Am 21. März 2026 trafen sich FAMO-Geschäftsführer Roger Konrad und Vertriebsleiter Gerrit Veltrup mit Dennis Rohde, Mitglied des Deutschen Bundestages (MdB) am Hauptstandort der Famo GmbH & Co. KG in Oldenburg, um über den Elektrogroßhandel, die wirtschaftliche Situation der Branche und bürokratische Herausforderungen zu sprechen. Begleitet wurde das konstruktive Treffen durch die VEG-Geschäftsstelle und VEG-Geschäftsführer Darius Kremer.
Zum Auftakt erkundigte sich der Parlamentarische Staatssekretär für Finanzen nach dem dreistufigen Vertriebsmodell der E-Branche, der Funktion von Ausstellungen im Großhandel und konkurrierende Absatzwege. Der SPD-Politiker fragte auch nach den aktuellen Lieferzeiten für Wärmepumpen, da es für diese zeitweise Wartezeiten von bis zu sechs Monaten gab. Roger Konrad wies darauf hin, dass dies dem sprunghaften Anstieg der Nachfrage aufgrund des angekündigten Gebäudeenergiegesetzes geschuldet gewesen sei. Herstellungsprozesse könnten nur begrenzt flexibel an den volatilen Markt angepasst werden.
Im Hinblick auf das Geschäftssegment Photovoltaik zeigte Gerrit Veltrup den Kontrast zwischen dem Wunsch nach resilienten Lieferketten und der Abhängigkeit von ausländischen Herstellern, insbesondere aus China, auf. Sowohl Famo als auch Rohde hielten die Rückverlagerung von Produktionsstätten ins Inland jedoch für nicht realistisch. Beim unregulierten Import von vernetzten Produkten aus Asien, beispielsweise über Shein und Temu, sieht Veltrup Datenschutzrisiken und eine Gesundheitsgefährdung der Verbraucher. Bei hochtechnischen Produkten sei zudem eine Beeinträchtigung der Sicherheit deutscher Stromnetze und der Abfluss sensibler Daten zu befürchten. Hier wünschte er sich stärkere Einfuhr- und Produktkontrollen. Herr Rohde teilte seine Bedenken und bestätigte, dass diese Problematik in Berlin ganz oben auf der Agenda stehe.
Roger Konrad schilderte die Herausforderungen bei der verpflichtenden, regelmäßigen Durchführung von Energieaudits nach § 8 des Gesetzes über Energiedienstleistungen und andere Energieeffizienzmaßnahmen (EDL-G). Die Energieaudits bänden Ressourcen im Unternehmen ohne praktischen Nutzen, da Energiesparmaßnahmen ohnehin aus wirtschaftlichem Interesse kontinuierlich vorangetrieben würden. Auch bei den Pflichten nach Corporate Sustainablity Reporting Directive (CSRD) und Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) sah Konrad eine hohe Bindung personeller und finanzieller Ressourcen, die aufgewendet würden, ohne abschließende Klarheit über die zu erfüllenden Vorgaben. Er betonte, dass die europäische und nationale Gesetzgebung in den letzten Jahren zu kurzfristig und volatil gewesen sei.
Darius Kremer ergänzte, dass die in letzter Zeit beschlossenen Maßnahmen zur Begrenzung von Bürokratie (wie die Stop-the-Clock-Regelung, die eingeleiteten Omnibus-Verfahren oder die erneute Verschiebung der Entwaldungsverordnung) sehr zu begrüßen seien. Die Berichtspflichten waren in ihrer ursprünglichen Fassung zu komplex. Viele Umsetzungsfragen waren unbeantwortet und den Vorgaben mangelte es an Differenzierung danach, ob im konkreten Anwendungsfall überhaupt ein Risiko für die geschützten Rechtsgüter bestand. Viele Unternehmen hätten bereits jetzt immense Ressourcen investiert, ohne zu wissen, wohin die Reise eigentlich gehen solle. Die Verschiebungen und Erleichterungen seien daher gut, aber im Hinblick auf die getroffenen Dispositionen nur ein halber Trost. Wünschenswert wären von vornherein praxisorientierte, verlässliche und klare Rahmenbedingungen. Kremer forderte, dass sämtliche Regelungsvorhaben schon im frühen Stadium darauf überprüft werden, welchen Bürokratieaufwand sie verursachen und wie praxistauglich sie sind. Hierfür zeigte Dennis Rohde Verständnis.
