„Der Bau-Turbo ist kein Allheilmittel, aber ein sinnvoller Anfang“

Der Bau-Turbo eröffnet Kommunen zwar neue Spielräume, wirft aber auch viele praktische Fragen auf. Wie diese in der Realität beantwortet werden können, zeigt die Arbeit des neuen „Bau-Turbo Umsetzungslabors“. Im Interview erklärt Maria Mußotter, Projektleiterin von Seiten der Bauwende Allianz, wo Tempo entsteht, welche Hürden bleiben und warum Zusammenarbeit entscheidend ist.

Frau Mußotter, Sie leiten das Bau-Turbo Umsetzungslabor. Was genau dürfen sich unsere Leser darunter vorstellen?

Maria Mußotter: Das Umsetzungslabor ist eine gemeinsame Initiative der Bauwende Allianz von Project Together, dem Deutschen Institut für Urbanistik (Difu) und dem Bundesbauministerium. Unser Ziel ist es, gemeinsam mit den Kommunen vor Ort zu erproben, wie der Bau-Turbo in der Praxis wirksam eingesetzt werden kann. Der Bau-Turbo eröffnet den Kommunen große Chancen, flexibler zu handeln und schneller bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Gleichzeitig entstehen viele Fragen zur Anwendung – genau hier setzen wir an. Wir schaffen Austausch- und Lernräume, in denen Kommunen und Praktiker voneinander lernen können, wie Wohnraum schneller, sozial ausgewogen und ökologisch verantwortungsvoll entsteht. Dafür haben wir verschiedene Formate entwickelt, etwa den monatlichen interkommunalen Austausch mit thematischen Schwerpunkten, in dem Pionierkommunen ihr Wissen teilen. Zum Auftakt hatten wir im November eine große, hybride Werkstatt mit knapp 2.000 Teilnehmern – ein deutliches Zeichen für den Bedarf. Besonders gefragt sind aktuell Muster und Vorlagen. Entsprechend haben wir zuletzt den Austausch zu Grundsatzbeschlüssen und Leitlinien organisiert, beispielsweise aus Potsdam und Herne, die in diesem Bereich schon sehr weit sind. Wichtig ist auch die Rückkopplung ins Ministerium, damit Praxiserfahrungen direkt in die Weiterentwicklung des Instruments und perspektivisch in die BauGB-Novelle einfließen. Zudem binden wir weitere Akteure aus Fachpraxis, Wirtschaft und Zivilgesellschaft ein.

Welche Lücke im Bau- und Sanierungskontext möchten Sie damit schließen?

Maria Mußotter: Wir als Bauwende Allianz sind ein sektorübergreifendes Bündnis aus Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Wissenschaft. Unser Ziel ist ein zukunftsfähiges Bauen innerhalb planetarer Grenzen, verbunden mit sozialem Wohnen. Beides gehört für uns zusammen. Als klar wurde, dass der Bau-Turbo kommt, war es uns wichtig, seine Umsetzung konstruktiv zu begleiten. Wir standen dem Gesetz – wie viele andere auch – nicht völlig unkritisch gegenüber, haben uns aber früh entschieden, dessen Umsetzung bestmöglich zu unterstützen. Ob der Bau-Turbo erfolgreich sein wird, entscheidet sich weniger im Gesetzestext als in der Praxis, in den Kommunen und in der politischen Haltung vor Ort. Die Herausforderung besteht darin, Beschleunigung, Umwelt- und Nachbarschaftsschutz klug auszubalancieren. Genau hier setzt das Umsetzungslabor an. Es soll Kommunen befähigen, den Bau-Turbo sinnvoll zu nutzen und Antworten auf die zentralen Umsetzungsfragen zu finden.

Das gesamte Interview finden Sie in der neuen Ausgabe 01/2026 der ElektroWirtschaft.

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