Schwammstadt-Prinzip, begrünte Dächer oder Cooling Points: Städte können sich mit einer Vielzahl von Maßnahmen gegen zunehmende Hitzewellen wappnen. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) zeigt, welche Strategien sich bereits bewähren und wo noch Handlungsbedarf besteht.
Immer häufigere und intensivere Hitzewellen belasten Städte, Gebäude und Infrastrukturen zunehmend. Besonders betroffen sind dicht bebaute Quartiere mit hohem Versiegelungsgrad und wenig Grün. Dort heizen sich Straßen und Gebäude stark auf, während die nächtliche Abkühlung ausbleibt. Laut Studien sind ältere Menschen, Kinder und chronisch Kranke besonders gefährdet.
Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) untersucht deshalb, wie sich Städte wirksam an die Folgen des Klimawandels anpassen lassen. Besonders deutlich zeigt sich der Handlungsbedarf in öffentlichen Gebäuden. Viele Krankenhäuser verfügen bislang nur teilweise über bauliche Maßnahmen gegen Hitze, Schulen kämpfen im Sommer häufig mit überhitzten Klassenräumen. Die Folgen reichen von gesundheitlichen Beeinträchtigungen und sinkender Leistungsfähigkeit bis zu einem erhöhten Unfallrisiko.
Die Stadt als Schwamm
Den Schwerpunkt legt das BBSR jedoch auf konkrete Lösungsansätze. Eine zentrale Rolle spielt das Schwammstadt-Prinzip. Durch Entsiegelung, Grünflächen und Wasserflächen speichern Städte Niederschläge, kühlen ihre Umgebung und sind zugleich besser gegen Starkregen geschützt. Auch Bäume leisten einen wichtigen Beitrag zur Kühlung – vorausgesetzt, sie werden ausreichend mit Wasser versorgt.
Neben der Stadtplanung sieht das BBSR auch bei Gebäuden großes Potenzial. Bereits einfache Maßnahmen können die Hitzebelastung deutlich reduzieren. Helle Dachoberflächen senken die Zahl überhitzter Stunden um bis zu 20 Prozent. Noch wirkungsvoller sind begrünte Dächer und Fassaden, die Temperaturunterschiede von bis zu 30 Grad bewirken können. Gleichzeitig weist das Institut darauf hin, dass solche Maßnahmen bislang sehr unterschiedlich über die Städte verteilt sind.
Erprobung in sechs Modellkommunen
Wie sich diese Ansätze in der Praxis umsetzen lassen, zeigen die vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen und dem BBSR initiierten Urban Heat Labs. Sechs Modellkommunen erproben dort Maßnahmen wie grüne Korridore, Cooling Points oder hitzeangepasste Sanierungen – auch in denkmalgeschützten Quartieren. Ergänzend hebt das BBSR die Bedeutung öffentlicher, konsumfreier Aufenthaltsorte mit Trinkwasserangebot hervor, die insbesondere gefährdeten Menschen während Hitzeperioden als kühle Rückzugsräume dienen. Für das BBSR steht fest: Hitzeschutz ist längst keine Zukunftsaufgabe mehr. Forschung, Modellprojekte und kommunale Erfahrungen zeigen, dass wirksame Maßnahmen verfügbar sind. Entscheidend ist nun, diese konsequent in Stadtplanung, Gebäudeentwicklung und Infrastruktur zu integrieren.
Diesen sowie weitere Artikel zum Thema Hitzeschutz in Städten und Gebäuden finden Sie ab dem 20. August in der neuen Ausgabe der ElektroWirtschaft.








