Steigende Lieferkosten belasten Handel

In den vergangenen drei Jahren, vor allem aber im letzten Jahr, sind die Transportkosten in der Logistik erheblich gestiegen. Die Gründe dafür sind zahlreich. Immer und überall lässt sich Ware online kaufen: am heimischen Rechner oder am beruflichen PC, mobil über das Smartphone – zu jeder Zeit, an jedem Ort. Die steigenden Absatzzahlen im Versandhandel, gepusht durch die Omnipräsenz des Internets, führen zu einer erhöhten Nachfrage von Transportdienstleistungen.

Diese Entwicklungen sind auch im Großhandel spürbar. Viele Handwerker nutzen die Möglichkeit, bequem online zu bestellen und nehmen diese Option auch gerne öfters wahr. Inzwischen sind sie daran gewöhnt, dass die Ware kurzfristig erhältlich ist und schnell geliefert wird.

Die steigende Nachfrage von Transportdienstleistungen stößt allerdings auf ein sich verknappendes Angebot durch den zunehmenden Fahrermangel. Denn es wird händeringend Nachwuchs gesucht – 20 Prozent der Fahrer sind bereits über 55 Jahre alt. Schon seit Längerem haben Logistiker Probleme, qualifizierte junge Fahrer zu finden. Der Fahrermangel führt zu höheren Personalkosten, um die wenigen Fahrer zu halten und zu binden. Die Personalkosten machen laut des Deutschen Speditions- und Logistikverbands rund 50 Prozent der Logistikabwicklungskosten aus. Doch das ist nur die eine Seite der Medaille, weitere Faktoren spitzen die Situation weiter zu.

„Letzte Meile“ als eine der größten Herausforderungen

Die Infrastruktur vieler deutscher Innenstädte ist schon jetzt überlastet. Der Lieferverkehr und parkende Transporter am Straßenrand stören den Verkehrsfluss und sorgen für verstopfte Straßen. Die Anzahl der Sendungen wird stetig höher und soll nach einer Studie des Bundesverbands Paket und Expresslogistik bis zum Jahre 2023 auf 4,4 Milliarden steigen. Zum Vergleich: 2018 lag dieses noch bei 3,5 Milliarden. Auf der sogenannten letzten Meile verschärft sich die Situation dadurch weiter. Es werden mehr Auslieferfahrzeuge benötigt, die von zusätzlichen Fahrern gelenkt werden. Und auch wenn der Einsatz von Drohnen, die das Paket nach Hause liefern, immer stärker in den Fokus branchenweiter Diskussionen rückt, scheint diese Möglichkeit der Zustellung zumindest in deutschen Großstädten doch noch Zukunftsvision. Aber das Interesse ist groß, und Transportdienstleister investieren in neue Technologien, um die Auslieferung der Waren zu optimieren. Dies ist kein Wunder: Ein Großteil der logistischen Serviceleistungen passiert auf der letzten Meile und macht bis zu 50 Prozent der Transportkosten aus.

CO2-Vermeidung und Dieselfahrverbote

Maßnahmen für den Klimaschutz können sich ebenfalls auf die Transportkosten auswirken, zum Beispiel Dieselfahrverbote. Auch für 2020 sind neue Umweltzonen geplant. Dadurch kann die innerstädtische Auslieferung entweder nur eingeschränkt ausgeführt werden oder aber die Unternehmen investieren in neue Maßnahmen. Hinzu kommen bereits vorhersehbare Aufwendungen für Unternehmen, um den CO2-Fußabdruck zu verringern. Grund hierfür könnten zukünftige gesetzliche Vorgaben sein, vor allem aber das Umweltbewusstsein der Kunden, die wenig umweltfreundliche Produkte, Technologien und Zulieferer zunehmend abstrafen.

Um CO2-Emissionen zu verringern bietet beispielsweise Amazon seinen Kunden künftig an, alle Bestellungen gesammelt an einem Tag in der Woche zu erhalten. De facto ist das eine Einschränkung der Serviceleistungen, aber mit zwei Effekten: geringere Auslieferungskosten und geringere CO2-Emmissionen durch die Bündelung von Bestellungen.

Transparente Darstellung der Lieferkosten sinnvoll

Die genannten Gründe, die zu steigenden Transportkosten insbesondere auf der „letzten Meile“ führen, werfen die Frage auf, ob eine kostenlose Lieferung in Zukunft noch möglich sein wird. Anbieter, die Transportkosten in die Produktpreise hineinkalkulieren können, werden vielleicht diese Option wählen. Für den Großhandel ist dies aufgrund der Vielfalt an Produkten und Sortimenten eher unwahrscheinlich. Gleiches gilt für die Transportdienstleister, deren Leistung aus der Lieferung besteht. Eine transparente Darstellung der Lieferkosten sollte im Interesse aller Beteiligten, Lieferant wie Kunde, sein. Nur bei einer einheitlichen nachvollziehbaren Beschreibung können Leistungen miteinander sinnvoll verglichen werden.

Abseits der Diskussion, ob eine Lieferung günstig oder teuer ist, sollte aber vor allem das Bewusstsein gestärkt werden, dass eine Verringerung der Anzahl von Lieferungen kostensparend und umweltschonend ist. Der oben beschriebene Ansatz von Amazon zeigt es: Wenn Lieferungen gebündelt werden können, hat das Vorteile für alle Parteien: Kunde, Lieferant – und Umwelt.

Kurz nachgefragt

Ingolf Coers, Geschäftsführer Supply Chain Sonepar Deutschland GmbH: „Steigende Transportkosten begleiten uns bereits seit mehreren Jahren. Eine Entwicklung, die sich nicht in den Artikelpreisen widerspiegeln kann. Der starke, überproportionale Anstieg, insbesondere in den letzten ein bis zwei Jahren, hat uns zum Handeln gezwungen. Wir haben unsere Kostenstrukturen überprüft und hinterfragt. Letztlich kam eine Einschränkung unserer Logistikleistung aber nicht in Frage, sondern wir haben uns ganz klar für Qualität entschieden: Unsere Serviceleistung, insbesondere die Produktvielfalt, die Verfügbarkeit und die schnelle und vollständige Lieferung wollen wir nicht verändern. Daher berechnen wir zukünftig einen Teil der Transportkosten an unsere Kunden. Die Inanspruchnahme der monatlichen Pauschale bedeutet tägliche Belieferung – sogar an mehrere Baustellen eines Kunden – für maximal 1,50 € pro Tag. Das ist aus unserer Sicht ein mehr als fairer Preis, und wir halten unsere Qualität und ­Professionalität weiter aufrecht.“

Foto: Sonepar
Foto: Sonepar
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