Auch diese neue Auflage der Messe war mit 1 585 Ausstellern und mehr als 63 000 Fachbesuchern rundum ein Erfolg. Der Zentralverband der Elektroindustrie (ZVEI) beobachtet seit 2008 ein kontinuierliches Wachstum der Automatisierung in Deutschland um 2,1 Prozent, weltweit sogar um 6,6 Prozent pro Jahr. Die deutsche Automationsbranche ist sehr exportorientiert und führt weit mehr Automatisierungsprodukte aus (12,1 Mrd. Euro) als sie importiert (6,1 Mrd. Euro). Das macht sich auch auf der Messe bemerkbar, denn oft ist Englisch die Sprache, die bei den Ausstellern dominiert,die sich auf insgesamt 17 Messehallen präsentieren.
Für das kommende Jahr 2020 allerdings prognostiziert Dr. Jan Mrosik, Vorsitzender des ZVEI-Fachverbandes Automation und Chief Officer Digital Industries von Siemens, ein Wachstum im kleinen einstelligen Bereich, denn der weiterhin ungelöste Handelskonflikt zwischen China und den USA, auch die anhaltenden Unsicherheiten Europas mit den USA, der nahende Brexit, aber auch die politischen Krisen im Nahen Osten, die Schwierigkeiten mit der Türkei und das Embargo gegen Russland können nach Meinung des ZVEI nicht ohne Wirkung bleiben. 
An Beispielen aus der Prozessautomation, dem vom ZVEI entwickelten Tool LCE (Lifecycle Evaluation) und dem Forschungsprojekt DC-Industrie (Stromversorgung industrieller Anlagen über ein smartes, offenes Gleichstromnetz), zeigte Gunter Koschnick, Geschäftsführer ZVEI Fachverband Automation, den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen auf, denn: „Innovationen aus der Automation ermöglichen es, effizient ressourcenschonend und CO2-minimiert zu produzieren.“
Welche ganzheitlichen Möglichkeiten der Produktion die Automation heute anbieten kann stellte Siemens mit dem Digital Enterprise vor. Klaus Helmich, Mitglied des Vorstands der Siemens AG und CEO Digital Industries, zeigte auf, wie man Industrie weiterdenken kann. Er ging darauf ein, dass die Anforderungen an die Kunden steigen und Umwelteffizienz genauso wichtig wird wie Produktivität, Flexibilität und Time-to-Market. Siemens verbindet in dem Digital-Enterprise die virtuelle und die reale Welt. Dazu sorgen neue Leitsysteme und Plattforminnovationen für Datendurchgängigkeit und Flexibilität über alle Schritte der Wertschöpfungskette. Sie ermöglichen, so Siemens, Skalierbarkeit vom Shopfloor bis in die Cloud und ebnen den Weg für modulare, hochflexible Abläufe in der Produktion. Dem Ziel der Industrie 4.0, Fertigungsgröße 1 zu Kosten von großen Losgrößen, kommt Siemens damit ein Stück näher. Der Trend zu flexiblen und modularen Produktionskonzepten stellt darüber hinaus Anforderungen an die drahtlose Kommunikation mit immer mehr Geräten, höherer Zuverlässigkeit und geringerer Latenz für die verkettete Automation. Dazu ist der Industrial 5G-Standard und eine zuverlässige Breitbandübertragung die Grundlage. Er lässt flexible und zukunftsfähige Netzwerkanbindungen zu, berichtete Phoenix Contact. Im 5G-Standard lassen sich erstmals private Netzwerke realisieren, denn seit November 2019 ist eine Beantragung der Frequenzen für private Netze durch die Industrie möglich.
Neben Siemens wird auch Phoenix Contact solche Frequenzen in Anspruch nehmen. Mehrere Firmen haben sich in der 5G-ACIA (Alliance for Connected Industries and Automation) zusammengefunden, um sich als offizielle, internationale Interessengruppe in der vertikalen Industrieautomation anerkennen zu lassen. Ebenso soll OPC UA zukünftig eine einheitliche Kommunikation bis ins Feld ermöglichen, wird der Kommunikationsstandard vom Sensor bis in die Cloud und bietet damit eine ideale Basis für die Industrie 4.0. Ethernet-Kommunikation bis in die Feldebene ermöglicht Single Pair Ethernet (SPE), die Zweidrahttechnologie für IP 20- und IP6x-Umgebungen sowie hohen Datenraten (bis 1Gbit/s) und mit Advanced Physical Layer für Übertragungsstrecken bis zu 1000 Meter und auch in explosionsgefährdeten Bereichen. Mit ca. 600 verschiedenen Busklemmen wartete Beckhoff auf und stellte die Entwicklung der Plattform EtherCAT G vor, die Übertragungsraten von 100Mbit/s, 1Gbit/s bis zu 10Gbit/s ermöglichen. Frost&Sullivan, Spezialist für Marktforschung und visionäre Innovationen sah die Blockchain als „Game Changer” für die gesamten Funktions- und Produktionsketten der Zukunft und prognostiziert hohe Wachstumsraten. Das wird sich bestimmt auf der kommenden SPS in Nürnberg vom 24. bis 26. November 2020 evaluieren lassen.
Dipl. Wirtschaftsingenieur Peter Respondek








