Warum sich eine Familienverfassung lohnen kann

Sie gilt als Leitplanke für Unternehmerfamilien: Eine Familienverfassung soll Streitigkeiten vorbeugen, den Zusammenhalt stärken und die Unternehmensnachfolge erleichtern. Dennoch verfügt bislang nur gut jedes dritte Familienunternehmen (36 Prozent) über ein solches Regelwerk – obwohl 59 Prozent dessen Nutzen anerkennen. Weitere 23 Prozent planen die Erarbeitung einer Familienverfassung. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „In bester Verfassung – die Familienverfassung im Familienunternehmen“ der Intes Akademie für Familienunternehmen, PwC Deutschland und der Digital Business University of Applied Sciences (DBU).

Mit einer Familienverfassung regeln Inhaberfamilien die komplizierten Verhältnisse zwischen Eigentümerfamilie und operativem Geschäft, den Umgang untereinander und die Vorstellungen der Inhaberfamilie zur strategischen Ausrichtung sowie zur Governance ihres Unternehmens. Eine Familienverfassung hat keine rechtliche, aber eine starke moralische Verbindlichkeit. Sie kann Grundlage für die Ausgestaltung rechtsverbindlicher Regelungen sein.

Zusammenhalt statt Krisenbewältigung

Vor allem größere und ältere Familienunternehmen mit verzweigten Gesellschafterkreisen sehen Vorteile in einer Familienverfassung. Sie versprechen sich davon in erster Linie eine Professionalisierung ihrer Inhaberschaft und einen stärkeren Zusammenhalt der Familie. Wirtschaftliche Motive spielen dagegen eine untergeordnete Rolle.

Unternehmen mit Familienverfassung berichten häufiger von einem stärkeren Familienzusammenhalt (72 Prozent), besseren Führungs- und Kontrollstrukturen (66 Prozent) sowie mehr Stabilität im Gesellschafterkreis (61 Prozent). Gleichzeitig zeigt die Studie, dass Unternehmen ohne Familienverfassung deutlich unzufriedener mit ihren bestehenden Regelungen sind. Dennoch sehen 53 Prozent dieser Unternehmen derzeit keinen Bedarf für ein entsprechendes Regelwerk.

„Das kann ausgesprochen riskant sein, gerade dann, wenn der Gesellschafterkreis wächst und die Verbundenheit mit dem Unternehmen schwindet“, warnt Britta Wormuth. Die Gefahr ist real – die Studie zeigt, dass Befragte ohne Familienverfassung deutlich unzufriedener mit den Regelungen in ihrem Unternehmen sind als die mit Verfassung: 25 versus 74 Prozent.

Knapp die Hälfte will künftig eine Familienverfassung erstellen

Daher möchten 45 Prozent der Familienunternehmen, die bislang noch über keine Familienverfassung verfügen, in den kommenden fünf Jahren dieses Governance-Instrument erstellen. Weitere 20 Prozent planen, diese zu einem späteren Zeitpunkt zu erarbeiten. Bestärken dürfte sie in ihrer Planung, dass sich das auch in ökonomischer Hinsicht auszahlt: 29 Prozent stellen einen gesteigerten wirtschaftlichen Erfolg fest; außerdem zeigt sich, dass Familienunternehmen mit Verfassung etwas schneller wachsen (47 versus 40 Prozent). „Doch wirtschaftlicher Erfolg ist selten die direkte Wirkung einer Familienverfassung. Sie schafft gemeinsame Orientierung in der Unternehmerfamilie und baut Vertrauen auf, um auch in schwierigen Zeiten entscheidungsfähig zu bleiben. Erst auf dieser Grundlage kann eine nachhaltige Unternehmensstrategie entstehen und dadurch wirtschaftlicher Erfolg“, bilanziert Alexander Koeberle-Schmid, Intes Stiftungsprofessor für Unternehmerfamilien und Familienunternehmen an der DBU.

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