es im Baugewerbe aufgrund des witterungsbedingt schwachen Februars im Zweimonatsvergleich zu einer Ausweitung um 3,1 Prozent. Innerhalb der Industrie verzeichnete der gewichtige Bereich Kfz/Kfz-Teile einen deutlichen Rückgang um 6,9 Prozent. Der ähnlich gewichtige Maschinenbau legte dagegen um 2,4 Prozent zu.

Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe sind im April spürbar gefallen (-3,7 Prozent). Damit ist es zum ersten Mal in diesem Jahr zu einem Rückgang gekommen. Ausschlaggebend war eine schwächere Auslandsnachfrage (-6,7 Prozent). Vor allem die Ordereingänge aus dem Nicht-Euroraum verringerten sich (-9,3 Prozent) und hier vorrangig im Kfz-Bereich (-14,4 Prozent). Diese Entwicklung ist als Normalisierung zu sehen gegenüber den außerordentlich hohen Steigerungsraten im April (Nicht-Euroraum: +4,0 PRozent; darunter: Kfz +10,6 Prozent). Aus dem Inland gingen 0,9 Prozent mehr Bestellungen ein.

Der Ausblick für die Industriekonjunktur insgesamt bleibt positiv, auch wenn es zuletzt bei der Industrieproduktion vor allem aufgrund von Lieferengpässen bei Halbleitern in der Automobilindustrie erneut zu einem kleinen Dämpfer gekommen ist. Das ifo Geschäftsklima im Verarbeitenden Gewerbe verbesserte sich zuletzt spürbar und erreichte den höchsten Stand seit April 2018. Auch die Stimmung unter den deutschen Exporteuren legte spürbar zu und lag auf dem höchsten Niveau seit Januar 2011. Die Auftragseingänge sind zwar im Mai deutlich gefallen, sie befanden sich jedoch aufgrund der kontinuierlichen Zuwächse in den Monaten zuvor immer noch auf hohem Niveau.

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