„Das vorläufige Scheitern des Mercosur-Abkommens ist ein absolutes Desaster. Europa präsentiert sich erneut als komplett handlungsunfähig. Es ist kein Wunder, wenn wir international nicht ernst genommen werden. Die Abgeordneten, die im EU-Parlament gegen das Abkommen gestimmt haben, haben Trump und Putin den größtmöglichen Gefallen getan. Eine solche Ignoranz ist angesichts der dramatischen Weltlage kaum zu ertragen. Freihandelsabkommen sind unsere größte Chance, als Europa stärker und unabhängiger von den anderen Weltmächten zu werden. Die Kommission muss jetzt handeln. Sie sollte das Mercosur-Abkommen trotzdem vorläufig in Kraft treten lassen. Sonst scheitert nicht nur das Abkommen, sondern die gesamte EU nimmt Schaden“, fordert Dr. Dirk Jandura, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), anlässlich der Überweisung des Mercosur-Abkommens an den EuGH.
Ähnlich deutlich fällt die Kritik aus der Industrie aus: Auch der ZVEI sieht in der Verzögerung des Mercosur-Abkommens einen schweren Fehler mit langfristigen Folgen für Europas Wettbewerbsfähigkeit.
Wolfgang Weber, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung, kritisiert die Entscheidung des EU-Parlaments, den Europäischen Gerichtshof mit einem Gutachten zu Mercosur zu beauftragen:
„Dass das Mercosur-Abkommen immer weiter ausgebremst und nun durch den Beschluss des Europäischen Parlaments auf unbestimmte Zeit – mindestens jedoch um Monate – verzögert wird, ist ein bitterer Rückschlag für Europa und seine Industrie. Für die Elektro- und Digitalindustrie bleibt damit auch nach 25 Jahren Verhandlungen ein Markt mit rund 90 Milliarden Euro Volumen weiterhin durch Zölle, regulatorische Hürden und mangelnde Planungssicherheit versperrt.
Die deutsche Elektro- und Digitalindustrie ist auf wachsende, importorientierte Märkte angewiesen. Ohne Abkommen gehen konkrete Chancen für europäische Anbieter verloren, während andere Wirtschaftsräume ihre Präsenz in Südamerika gezielt ausbauen. Das schwächt die internationale Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen.
Problematisch ist die deutliche Verzögerung auch mit Blick auf die europäische Agenda für mehr Diversifizierung und Resilienz. In Zeiten geopolitischer Unsicherheit braucht Europa mehr, nicht weniger verlässliche Handelspartner, auch um Abhängigkeiten von einzelnen Regionen zu reduzieren. Gleiches gilt für den Zugang zu strategischen Rohstoffen, der ohne einen stabilen institutionellen Rahmen erschwert wird. Europa wird damit wirtschafts- und handelspolitisch an Glaubwürdigkeit verlieren.“








