Neue ifo-Analyse zeigt Stimmungsbild europäischer Familienunternehmen

Europäische Familienunternehmen blicken trotz unterschiedlicher konjunktureller Rahmenbedingungen überwiegend positiv in die Zukunft. Das zeigt die neue ifo-Analyse, für die rund 2 000 Führungskräfte aus Familienunternehmen in Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen befragt wurden.

Mehr als 55 Prozent der befragten Familienunternehmen erwarten für das erste Halbjahr 2026 eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage, nur etwa 13 Prozent sehen eine Verschlechterung auf sich zukommen. Auf Sicht von fünf Jahren steigt der Optimismus: rund 67 Prozent gehen von einer besseren Geschäftsentwicklung aus — am ausgeprägtesten in Spanien, gefolgt von Deutschland und Italien. Frankreich zeigt etwas zurückhaltendere Erwartungen, bleibt aber überwiegend optimistisch. Als größte Risiken für die Wettbewerbsfähigkeit werden Fachkräftemangel, volatile Energiepreise und Cyberbedrohungen genannt.

Bewertung der EU-Wirtschaftspolitik

Die Bewertung der europäischen Wirtschafts- und Wettbewerbspolitik fällt insgesamt eher vorsichtig positiv aus: etwa 46 Prozent der Firmen sehen die Arbeit der EU-Institutionen der vergangenen fünf Jahre als gut oder sehr gut, während etwa ein Viertel eine negative Einschätzung äußert. Trotz ihrer wirtschaftlichen Bedeutung fühlen sich rund 70 Prozent der Familienunternehmen als Motor der Wettbewerbsfähigkeit in Europa nicht ausreichend anerkannt.

Zentrale Risiken für die Wettbewerbsfähigkeit

Bei der Einschätzung künftiger Risiken stehen volatile Energiepreise und Fachkräftemangel an der Spitze. Knapp dahinter folgen Cyberrisiken, die in manchen Ländern — etwa Spanien und Frankreich — sogar noch stärker gewichtet werden als klassische wirtschaftliche Unsicherheitsfaktoren. Geopolitische Spannungen, Handelshemmnisse und regulatorische Belastungen runden das Risikobild ab.

Politische Erwartungen: Bürokratieabbau im Fokus

Ein zentrales Ergebnis der Studie sind die politischen Erwartungen der Unternehmen: Eine deutliche Mehrheit sieht in Bürokratieabbau und schnelleren, transparenteren Verwaltungs- und Genehmigungsverfahren den wichtigsten Hebel zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit. Auch Verbesserungen bei digitalen Verwaltungsstrukturen und vereinfachte Nachhaltigkeitsberichterstattung werden breit unterstützt.

Die Studie zeigt europäische Familienunternehmen als vergleichsweise stabile und langfristig orientierte Akteure, die trotz konjunktureller Unsicherheiten überwiegend zuversichtlich bleiben. Ihr Optimismus speist sich weniger aus kurzfristigen Erwartungen als aus einer strategischen, generationenübergreifenden Perspektive. Gleichzeitig macht die Analyse deutlich, dass sich viele Betriebe durch politische und regulatorische Rahmenbedingungen ausgebremst fühlen. Um das Wachstumspotenzial und die Wettbewerbsfähigkeit der Familienunternehmen in Europa nachhaltig zu sichern, sehen sie vor allem Handlungsbedarf beim Bürokratieabbau, bei verlässlichen Energie- und Standortbedingungen sowie bei einer stärkeren politischen Anerkennung ihrer wirtschaftlichen Bedeutung.

Mehr zum Thema Familienunternehmen finden Sie ab dem 12.02.2026 in der Februar-Ausgabe der ElektroWirtschaft.

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