Gebäude der Zukunft lernen selbst, optimieren den Energieverbrauch und werden Teil vernetzter Energie- und Datenökosysteme. Zukunftsforscher Lars Thomsen erklärt im Interview, welche Rolle Künstliche Intelligenz dabei spielt und welche Chancen sich daraus für die Elektrobranche ergeben.
Herr Thomsen, wenn wir in die Zukunft blicken: Wie werden wir Gebäude im Jahr 2035 wahrnehmen – noch als Immobilie oder bereits als intelligente Dienstleistungsplattform?
Lars Thomsen: Eher das Letztere. „Dienstleistungsplattform“ klingt etwas abstrakt, doch wir werden von Gebäuden künftig mehr Mitdenken und Intelligenz erwarten. So wie wir es bei Menschen schätzen, werden auch Gebäude erkennen, wenn etwas nicht stimmt, und uns unterstützen, etwa im Alltag oder im Alter. Es wird selbstverständlich sein, dass uns Technologie aktiv begleitet, hilft und ein Stück weit zum Weggefährten wird. Ansätze davon gibt es heute schon: Ein Bügeleisen schaltet sich automatisch ab, künftig verhindert der Herd, dass die Milch überkocht, und das Gebäude optimiert selbstständig Heizung und Energieverbrauch. Mitdenkende Umgebungen werden bei Sicherheit, Energieeffizienz und Komfort ganz selbstverständlich sein. Daran werden wir uns genauso schnell gewöhnen wie damals an das Smartphone.
Künstliche Intelligenz hält derzeit in nahezu allen Lebens- und Wirtschaftsbereichen Einzug. Welche Rolle wird KI künftig in Gebäuden spielen und welche Anwendungen werden unseren Alltag am stärksten verändern?
Lars Thomsen: Das wird sich auf viele Dinge übertragen, die nicht nur im Gebäude stattfinden. Eine erweiterte Intelligenz wird zum Beispiel auch die Mobilität managen. Mit autonomen Fahrzeugen weiß das Gebäude in Zukunft, wann ein Auto vorfahren muss, oder stimmt Carsharing-Fahrzeuge, Ladevorgänge und das Energiesystem aufeinander ab. Bislang haben wir Gebäudemanagement sehr stark innerhalb der Gebäudehülle gedacht. Aber das Gebäude wird Teil eines viel größeren Systems werden – mit Schnittstellen zu Energieversorgern, Gesundheits- und Pflegediensten sowie zur kommunalen Infrastruktur. Diese Intelligenz optimiert dann nicht mehr nur das Gebäude selbst, sondern auch das Zusammenspiel mit seiner Umgebung. So kann das Gebäude Stromüberschüsse gezielt für Warmwasser oder die Wärmepumpe nutzen und mit der Solaranlage auf dem Dach selbst zum Energieerzeuger werden.
Das gesamte Interview finden Sie in der neune Ausgabe der ElektroWirtschaft: 08/2026.