Ebenfalls kritisch sah Famo-Geschäftsführer Konrad die Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie zum gegenwärtigen Zeitpunkt, da sie den Unternehmen in einer wirtschaftlichen Krisensituation weitere umfassende Berichtspflichten auferlege. In kleinen und mittelständigen Unternehmen bestehe ohnehin kaum Vergleichbarkeit zwischen Arbeitsplätzen. Die Offenlegung von Löhnen würde somit vorrangig zu verwaltungstechnischem Mehraufwand führen und sei kaum geeignet als Instrument für größere Lohngerechtigkeit.
Dennis Rohde hielt das EntgTranspG hingegen für unerlässlich zur Überwindung des Gender Pay-Gaps. Er verwies auf Norwegen, wo das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen durch rückhaltlose Gehaltstransparenz nachweislich geschlossen werden konnte. Besorgt zeigte sich Rohde über die schwierige wirtschaftliche Lage der Branche und fragte nach den Ursachen. Diese sahen Konrad und Veltrup vor allem im Rückgang der Investitionsbereitschaft angesichts der Konjunktur und der schlechten Finanzierbarkeit des (privaten) Neubaus durch hohe Preise, technische Anforderungen und steigende Bauzinsen.
Im Allgemeinen wünschten sich Konrad und Veltrup von der Politik mehr Entschlossenheit, Mut zum Handeln und Zusammenhalt zwischen den Fraktionen – statt Konfrontationen und Parteipolitik. Herr Rohde beruhigte, dass die fraktionsübergreifende Dialogbereitschaft abseits des großen Plenums deutlich ausgeprägter sei, als es in der Öffentlichkeit scheine.
Gefragt nach konkreten Wünschen für die Branche und eine beschleunigte Energiewende benannte Veltrup die Vereinheitlichung des Netzzugangs. Die regionalen Netzbetreiber stellten Handwerkskunden bei der Erfüllung der Anschlussvoraussetzungen vor große Herausforderungen. Der Großhandel, der seine Kunden hier mit Schulungen und Produktberatung unterstützt, könne nur bedingt helfen, wenn sich Anforderungen und verlangte Zertifikate regional stark unterscheiden. Herr Rohde fragte nach den Weiterbildungsangeboten für das Handwerk. Roger Konrad berichtet, dass das Interesse hoch und vor allem technisch anspruchsvolle Schulungen und Zertifizierungen stark nachgefragt seien.
Als positives Beispiel gesetzlicher Neuerungen bewertete Gerrit Veltrup die Einführung der eRechnungspflicht, da diese die Abläufe im Handel, insbesondere in der Buchführung, deutlich beschleunige. Auf Nachfrage von Herrn Rohde, ob die eRechnungspflicht zur Vermeidung von Schwarzarbeit beitrüge, vermutete Veltrup, dass dafür benötigtes Material über alternative Beschaffungswege erworben werde.
Abschließend zeigte sich Dennis Rohde interessiert an konkreten Ansatzpunkten für den Abbau von bürokratischen Hürden. Er verwies in diesem Zusammenhang auf das neue Meldeportal der Bundesregierung, ermutigte Konrad und Veltrup jedoch, ihn jederzeit auch wieder direkt anzusprechen.
Famo-Geschäftsführer Roger Konrad freute sich über das konstruktive Gespräch und die Zeit, die Herr Rohde sich für das ausführliche Gespräch genommen hat. Er plant, das Gesprächsangebot bei Bedarf wieder aufzugreifen: „Wir Unternehmen sollten die Gelegenheit nutzen, mit den regional gewählten Politikerinnen und Politikern im Austausch zu bleiben, damit in Berlin unsere Interessen vertreten werden.“








