Der Übergang zur Kreislaufwirtschaft entscheidet darüber, wie zukunftsfähig der Bausektor wirklich ist. Der erste Teil der Serie „Nachhaltig nachgehakt“ ordnet die wirtschaftlichen Effekte für die Elektrobranche ein und zeigt auf, wo bislang Chancen ungenutzt bleiben.
Zirkuläres Bauen rückt in Deutschland immer stärker in den Fokus. Die Dringlichkeit lässt sich präzise beziffern. Der Bausektor verursacht rund 40 Prozent des gesamten Rohstoffverbrauchs, laut der Studie „Nachhaltige Baustoffwende“ von Holcim und dem Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. Etwa 55 Prozent des gesamten deutschen Abfallaufkommens gehen auf Bauaktivitäten zurück, wie die Kommission Nachhaltiges Bauen am Umweltbundesamt (KNBau) bestätigt. Gleichzeitig liegt der Anteil hochwertig recycelter Bauprodukte, die in den Gebäudesektor zurückkehren, im einstelligen Prozentbereich. Diese Zahlen markieren somit nicht nur ein ökologisches, sondern ein wirtschaftliches Problem. Die Elektrobranche steht dabei mitten im Zentrum dieser Entwicklung. Denn der Großteil der in Gebäuden verbauten elektrotechnischen Komponenten besteht aus Metallen und Kunststoffen, deren Produktion energieintensiv ist und deren Rückgewinnung bislang selten gelingt.
Laut der Holcim-Studie verfügt Deutschland über ein anthropogenes Lager von rund 20,8 Milliarden Tonnen Baumaterial allein in Wohn- und Nichtwohngebäuden. Dieses Materiallager umfasst auch große Mengen an Elektroinstallationen, die bislang meist mit dem Rückbau verloren gehen. Die KNBau bezeichnet dieses Lager als zentrale Ressource einer zukünftigen Kreislaufwirtschaft.
Politik setzt den Rahmen und öffnet neue Märkte
Politisch wird die Richtung klar vorgegeben. So fordert die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie eine deutliche Reduktion des Primärrohstoffverbrauchs. Ergänzend dazu verpflichtet die 2025 in Kraft getretene EU-Bauproduktenverordnung (BauPVO) Hersteller und Bauherren zu mehr Transparenz über Materialeinsatz, Umweltwirkungen und Rückbaumöglichkeiten. Mehrere Bundesländer gehen voran. So entwickelte Baden-Württemberg einen eigenen Leitfaden zum zirkulären Bauen, der die Wiederverwendung von Bauteilen systematisch beschreibt und in der öffentlichen Beschaffung verankert. Das Gewicht der öffentlichen Hand ist enorm. Mit einem jährlichen Bauvolumen von über 500 Milliarden Euro wirkt sie laut der Holcim-Studie als marktprägende Kraft bei der Umsetzung nachhaltiger Standards.
Den gesamten Artikel finden Sie in der neuen Ausgabe 01/2026 der ElektroWirtschaft.








